Am 11. Juni rufen die Glocken der Pfarrkirche St. Sebastian in Hard nach mehrjähriger Unterbrechung erstmals wieder zu einer Firmung. Dieses Mal werden es aber nicht wie zuletzt 12- und 13-Jährige sein, die das Firm-Sakrament empfangen. Erstmals in der Geschichte der Pfarre werden gemäß dem neuen Firmkonzept der Diözese Feldkirch 17-Jährigen gefirmt.

Neu ist aber nicht nur das Konzept, sondern zu großen Teilen auch das Firmteam in Hard. Mit Niko Pranjic hat die Pfarrgemeinde seit September einen neuen Pastoralassistenten, der sich auch als Leiter des Firmteams sehr engagiert. Dieser holte sich mit Zivildiener Maximilian und Jugendkoordinatorin Sarina jugendliche Verstärkung ins Team. „Es ist ganz wichtig junge Leute dabei zu haben, die die Sprache der Jugend sprechen und sich in deren Lebenswelt auskennen“, so der 58-Jährige.

Sorgen und Ängste

Die Umstellung auf das neue Filmkonzept sei in der Pfarre stark kommuniziert worden, kann Pranjic aus Erzählungen berichten. Er selbst hatte eine ähnliche Phase in Höchst miterlebt und weiß über die Sorgen und Ängste, insbesondere der Eltern, Bescheid. „Die Frage nach dem warum wurde oft gestellt. Zudem äußerten die Eltern bedenken, ob sich das Kind für die Firmung entscheiden würde“, weiß der Pastoralassistent zu berichten. Daher sei es wichtig gewesen mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und etwaige Bedenken aus der Welt zu schaffen. Dennoch sei es in den letzten Jahren zu viel „Firmtourismus“ gekommen, wie es Pranjic nennt. „Einige Jugendliche sind in andere Gemeinden ausgewichen, um sich dort Firmen zu lassen.“ Aus diesem Grund sei die Anzahl der Firmlinge heuer eher Bescheiden und liege bei rund 30% im Vergleich zu einem „normalen“ Jahr. „Es wird sicher ein paar Jahre dauern, bis sich das wieder normalisiert hat. Die Frage wie wir künftige Firmlinge erreichen beschäftigt mich schon sehr“, räumt der Bregenzer ein.

Positive Erfahrungen

Ungeachtet dessen ist Pranjic ein großer Befürworter der Firmung ab 17 Jahren. „In diesem Alter entscheiden die Jugendlichen selbst, ob sie sich Firmen lassen wollen. Dadurch gehen sie den Weg viel bewusster. Die Motivation geht mehr von ihnen selbst aus“, so der erfahrene Pädagoge, der auch als Religionslehrer arbeitet. Ziel sei es den jungen Menschen etwas mitzugeben und sie positive Erfahrungen mit der Kirche machen zu lassen. „Mir ist es ganz wichtig, den Jugendlichen zu zeigen, dass sich Kirche nicht nur mit sich selbst beschäftigt, sondern auch einen Bezug zur realen Welt hat“, bringt er sein Ansinnen auf den Punkt.

Die Firmvorbereitung hat für die 18 Jugendlichen mit einem Kennenlerntag im November gestartet. „Wir haben Skater eingeladen auf dem Vorplatz des Pfarrheims ein paar Einlagen zu machen. Dazu wurde Musik gespielt. Bei verschiedenen Spielen konnten sich die Jugendlichen kennenlernen. Zu Mittag gab es mexikanisches Essen und zudem Kirchen- und Kirchturmführungen“, so Pranjic. An drei Themenabenden kamen die Jugendlichen mit externen Referenten zu den Themen Soziales, Schöpfung und besondere Menschen ins Gespräch. Zudem gestaltete das Firmteam gemeinsam mit den Jugendlichen den Kinderkreuzweg am Karfreitag mit. „Die Selbstinitiative der Jugendlichen war eher bescheiden, was aber nicht heißt, dass sie sich nicht mit dem Thema befasst haben. Außerdem kann nächstes Jahr schon wieder ganz anders sein. Das Feedback kommt eher schriftliche, ist uns aber sehr wichtig, da wir bemüht sind, den Jugendlichen Freiraum zu geben und ihre Wünsche und Bedürfnisse ernst zu nehmen“, so Branjic. Die Vorfreude auf die Firmung, die im Übrigen von Bischof Benno Elbs zelebriert wird, ist in der Pfarre jedenfalls groß.

(Aus dem Vorarlberger KirchenBlatt Nr. 23 vom 9. Juni 2022)