
Von Othmar Lässer, Diözesankonservator
Im Jahr 2026 übersiedelte eine romanische Kreuzigungsgruppe aus der Propstei St. Gerold in den Altarraum der Pfarrkirche Reuthe im Bregenzerwald. Die sehr ausdrucksstarke Schnitzarbeit ist eine Leihgabe der Diözese Feldkirch. Christus am Kreuz wird in seinem Sterben begleitet von seiner Mutter Maria und dem Jünger Johannes. Wie in der Romanik üblich wird der Gekreuzigte als König in aufrechter Körperhaltung dargestellt. Seine weit ausgebreiteten Arme reichen an die Fresken heran, schaffen Verbindung und zentrieren die dargestellten Glaubensinhalte der biblischen Wandmalereien. Hoffen und Sehnen, Glauben und Vertrauen vereinen sich in diesem Christus, der vor dem Ostfenster, dem Licht der Auferstehung steht.
Von besonderer emotionaler Eindringlichkeit sind die beiden Assistenzfiguren. Die Trauer ist der Mutter Jesu ins Gesicht geschrieben. Ihre Haltung wirkt aber gefasst und in sich ruhend. Sie scheint sich dem Unausweichlichen zu fügen.
Der Hl. Johannes, traditionell als Lieblingsjünger Jesu bezeichnet, neigt seinen Kopf zur Seite und stützt ihn mit seiner rechten Hand. Es stellt dies eine Geste großer Trauer und Ohnmacht dar. Die Neigung geht in Richtung des Gekreuzigten. Auch im Sterben und Tod bleibt Johannes treu mit Jesus verbunden. Das Buch in seiner Linken weist den Hl. Johannes als einen der vier Evangelisten aus.
Die Kreuzigungsgruppe führt den Betrachter in das Herzstück des christlichen Glaubens: das Sterben, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Der Gekreuzigte mit seinen ausgebreiteten Armen lädt alle ein, besonders jene, die „mühselig und beladen“ sind (Mt 11,28).

Die Darstellung erinnert auch einen Gedanken aus dem Prolog der Regel des Hl. Benedikt: „Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden“. Das galt in der Benediktiner-Propstei St. Gerold. Und das gilt nun auch in der Pfarrkirche Reuthe.
Am 14. September begeht die Kirche den „Heilig-Kreuz-Tag“ (offiziell „Fest der Kreuzerhöhung“). Das Fest erinnert an die Weihe der Grabeskirche in Jerusalem und die Auffindung des "Wahren Kreuzes" durch die Hl. Helena, die Mutter von Kaiser Konstantin.
In Vorarlberg spielt der „Heilig-Kreuz-Tag“ auch im ländlichen Brauchtum eine wichtige Rolle, da um diesen Tag herum (sofern die klimatischen Verhältnisse es zulassen) traditionell die Alpabtriebe stattfinden.
Die mehrteilige Serie "Ans Licht gebracht" des Diözesanarchivs Feldkirch macht verborgene Schätze sichtbar.
Teil 1: Fasching vor 200 Jahren
Teil 2: Das Fastentuch im Marianum
Teil 4: Ein Hauch von Lourdes in Bregenz