Von Wolfgang Ölz

Im November 2008 hatte das Pastoralgespräch "Die Wege der Pfarrgemeinden" mit einem Besinnungstag in Bildstein mit Abt Martin Werlen aus Einsiedeln seinen spirituellen Auftakt erlebt. Knapp zweieinhalb Jahre später kamen zahlreiche Priester und Mitarbeiter/innen der Diözese Feldkirch wiederum nach Maria Bildstein, um zum Thema "Aufbrechen – Loslassen – das Neue empfangen" nochmals Abt Martin zu hören. "Dieser Kreis schließt sich somit", wie es Pastoralamtsleiter Walter Schmolly in seinem Eingangsstatement ausdrückte.

Werlen Martin BildsteinMit Silja Walter betonte Abt Martin Werlen die Suche nach dem Dahinter, um nicht beim Sichtbaren oder bei den Schwierigkeiten stehen zu bleiben. In einem ihrer letzten Gedichte schreibt sie: "Ist hinter allen Dingen / die scheinbar nicht gelingen / doch einer der mich liebt / und hinter Weh und Trauern / Einsamkeit und Kauern / in einer kalten Welt / ist Gott, der vor dem Garten / mich eine Weil lässt warten / bis ihm mein Herz gefällt." Abt Martin bewundert die "unglaubliche Zuversicht", die in diesem Gedicht zum Ausdruck kommt. Dieses Bewusstsein, das hinter allem einer ist, der uns liebt, muss, so der Abt "die Grundfarbe unseres kirchlichen Alltags sein".

 
"Kirche fährt mit angezogener Handbremse"

An diesem Tag wollte Abt Martin der Diözese Feldkirch, die ihr Pastoralgespräch zu Ende führt, ziemlich viel zumuten. Auch in der Kirche sei "Leidensdruck" nötig, damit sich etwas ändert. Der Abt vermisst in der heutigen Kirche mutige Schritte in die Zukunft, Visionen und Kreativität. "In der Kirche", so der Abt, "fahren wir zur Zeit mit angezogener Handbremse".

Als oberster Mönch des Benediktinerklosters Einsiedeln versucht er, den Menschen in einer nachgehenden Seelsorge im besten Sinne des Wortes zu begegnen. Sei es mit der sogenannten "Clinchwallfahrt", bei der der Abt von der Kirche Enttäuschte nach Einsiedeln einlädt, sei es im Dialog mit dem Distriktoberen der Piusbrüdern, oder im intensiven Nutzen der sogenannten "social media" wie Facebook und Twitter.

 
"Sich glaubend in den Wandel stellen"

Als Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz arbeitet Abt Martin Werlen dort in zahlreichen Kommissionen mit, wie etwa in der für "Medien und Kommunikation". Er sieht die Gefahr, dass die Kirche immer mehr zu einer Parallelgesellschaft wird, doch damit werde sie ihrem Auftrag, "Sauerteig" zu sein, nicht gerecht. Es ist ein Irrweg, wenn sich die Kirche neben allen gesellschaftlichen Entwicklungen einen eigenen Bereich aufbaut, und nur dort den Glauben lebt. So wird die Kirche zu einem "musealen Relikt", so etwas wie ein "altes Postauto", das man herausholt, wenn der Großvater achtzig wird und man eine Fahrt übers Land macht. Es ist auch ein Irrweg, wenn sich die Kirche von "den Strömen der Zeit" mitreißen lässt und in ihnen untergeht.

Dagegen gibt es eine andere Möglichkeit, nämlich die, "sich glaubend in den Wandel stellen". Das war auch eine der wichtigsten Einsichten des Zweiten Vatikanischen Konzils, in "Gaudium et spes". Die Ermutigung, beim Menschen von heute zu sein, mit ihm den Weg zu gehen, "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst", mit ihm zu teilen: "das Ohr am Herzen Gottes und die Hand am Puls der Zeit". So können wir als Kirche auch Sauerteig sein.

 

Lesen Sie hier den Kommentar "ende und neubeginn" von Petra Steinmair-Pösel zum Besinnungstag.

Von Dietmar Steinmair veröffentlicht am 22.03.2011

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