
Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia – diese vier Heiligen, deren Gedenktage zwischen dem 12. und 15. Mai begangen werden, sind gemeinhin als die „Eisheiligen“ bekannt. Bauernregeln wie "Pflanze nie vor der kalten Sophie" oder "Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi, und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie" erinnern daran, dass die Aussaat erst nach der "kalten Sophie", also nach dem 15. Mai, erfolgen sollte, um sie nicht dem Frost auszusetzen.
Doch was steckt meteorologisch betrachtet dahinter? Experten erklären das Wetterphänomen so: Im Mai erwärmt sich das Festland deutlich schneller als das Meer. Dadurch entstehen Temperaturunterschiede zwischen den bereits warmen Landmassen und den noch kühlen Luftmassen über Nordatlantik und Nordmeer. Unter bestimmten Wetterlagen kann sich die atmosphärische Strömung deshalb so verändern, dass kalte Polarluft nach Mitteleuropa gelenkt wird. Während warme Luftmassen nach Norden abziehen, dringt gleichzeitig kalte Luft aus den Polargebieten vor. Sind die Nächte zudem sternenklar, kann es sogar zu Nachtfrost kommen.
Eine Auswertung der GeoSphere Austria (2025) für die letzten Jahrzehnte zeigt jedoch: Die Eisheiligen sind kein typischer Zeitpunkt für Kaltlufteinbrüche, die Frost bringen. Insgesamt sei die Wahrscheinlichkeit für Frost im Mai durch die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte gesunken, erklärte Alexander Orlik, Klimatologe an der GeoSphere Austria. "Die Daten der letzten rund 80 Jahre für verschiedene Regionen Österreichs zeigen: Frost kommt zum Termin der Eisheiligen, vom 12. bis 15. Mai, nicht überdurchschnittlich oft vor." Trotzdem sollten empfindliche Pflanzen erst nach den Eisheiligen gepflanzt werden, weil Bodenfrost im letzten Mai-Drittel in den bewohnten Regionen Österreichs nur noch selten bis gar nicht mehr vorkäme.
Wie viele Eisheilige gezählt werden, hängt von der Region ab. In Norddeutschland zählen meist nur Mamertus, Pankratius und Servatius (11. bis 13. Mai) zu den Eisheiligen. In Süddeutschland und Österreich zählen oft erst Pankratius bis Sophia (12. bis 15. Mai) dazu.
Pankratius, "Der alles Besiegende", hat den Gedenktag am 12. Mai. Er stammte aus dem spätantiken Phyrgien in der heutigen Türkei, wurde Christ und half mit seinem ererbten Vermögen den verfolgten Christen, bis er selbst gefangen wurde. Der 14-Jährige ließ sich trotz aller Verlockungen nicht vom Glauben abbringen, wurde um 304 in Rom öffentlich enthauptet und sein Leichnam Hunden zum Fraß vorgeworfen. Dargestellt wird er in feinen Kleidern oder einer Ritterrüstung, er trägt ein Schwert, eine Märtyrerkrone und einen Palmwedel.
Servatius war der Legende nach Bischof des heute belgischen Bistums Tongern. Zahlreiche Heilungen und Wunder werden von ihm berichtet. So habe ihn, als er als Pilger am Wegrand einschlief, ein Adler vor den heißen Sonnenstrahlen mit seinen Flügeln beschattet, nach anderer Überlieferung habe ein Adler die Servatius bedrohenden Hunnen unter Attila mit Steinwürfen abgewehrt. Angeblich wurde er mit einem Holzschuh erschlagen, weswegen man ihn auch bei Fußkrankheiten anruft. Seine Attribute sind neben dem Holzschuh ein Schlüssel, ein Drache und - wie könnte es anders sein - ein Adler.
Bonifatius von Tarsus stammte aus Rom und sollte, selbst kein Christ, christliche Reliquien aus Tarsus in der heutigen Türkei nach Rom überbringen. Dort erlebte er mit, wie Christen verfolgt werden und ließ sich taufen. Aufgrund seines Glaubens wurde er schließlich durch siedendes Pech hingerichtet. Sein Name bedeutet so viel wie "der gutes Geschick Verheißende". Auf Darstellungen sieht man ihn meist als Jüngling oder Greis, der in siedendem Pech gemartert wird. Sein Gedenktag ist der 14. Mai.
Sophia von Rom (Gedenktag 15. Mai) starb um 304 nach Christus als frühchristliche jungfräuliche Märtyrerin. Teile ihrer Reliquien wurde nach Straßburg gebracht. Andere liegen unter der Kirche Santi Silvestro e Martino ai Monti in Rom vergraben. Sie ist oftmals mit Trog und Schwert, aber auch mit einem Palmwedel und einem Buch auf Darstellungen zu sehen.
(Red./kathpress.at)