
„Es braucht ein starkes Auffangnetz für suchtkranke Menschen“, bedankte sich Landesrätin Martina Rüscher in ihren Grußworten für das tagtägliche Engagement der Caritas-Mitarbeiter*innen. Caritasdirektor Walter Schmolly blickte anschließend weit in die Geschichte zurück: „Eigentlich reicht die Geschichte der Suchtarbeit in der Caritas sogar bis in die Anfänge vor mehr als hundert Jahren zurück. Im Gründungsstatut aus dem Jahr 1924 ist bereits verankert, dass die Caritas einerseits Menschen unterstützen soll, die sich in den Gemeinden und Städten sozial engagieren möchten und andererseits sechs Jahre nach dem Ende des ersten Weltkriegs für die `Ärmsten der Armen´ da sein soll.“ Die sogenannte „Trinkerfürsorge“ bildete einen Teil davon, mit Slogans wie „Kampf dem Krug“ wurde öffentlichkeitswirksam zur Abstinenz aufgerufen.

Walter Schmolly, Martina Rüscher, Monika Chromy Sabrina Stimpfl
Eng mit dem Aufbau der Suchtarbeit verbunden ist der Name Rosl Bitschnau – die Montafonerin sah als Kindergärtnerin die Not, die Alkoholmissbrauch in Familien brachte und als Frau der Tat legte sie wichtige Grundsteine für die professionelle Suchtarbeit in Vorarlberg. Über die Jahrzehnte hat sich die frühere Alkoholberatungsstelle zu einem modernen und vielfältigen Netzwerk der Suchthilfe entwickelt. Immer wieder reagierte die Suchtarbeit auf gesellschaftliche Veränderungen: von den ersten Gruppentherapien über die Begleitung von Menschen mit illegalem Substanzkonsum, speziellen Angeboten für Angehörige bis hin zu niederschwelligen Angeboten, Streetwork, Wohnformen und spezialisierten Beratungsdiensten.
In den vergangenen 70 Jahren hat sich vieles verändert. Gleich geblieben ist jedoch unser Auftrag: Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht aufzugeben und ihnen neue Perspektiven zu eröffnen“, erläuterte Fachbereichsleiterin Monika Chromy, dass man stolz auf die Arbeit der vergangenen Jahrzehnte sein dürfe.
In ihren Vorträgen gingen die Primaria der Stiftung Maria Ebene, Dr. Simone Bratl, sowie Prof. Dr. Oliver Scheibenbogen vom Anton-Proksch-Institut auf aktuelle Herausforderungen in der Suchtarbeit ein. Neue psychoaktive Substanzen, Mischkonsum und digitale Abhängigkeiten verändern das Suchtgeschehen laufend, gleichzeitig nehmen psychische Belastungen und Mehrfachdiagnosen zu. Besonders junge Menschen sind mit neuen Risiken konfrontiert, etwa durch exzessive Medien- und Handynutzung oder die Auswirkungen digitaler Entwicklungen und Künstlicher Intelligenz auf ihr Freizeit- und Konsumverhalten.
Zugleich erschweren finanzielle Sparmaßnahmen im Sozial- und Gesundheitsbereich den Ausbau notwendiger Hilfsangebote. „Ein zentrales Anliegen bleibt daher, auch jene Menschen zu erreichen, die bislang kaum Zugang zum Hilfesystem finden“, so Monika Chromy. Die Caritas setze dabei weiterhin auf niederschwellige Angebote, innovative Unterstützungskonzepte und eine enge Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen.
Das 70-jährige Jubiläum war deshalb nicht nur Anlass für einen Rückblick auf eine bewegte Geschichte, in Workshops zu Fachthemen wurden auch aktuelle Herausforderungen diskutiert.
Suchtarbeit muss sich laufend weiterentwickeln, um Menschen in einer sich rasch verändernden Gesellschaft wirksam begleiten zu können.“ erinnert Monika Chromy