Fünf Jahre nach dem Aufsetzen des Klimaabkommens von Paris ist die Bilanz... durchwachsen. Aber: Noch ist das 1,5-Grad-Ziel nicht außer Reichweite!

Happy birthday, Klimaabkommen! Vor fünf Jahren, am 12. Dezember 2015, wurdest Du in Paris beschlossen! Wenn das kein Grund zu feiern ist! Der Sekt steht kühl, die Luftschlangen hängen – lasset die Spiele beginnen!

Wie, Du bist gar nicht in Partylaune? Bloß, weil es lediglich sieben von 195 ratifizierenden Staaten inzwischen geschafft haben, ihr Klimagas-Emissionen so zu drücken, dass das Erreichen des vereinbarten 1,5- bis 2-Grad-Ziels plausibel erscheint (namentlich: Indien, Äthiopien, Kenia, die Philippinen, Costa Rica, Marokko und Bhutan)? Weil es, genau genommen, eigentlich kaum eins der übrigen Länder ernsthaft probiert? Und weil das ein, nun ja, echtes Problem ist?

Ein zahnloser Tiger?

Och, hab dich nicht so: Dieses Abkommen war ein wirklich wichtiger Schritt und dass es von nahezu allen Ländern der Erde anerkannt wurde, ist doch toll! Denn das heißt, dass die Regierungen all dieser Staaten zumindest gehört haben, dass es für den Erhalt unserer Erde essenziell ist, die globale Erwärmung auf maximal 1,5 Grad zu beschränken.

Was, „gehört“ heißt nicht „geschafft“? Und wir sind bei gleichbleibender Emissionsintesnität auch nur noch 7 Jahre, vielleicht nur noch fünf von der 1,5-Grad-Marke entfernt? Nun, das stimmt natürlich. Und dass dieser Vertrag so ohne bindende Maßnahmen oder gar Sanktionen ein reichlich zahnloser Tiger ist, wurde immer wieder bemängelt.

Eine breite Basis

Mh. Aber… die Fridays-for-Future-Bewegung! Junge Menschen, die das ganz dufte fänden, wenn mal was passierte – und auch bereit sind, selbst etwas dafür zu tun! Die gab es vor fünf Jahren noch nicht, haben sich seit Greta Thunbergs ersten Schulstreiks aber zu einer Bewegung gemausert, die am 15. März 2019 fast 1,8 Mio. Menschen zu Demonstrationen mobilisierte! Ohne die Corona-Pandemie wäre da 2020 sich noch viel mehr drin gewesen. Sprich: Die „Lobby“ für eine neue Klimapolitik ist da!
Und à propos Pandemie: Derentwegen sind heuer viel weniger Flieger geflogen, Autos gefahren, ja: ganze Industriezweige lagen brach, also: viel geringere Emissionen! Wenn das nichts ist!

Was, das ist wirklich nichts? Alle Effekte waren nur kurzfristig und schnell wieder „aufgeholt“? Och, so macht das keinen Spaß. Soll es wirklich nichts geben, was Hoffnung auf eine bessere Zukunft macht?

Was zu tun bleibt

Doch. Erstens: Joe Biden als designierter Präsident der USA hat angekündigt, dem Abkommen wieder beizutreten. Die Vereinigten Staaten gehören zu den weltweit größten Klimagasemittenden und der Schritt wird auf Seiten von Aktivisten bejubelt: „Zusammen mit Chinas Versprechen von CO2-Neutralität bis 2060 und den Plänen der EU, Japans und Südkoreas, bis 2050 klimaneutral zu sein, nähern wir uns einem Kipppunkt, der das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Abkommen in greifbare Nähe rückt“, freut sich beispielswiese die Analystengruppe „Climate Action Tracker“.

Und zweitens: Zumindest im Kleinen tut sich was. Hier in Vorarlberg zum Beispiel leben inzwischen 85 Prozent der Bevölkerung in energieautonomen e5-Gemeinden. „Trotz Pandemie konnte der Überprüfungsprozess mit tatkräftiger Unterstützung der Gemeinden fristgerecht umgesetzt werden“, freut sich e5-Programmleiter Gregor Sellner und ergänzt: „Durch COVID-19 müssen die Gemeinden erhebliche Einnahmenrückgänge hinnehmen. Effektiver Klimaschutz lässt sich jedoch auch mit kleiner dimensionierten Projekten und Bewusstseinsbildung der Bevölkerung realisieren. Es ist ratsam, diese gut über die zahlreichen Förderungen zu informieren, etwa für den Photovoltaik-Ausbau oder die Initiative ‚Raus aus Öl‘.“

Dass man auch ganz persönlich etwas bewegen kann, zeigen zahlreiche Initiativen: Das Pilotprojekt "Paris–Vorderwald" hat etwa gezeigt, dass man mit wenigen kleinen Anpassungen – weniger Auto, mehr Öffis & Rad, regional-saisonaler Einkauf statt Flugobst – den eigenen Alltag deutlich klimafreundlicher gestalten kann.

Also: Doch ein Sektchen?

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Quellen: s. Links im Text