„2015 ist an Österreichs Bahnhöfen von der Bevölkerung Geschichte geschrieben worden", möchte sich Caritas Präsident Michael Landau bei den rund 15.000 Freiwilligen bedanken, die diese Menschen willkommen hießen. Mit einem Lächeln, mit Nahrung, Wasser und warmer Kleidung. Und Flüchtlinge sind in Österreich viele angekommen. Knapp 600.000 Flüchtlinge seit dem 5. September. Dass dieser "Kraftakt" nicht möglich (gewesen) wäre, ohne das Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher, wird nicht nur am Tag des Ehrenamts am 5. Dezember klar.

Seit dem 5. September sind rund 600.000 Flüchtlinge in Österreich angekommen. Und die meisten von ihnen so schnell wie möglich nach Deutschland weitergereist. Nichtsdestotrotz haben ihnen zahlreiche Menschen an den Bahnhöfen und an den Grenzen gezeigt, dass sie in Österreich willkommen sind. Nicht nur mit dem Schild "Refugees welcome", sondern auch mit einem Lächern, Essen, Trinken oder warmen Decken. „Das ist ein guter Anlass, mich noch einmal bei allen Freiwilligen für ihre großartige Unterstützung in den vergangen drei Monaten zu bedanken! Nun geht es darum, den Menschen, die in Österreich bleiben werden, mit Integrationsangeboten wie Deutschkursen, Bildungsförderung und Berufsberatung beim Start in ein neues Leben zu helfen“, betont Caritas Präsident Michael Landau anlässlich des Tags des Ehrenamts.

Pfarren und Caritas arbeiten  Hand in Hand
Die Caritas HelferInnen waren Anfang September sofort zur Stelle, als tausende schutzsuchende Menschen im Burgenland ankamen und Richtung Wien weiterfuhren: Zahlreiche engagierte Pfarren haben kurzerhand ihre Säle in Transitquartiere umfunktioniert, um den erschöpften Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf und ein paar Stunden Ruhe zu bieten. Am Wiener Westbahnhof wurden und werden Sachspenden angenommen und verteilt, freiwillige DolmetscherInnen übersetzen ins Arabische, Kurdische und in Farsi. In Spitzenzeiten hat die Caritas gemeinsam mit den Pfarren bis zu 1.600 Notquartiersplätze in der Bundeshauptstadt zur Verfügung gestellt, 10.000 Flüchtlinge pro Tag wurden allein am Westbahnhof und in den Transit- und Notquartieren versorgt. 

Inzwischen hat die Caritas Transitquartiere teilweise in mittelfristige Notunterkünfte für AsylwerberInnen umfunktioniert. In Spielfeld und Webling, in Klagenfurt und Villach, in St. Pölten, Wieselburg und Bischofstetten sowie in Salzburg versorgt die Caritas frierende Menschen mit Wintermänteln und festem Schuhwerk, Hygieneartikeln und Babywaren. Am Bahnhof in Linz kümmert sich die Caritas um die Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser, die Betreuung von Kindern und die Beratung von AsylwerberInnen.

Grundversorgung
Neben der akuten Flüchtlingsnothilfe betreut die Caritas österreichweit über 31.000 AsylwerberInnen in Grundversorgung. Mehr als 6.500 Menschen, davon 450 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, werden in von der Caritas betriebenen Unterkünften versorgt. Zusätzlich werden 24.500 Flüchtlinge, die privat oder in Quartieren anderer Unterkunftsgeber untergebracht sind, mobil, regional oder ambulant von der Caritas betreut. „Allein seit September konnten wir 1163 neue Grundversorgungsplätze schaffen. Weitere 2200 Plätze sind bereits in Planung und sollen bis zum ersten Halbjahr 2016 zur Verfügung stehen“, erklärt Michael Landau. 

Jede/r dritte AsylwerberIn von Caritas versorgt
Die Caritas versorgt aktuell etwa jede/n dritte/n AsylwerberIn in Österreich und ist damit die größte Trägerorganisation im Bereich der Grundversorgung. Ohne Klöster, Orden und engagierte Pfarrgemeinden wäre dies nicht möglich. Landau: „Darüber hinaus bietet die Caritas derzeit rund 630 Plätze für obdachlose AsylwerberInnen in Notquartieren. Und hier sind wir alle gefordert, intensiv nach Unterkünften zu suchen, in enger Zusammenarbeit mit Gebietskörperschaften, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Denn immer mehr Menschen auf der Flucht sind von Obdachlosigkeit betroffen. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben nicht immer jene Unterbringung und Betreuung, die vom Kindeswohl her gefordert sind. Dabei ist klar: Ein Kind ist ein Kind, egal, wo seine Wiege stand!“

Integration von Anfang an und Hilfe in der Krisenregion
Bildung, Ausbildung und Zugang zu Arbeit sind wichtige Voraussetzungen für eine gelingende Eingliederung in die Gesellschaft. „Wenn wir Flüchtlinge in ihrer Startphase in Österreich entsprechend unterstützen, können sie wesentlich schneller Fuß fassen, Arbeit finden und einen Beitrag für eine gemeinsame Gesellschaft leisten. Daher sollten Sprachkurse und Integrationsmaßnahmen möglichst mit dem ersten Tag beginnen“, so Landau. „Als Caritas helfen wir in Österreich und im Rahmen des weltweiten Caritas Netzwerks auch in den Herkunftsregionen: In den Flüchtlingscamps in Jordanien, im Libanon mit Verpflegung und Bildungsprojekten für Kinder. Denn eine echte Lösung kann nur mit der Hilfe in den Herkunftsregionen beginnen: Hilfe, die dort nicht stattfindet, hat Konsequenzen.“