Dass Arbeit kein Garant dafür ist, nicht in die Armut zu schlittern, zeigt eine aktuelle Studie des Wiener Forschungsinstituts FORBA (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt). Demnach hat sich die Zahl derer, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Gründe hierfür sind neben einem niedrigen Arbeitslosengeld zunehmend auch geringe Löhne, die durch die Mindestsicherung aufgebessert werden müssen.
"Bedarfsorientierte Mindestsicherung" lautet die Leistung, die im Jahr 2011 über 170.000 Menschen in Österreich in Anspruch nehmen mussten, weil sie den Alltag finanziell nicht alleine bestreiten können. Gründe hierfür sind, laut dem Soziologen und Verfasser der Studie, Manfred Krenn, zu wenig Arbeitslosengeld oder ein zu geringer Verdienst. Die Zahl der Menschen, die zwischen Arbeitslosigkeit und prekären Jobs hin und pendeln, wachse stetig.
Gratis arbeiten - ganz normal?
Neben schlecht bezahlten Arbeitsplätzen brachte die Studie eine weitere Besonderheit zu Tage: Unbezahltes Arbeiten nach "Kassaschluss". Demnach gehören bestimmte Tätigkeiten wie das "Vorbereiten der Backöfen in den Feinkostabteilungen von Supermärkten und nach Kassaschluss zu verrichtende Abrechnungen und Putzarbeiten", immer häufiger zum normalen Arbeitsalltag. Allerdings ohne Bezahlung. In ihrer Freizeit.
Vom Praktikum in die Sozialhilfe
Wie die Studie belegt, betreffen prekäre Arbeitsverhältnisse aber nicht nur schlecht Ausgebildete. "Gerade beim Berufseinstieg nehmen viele unbezahlte Praktika in Kauf - in der Hoffnung, irgendwann in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu kommen, was sich aber für viele als Illusion erweis", erklärt Krenn. „Und wenn sie dann dieses prekäre Beschäftigungsverhältnis verlieren, landen sie in der Sozialhilfe, weil sie keine anderen Ansprüche haben.“
Prekär am wachsen
Das Wachsen prekärer Beschäftigungsformen, also Arbeitsplätze ohne soziale Absicherung, sieht Prenn als Ursache. Zudem wachse der Niedriglohnsektor, ein Sektor, bei dem "die Löhne so niedrig sind, dass die soziale Teilhabe auch mit Vollzeitbeschäftigung gefährdet ist“. Erwerbsarbeit wirke immer weniger als "Integrationskraft".
Kein Sprungbrett
Auch die Behauptung, Niedriglohn könne als Sprungbrett in höhere Einkommensschichten verwendet werden, wurd durch die Studie widerlegt. In Deutschland gibt es beispielsweise für mehr als 70 Prozent der Billigjobber keine Aufstiegschancen. In Österreich sind bereits 42 Prozent der Sozialhilfe bzw. Mindestsicherungsbezieher Pendler oder Wiedereinsteiger.
Working Poor
Wie die Studie zeigt, leben 173.00 Menschen in Privathaushalten unter Sozialhilfebedingungen - 30 Prozent davon sind Kinder. Ebenfalls stärker betroffen sind Frauen und Personen mit physischen oder psychischen Beeinträchtigungen, die auf dem Arbeitsmarkt eher schlechtere Chancen haben. Um zu überleben erhalten die "Working Poor" von der Mindestsicherung sogenannte "Richtsatzergänzungen".
Verschiedenste Lösungsansätze
Die Mehrheit wünsche sich für ihr Leben vor allem eines: einen ganz normalen Job, der soziale Absicherung bietet und es auch zulässt, sein Leben längerfristig zu planen. Um dies umsetzen zu können, haben Arbeiterkammer (AK) und Wirtschaftskamemr (WKÖ) verschiedenen Lösungsansätze parat: Die AK fordert neue Kollektivverträge, die WKÖ hat hingegen kein Problem mit prekären Arbeitsverhältnissen.
Von Simone Rinner veröffentlicht am 19.01.2012

