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Preisträgerin Ricarda Steiner mit Religionslehrerin Elke Müller und Diözesanbischof Dr. Wilhelm Krautwaschl
Erzdiözese Wien/Schönlaub / Preisträgerin Ricarda Steiner mit Religionslehrerin Elke Müller und Diözesanbischof Dr. Wilhelm Krautwaschl
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"Horizont erweitern"

Ricarda Steiners Essay gehört zu den besten zehn Einreichungen bei „Theolympia“. Im Interview erzählt sie, was sie dazu inspirierte, Politik und Religion neu zu denken.

Die Olympiade im katholischen Religionsunterricht wurde zum mittlerweile fünften Mal österreichweit ausgetragen und widmete sich einem gerade heute hochaktuellen Thema: dem spannungsreichen Verhältnis von Religion und Politik. Insgesamt rund 350 Arbeiten waren eingesendet worden — 182 Essays und 161 Kreativarbeiten. Ricarda Steiners Essay hat den Titel „Braucht Demokratie Religion?“ Der Festakt mit Preisverleihung fand Anfang Juni im frisch renovierten Erzbischöflichen Palais in Wien statt. 


Ricarda, was hat dich dazu bewegt, bei Theolympia mitzumachen? 
Ricarda Steiner: "Meine Lehrerin Frau Müller hat uns in der Religionsstunde den Flyer für den Wettbewerb ausgeteilt. Ich war immer der Meinung, dass Politik und Religion nichts miteinander zu tun haben sollten, und diese Gelegenheit, etwas dazu zu schreiben, hat mich förmlich in den Fingern gejuckt. Ich habe zuvor noch nie ein Essay geschrieben, geschweige denn bei einem Wettbewerb mitgemacht, aber die Möglichkeit in diese Diskussion einzusteigen, hat mich sehr gereizt." 


Wie bist du auf die Frage „Braucht Demokratie Religion“ gestoßen, und was hat dich daran besonders fasziniert? 
Ricarda Steiner: "Ich habe mir zu Recherchezwecken das Buch ,Demokratie braucht Religion‘ von Hartmut Rosa besorgt. Es hat mich so überzeugt, dass ich mein Essay auf einigen Überlegungen seines Buches aufgebaut habe und von daher stammt auch der Titel. Ich konnte durch das Buch von Hartmut Rosa einen neuen Blickwinkel auf die Religion gewinnen."


Du kritisierst Klischees über Religion – was hast du Neues entdeckt beim Schreiben deines Essays? 
Ricarda Steiner: "Dass wir oft ein falsches Bild überliefert bekommen, von dem, was die Religion ursprünglich mal war und wofür sie eigentlich steht. Nicht selten wird sie für machthungrige Zwecke instrumentalisiert und missbraucht."


Was würdest du dir von der Kirche wünschen, damit sie für junge Menschen wieder mehr Bedeutung gewinnt? 
Ricarda Steiner: "Trotz all der Reformen und Bemühungen ist die Kirche meiner Meinung nach immer noch sehr an alten Traditionen orientiert. Etwas mehr Würze und Schwung in die wöchentliche Messgestaltung zu bringen, könnte schon ein guter Anfang sein. Ich finde, die afrikanische Kirche mit Tanz und Musik ist ein gutes Beispiel dafür. Auch das Zölibat ist veraltet und die Priesterweihe für Frauen sollte überdacht werden." 


Du schreibst von einer „offenen Haltung“ und davon, dass Religion zur Demokratie beitragen kann. Wo siehst du konkrete Beispiele dafür? 
Ricarda Steiner: "Wenn Religion so verstanden wird, dass man mit einem hörenden Herzen auf die Menschen zugeht, so wie das im Essay zur Sprache kommt, dann ist das schon auch ein wichtiges Kriterium für Demokratie. Und wenn es um Anliegen und Nöte von Menschen geht, dann haben Kirche und Religion eine bedeutende Funktion für eine gerechte Gesellschaft."

 
Was hast du beim Schreiben über dich selbst gelernt? 
Ricarda Steiner: "Ich bin zu viel mehr fähig, als ich oftmals glaube. Wenn ich mich aus meiner Komfort-Zone heraustraue und mich selbst fordere, gelingen mir unglaubliche Dinge."


Dein Essay gehört zu den besten zehn Einsendungen bei Theolympia – was bedeutet dir diese Anerkennung?
Ricarda Steiner: "Ich habe dieses Essay nicht geschrieben, um zu gewinnen, sondern um meinen Horizont zu erweitern, außerdem hat mich das Thema „Religion und Politik“ interessiert. Dass ich es nicht nur durch die Vorentscheidung in Vorarlberg, sondern bis nach Wien geschafft habe, ist mehr, als ich je erwartet hatte." 
Rosa Andrea Martin

Ricarda Steiner

Ricarda Steiner

Die 18-jährige Schülerin der HLW Rankweil freut sich über ihre Auszeichnung. Sie interessiert sich neben gesellschaftlich relevanten Themen wie Politik und Religion, für Lesen und Musik. Sie spielt Querflöte im Musikverein Thüringen und seit sie den Führerschein besitzt, kurvt sie gerne mit dem Motorrad durchs Ländle.    

Veröffentlicht am 30.06.2025
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