
Einer der Referenten war Dr. Andree Burke der seit Oktober 2025 den Fachbereich Pastoraltheologie und Homiletik an der Universität Innsbruck leitet. Der 35jährige war davor Leiter des Seelsorgeamtes in Hamburg. Thomas Berger-Holzknecht führte mit ihm das folgende Gespräch:

Herr Professor Burke, Sie haben drei Argumentationslogiken beschrieben, die uns z. B. in einem Pfarrgemeinderat begegnen können. Welche sind das und zu welchen Erwartungen führen sie?
Der Tübinger Theologe Michael Schüßler unterscheidet drei Zeitwahrnehmungen. Demnach wird Zeit wahrgenommen als Ausdruck des Ewigen oder als Situation einer gemeinsam zu bestreitenden Geschichte oder als Erlebnis von Ereignissen, durch die im Grunde genommen jederzeit alles anders werden kann.
In diesen drei „Logiken“ lässt sich auch Kirche denken: als perfekte Gesellschaft, die sich von der Welt abgrenzen muss (Logik der Ewigkeit), als wanderndes Volk, das sich primär über die Gemeinschaft definiert (Logik der gemeinsam zu bestreitenden Geschichte) oder als verflüssigter Ausdruck von Religiosität, die hier und da in das Leben von Menschen einfällt (Logik des Ereignisses). Verbunden damit sind sehr verschiedene Erwartungen zum Beispiel daran, was Hauptamtliche leisten sollen oder wozu man ein Kirchgebäude nutzen darf.
Was können wir daraus lernen?
Zum einen wird durch diese Analyse ersichtlich, wie grundlegend verschieden die Erwartungen sind, die mit Kirche verbunden werden. Dadurch wird die Situation z. B. in einem Pfarrgemeinderat zunehmend komplex und es kann helfen, wenn man sich orientieren kann.
Zum anderen lässt sich aber auch erkennen, dass es notwendig ist, die Ereignishaftigkeit religiösen Erlebens heute ernst zu nehmen, um den Anschluss an gegenwärtige Entwicklungen nicht zu verpassen. „Kirche“ steht heute manchmal einfach für die Gelegenheit, einem vielleicht eher flüchtigen religiösen Erlebnis Ausdruck zu verleihen. Will man dieser „Logik“ angemessen begegnen, wird man zunächst lernen müssen, aufmerksam für genau diese Ereignisse im Leben von Menschen zu sein.
Sie haben mit uns auf unserer Fortbildung über das Spielen nachgedacht. Wieso ist das für die pastorale Arbeit wichtig?
Die Auseinandersetzung mit dem Spiel schärft gerade die Aufmerksamkeit für das Ereignishafte. Denn zu spielen bedeutet, nicht lediglich eine Leistung zu erbringen, von der man eigentlich schon genau weiß, was dabei herauskommen wird. Das Spiel schafft einen Raum für Überraschendes. Spiel baut eine Spannung auf, die auf paradoxe Weise das Unerwartbare erwartbar hält. Genau deshalb kann die Erschließung kirchlicher Pastoral als ein Spielraum –ohne ihr dabei den Ernst abzusprechen! – ein Erneuerungsimpuls sein.
Gibt es etwas, das sie den Verantwortlichen für die Pastoral vor Ort mitgeben möchten?
Ich habe es das eine oder andere Mal erlebt, dass Menschen mit Blick auf die kirchliche Pastoral gesagt haben: „Noch können wir das ja…“, also etwa ein bestimmtes kirchliches Angebot aufrechterhalten. Mir erscheint das Noch allerdings eher ungünstig, vor allem dann, wenn es zum prägenden Stil kirchlicher Pastoral wird – die Noch-Pastoral.
Das Problematische daran ist, dass man in der Noch-Pastoral nicht wirklich offen in die Zukunft schaut, sondern eher eine vorausliegende Veränderung bedauert. Das kostet Energie, die gebraucht wird, um die Veränderungen zu verstehen und zu gestalten. Spielräume werden so eher geschlossen. Mein Impuls wäre: Möglichst wenig Noch sagen.
Herr Professor Burke, ich danke für das Gespräch!