
„Vorarlberg hat ein gut entwickeltes System von Sozialeinrichtungen, aber unsere Gesellschaft würde nicht funktionieren ohne Menschen, die sich für andere engagieren, sei es mit Spenden oder durch freiwilliges Engagement.“ So begrüßte Caritasdirektor Walter Schmolly vergangene Woche caritativ engagierte Personen aus den Pfarrgemeinden in der Notschlafstelle der Caritas im Kolpinghaus Feldkirch und im Lerncafé. „Das zivilgesellschaftliche Engagement für diese Projekte ist nicht nur eine Frage des Geldes, es macht auch einen qualitativen Unterschied, für die Wirkung dieser Einrichtungen und damit für die unterstützten Menschen ebenso wie für die Mitarbeiter*innen und auch für die Gesellschaft“, erläuterte Walter Schmolly. Es ging an dem Nachmittag deshalb auch nicht so sehr um Zahlen und Fakten, sondern um konkrete Einblicke in die tägliche Praxis des Helfens und um den Austausch hierzu. „Engagement erwächst vielfach daraus, dass Menschen unmittelbar mit Not in Berührung kommen. Deshalb ist es der Caritas ein großes Anliegen, die Einrichtungen immer wieder einmal für interessierte Menschen zu öffnen“, so der Caritasdirektor.
Beim Rundgang durch die Räumlichkeiten standen neben der Infrastruktur vor allem Arbeitsabläufe und Hintergründe im Mittelpunkt. Themen wie präventive Wohnungslosenhilfe, das Aufnahmeprozedere in die Notschlafstelle sowie Begleitung und Nachsorge von Klient*innen wurden anschaulich erläutert. Für die Besucher*innen wurde dabei ein Perspektivwechsel greifbar. „Jetzt, wo ich die Räume selber gesehen habe, verstehe ich die Hintergründe von Wohnungslosigkeit viel besser“, sagte eine Teilnehmerin.
Im Lerncafé im Erdgeschoss wurde eine andere Seite der Caritas-Arbeit sichtbar: Dort empfingen Kinder die Gäste mit Liedern, Kaffee und Kuchen. Sie erzählten von ihrem Alltag im Lerncafé - von Hausaufgabenzeiten ebenso wie von gemeinsamen Jausen. Neben schulischer Unterstützung steht dabei die Förderung sozialer Kompetenzen im Vordergrund. „Hier macht es mir sogar Spaß, die Hausaufgaben zu erledigen“, berichtete ein Mädchen. „Ich bekomme Hilfe und traue mich mehr zu fragen.“ Diese Entwicklung bestätigt auch Kurt, der sich freiwillig im Lerncafé engagiert: „Es geht nicht nur um Unterstützung beim Lernen, sondern auch darum, Selbstvertrauen aufzubauen. Mit der Zeit werden die Kinder offener und trauen sich mehr zu. Genau das mitzuerleben, ist besonders schön.“
Am Ende nahmen die Besucher*innen mehr mit als bloße Informationen. Eindrücke, Begegnungen und Gespräche prägten den Nachmittag nachhaltig. Eine Teilnehmerin brachte es auf den Punkt: „Die Arbeit in beiden Einrichtungen ist wertvoll und wird erst wirklich greifbar, wenn man sie vor Ort erlebt.“