
Vor kurzem begleitete Sabine Mangeng von HOKI (Hospiz für Kinder und Jugendliche) ein achtjähriges Mädchen, das um seinen geliebten „Göti“ trauerte. Gemeinsam machten sie ein Picknick im Grünen. Beim Jausnen erzählte das Mädchen, dass ihr Patenonkel besonders gerne Erdbeeren gegessen hatte. „So sind wir ins Reden gekommen und die Erinnerung an den Göte wurde wieder lebendig“, erzählt Sabine Mangeng.
Kinder trauern anders als Erwachsene. Speziell bei kleinen Kindern wechseln sich unbeschwerte und traurige Momente oft schnell ab: „Eben noch weinen sie, weil sie einen geliebten Menschen vermissen, im nächsten Moment laufen sie zur Schaukel und spielen fröhlich mit einem Freund“, erzählt Sabine Mangeng und betont gleichzeitig: „Dass Kinder zwischendurch lachen und unbeschwert wirken, bedeutet nicht, dass sie nicht traurig sind.“
Auch im Spiel verarbeiten Kinder Erlebtes. Sabine Mangeng erinnert sich an ein Kind, das nach einem tödlichen Autounfall in der Familie immer wieder zwei Spielzeugautos gegeneinanderstieß und rief: „Bumm, jetzt sind alle tot.“ Für das Kind war es wichtig, das Geschehene auf diese Weise nachzuspielen. „Erwachsene sollten solche Reaktionen nicht vorschnell bewerten oder unterbinden.“
Auch Jugendliche haben ihren eigenen Umgang mit Verlust. Das zeigt sich besonders rund um Allerheiligen und Allerseelen. Irene Christof von der Kontaktstelle Trauer berichtet von jungen Menschen, die lieber mit Freunden zusammensitzen, anstatt mit der Familie ans Grab zu gehen. Für Eltern oder Großeltern ist das manchmal schwer zu verstehen. „Doch nur weil jemand mit dem Friedhofsbesuch nicht viel anfangen kann, vermisst er oder sie den verstorbenen Menschen nicht automatisch weniger“, betont Irene Christof. Entscheidend sei, einander nicht vorzuschreiben, wie Trauer auszusehen hat, sondern unterschiedliche Wege zu respektieren.
Rund um Allerheiligen können Familien Kinder aktiv einbeziehen, etwa beim Schmücken des Grabes, beim Anzünden einer Kerze oder beim gemeinsamen Erinnern. Wer nicht mit auf den Friedhof gehen möchte, kann dennoch Teil des gemeinsamen Gedenkens sein. „Derjenige, der lieber daheimbleibt, kann zum Beispiel in der Zwischenzeit eine Jause für die anderen vorbereiten“, so Irene Christof.
HOKI und die Kontaktstelle Trauer von Hospiz Vorarlberg begleiten Familien nach Todesfällen oder bei schweren Erkrankungen. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen schaffen Raum für Gespräche, Erinnerungen und Fragen. Zudem werden Kinder in Workshops altersgerecht an die Themen Tod, Abschied und Trauer herangeführt.
In ihrer Arbeit erleben Sabine Mangeng und ihr Team immer wieder, wie wichtig verlässliche Bezugspersonen für Kinder in Zeiten der Trauer sind. „Die Wahrheit ist Kindern zumutbar“, sagt sie. Kinder spüren genau, wenn etwas nicht stimmt. Deshalb sollen Erwachsene ihre Gefühle nicht verbergen. „Auch Mama darf weinen, traurig oder wütend sein.“ Entscheidend sei, Kindern zu vermitteln, dass jede Emotion ihren Platz hat.
„Wo ist Oma jetzt?“, „Kann Papa im Himmel Fußball spielen?“ oder „Wie kann man denn auf Wolken schlafen?“ Nach einem Verlust stellen Kinder oft Fragen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt. Umso wichtiger ist es, authentisch zu bleiben. „Ein ehrliches, Ich weiß es nicht‘ ist erlaubt“, sagt Sabine Mangeng. Hilfreich sei es, zurückzufragen: „Was glaubst denn du?“ So können Kinder ihre eigenen Vorstellungen entwickeln und mit Erwachsenen darüber ins Gespräch kommen.
Sabine Mangeng und Irene Christof möchten Familien ermutigen, offen miteinander über Verlust und Trauer zu sprechen. Kinder orientieren sich stark daran, wie ihr Umfeld damit umgeht. „Sie lernen nicht nur durch Erklärungen, sondern durch das, was ihnen vorgelebt wird. Deshalb brauchen sie Menschen, die zuhören, ehrlich sind und ihnen Sicherheit geben.“ Denn Trauer verläuft nicht nach einem festen Muster. „Jeder Weg ist unterschiedlich“, sagt Irene Christof. „Alles darf sein.“
Kontaktstelle Trauer:
Irene Christof, T 05522-200 1154, E irene.christof@caritas.at
HOKI – Hospiz für Kinder und Jugendliche:
Sabine Mangeng, T 676 88420-5115 E sabine.mangeng@caritas.at