Am 25. Dezember 1961 lud Papst Johannes XXIII. zur großen Kirchenversammlung. Damit setzte er einen Prozess in Gang, dessen Verlauf und Auswirkungen niemand abschätzen konnte. Das II. Vaticanum ist bis heute ein Motor für Veränderungen geblieben - für alle, die seine Aussagen ernst nehmen.

"Wir hielten die Zeit für reif", schrieb der Papst in seiner Konstitution "Humanae salutis" vom 25. Dezember 1961, "der katholischen Kirche und der Menschheitsfamilie die Möglichkeit eines neuen Ökumenischen Konzils zu schenken". Damit realisierte der Papst den Plan eines Konzils, den er im Jänner 1959 erstmals angekündigt hatte. Schließlich eröffnete Johannes XXIII. am 11. Oktober 1962 die bisher letzte beschlussfassende Versammlung der rund 2.800 katholischen Bischöfe, die nach seinem Tod 1963 durch seinen Nachfolger Papst Paul VI. fortgesetzt und am 8. Dezember 1965 abgeschlossen wurde.
 
Viele hatten in den Jahrzehnten zuvor die Idee allgemeiner Konzilien bereits für tot erklärt: zu aufwendig, zu ineffizient, zu unwägbar. Johannes XXIII. wollte kein Verurteilungs- oder Lehrkonzil mit neuen Dogmen, sondern ein von der Seelsorge geprägtes; dialogisch, nicht autoritär: eine Denkfabrik für die Fragen, die die Christen im 20. Jahrhunderts bewegten. Der Bedenken gab es freilich viele. Es sei unmöglich, die umfangreichen Vorbereitungen - Arbeitsdokumente, Unterkunft für Konzilsväter - bis 1963 ins Werk zu setzen. "Dann werden wir eben schon 1962 beginnen", entgegnete der Papst ungerührt. Weniger aus Naivität, die man ihm unterstellte, als vielmehr mit realistischem Blick auf die wenige Zeit, die dem damals 77-Jährigen noch blieb.

Noch bevor das Konzil begann, zeigten sich die Konfliktlinien zwischen "Bewahrern" und "Reformern", die sich später bei den entscheidenden Sitzungen des Konzils vertiefen sollten. Wohl niemand - auch nicht Johannes XXIII. selbst - konnte noch zu Weihnachten 1961 ahnen, wie viel Aktenstudium, wie viel theologisches und kirchenpolitisches Ringen und wie viel Gebet und "Wehen des Heiligen Geistes" dafür noch notwendig sein würden. (kap)

Von Redaktion veröffentlicht am 22.12.2011

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