
Von Julia Kopf, Archiv der Diözese Feldkirch
Ritueller Dank für eine gute Ernte hat in Kulturen, die auf Ackerbau beruhen, schon immer eine Rolle gespielt. In der katholischen Kirche gibt es das Erntedankfest in der heute bekannten Form seit dem 18. Jahrhundert, als die Gesellschaft noch stark bäuerlich geprägt war. Aber auch heute noch gehört das Erntedankfest, das jährlich Anfang Oktober gefeiert wird, zu den Fixpunkten im Kirchenjahr. Dabei ist es Tradition, aus Feldfrüchten und Blumen geflochtene Erntekronen oder Körbe mit Gemüse und Obst im Rahmen des Gottesdienstes zu segnen.
Landwirtschaft war früher nicht nur für die ländliche Bevölkerung, sondern auch für die Pfarren von großer Bedeutung: Einerseits als Wirtschaftsfaktor, da zur Pfarre gehörige Äcker und Wiesen verpachtet wurden, andererseits aber auch in Form des Pfarrgartens, der zur Selbstversorgung genutzt wurde. Dieser stellte aber auch eine zusätzliche Einkommensquelle dar. So musste der Pfarrer die Erträge aus der Nutzung des Pfarrgartens in der jährlichen Fassion – der Steuererklärung der Pfarre – angeben. Als Grundlage hierfür wurden Schätzprotokolle erstellt und von Zeugen bestätigt. Ein frühes Dokument dieser Art findet sich im Pfarrarchiv Bürs.
Dieses „Schazungs-Protokoll über den reinen Ertrag des zur Pfarrpfründe in Bürs gehörigen Graß und Gemüß Garten“ aus dem Jahr 1812 gibt einen Einblick in Größe, Nutzung und Ertrag eines Pfarrgartens: Der ca. 600 m² große Garten bestand hauptsächlich aus Wiese. Da er „von Fruchtbäumen […] noch unbesezt“ war, waren Heu und Grumat (Heu aus dem zweiten Grasschnitt) die Haupternte – der Schätzung nach jährlich 5 Zentner, was umgerechnet rund 280 kg entspricht. Zudem gab es noch „2 Garten Bettee zu Gemüß“ und ein ca. 50 m² großes „Kräutelgärtlein“. Monetär war dieser Garten der Auflistung nach aber nicht sehr ertragreich: Der Wert von Heu und Grumat wird mit 5 Gulden veranschlagt, wovon aber 4 Gulden für „1 Fuder nothwendiger Thuenung“ (1 Wagenladung Kuhmist als Dünger) und für Tageslöhne für Mäharbeiten abzuziehen sind. Auch vom mit 3 Gulden veranschlagten Wert des Gemüse- und Kräutergartens bleibt nach Abzug der Düngerkosten („ohne übrige Arbeith zu Rechnen“) nur mehr 1 Gulden übrig. Ergibt zusammen einen zu versteuernden Ertrag von 2 Gulden, was umgerechnet max. 50 € entsprechen würde.
Offenbar ist man damals in Bürs also nicht den Empfehlungen in dem vom bayerischen Landpfarrer Franz Xaver Geiger verfassten Buch „Pastorallehre von den Pflichten eines Seelsorgers“ (1789) gefolgt: „Wer einen geräumigen Garten hat, und vom Obste viel Nutzen ziehen will, der pflanzt nicht einerley Obst, sondern von allerley Sorten; er pflanzt Stein- und Kernobst; pflanzt Früh- und Spätobst; pflanzt Obst zum Verkaufen, zum Verspeisen, zum Dörren, zum Essig machen, ja wenn man einmal die Baumzucht weit genug gebracht hat, so wird man auch auf das Weinmachen verfallen, welches viel Geld und manchen kraftvollen Trunk gibt.“ (S. 47)
Quellen:
AT-ADF 3. PA Bürs 40.4.
Hans Mendl, Zwischen Kanzel und Stall – der Pfarrer und sein Garten im 18. und 19. Jahrhundert, in: Claudia Gröschel / Hermann Scheuer (Hg.), Frauendorfer Gartenschätze. Das Werk Johann Evangelist Fürsts im Spiegel seiner Zeit (Passau 2012) 57-70.
Die mehrteilige Serie "Ans Licht gebracht" des Diözesanarchivs Feldkirch macht verborgene Schätze sichtbar.
Teil 1: Fasching vor 200 Jahren
Teil 2: Das Fastentuch im Marianum
Teil 4: Ein Hauch von Lourdes in Bregenz