Ich mag das Sprichwort, „Der Weg entsteht im Gehen“ – und meine damit gar nicht nur die großen Entscheidungsfindungen im Leben. Zum Beispiel, wenn ich vor dem leeren Bildschirm sitze und aus zig Notizen einen kompakten Text verfassen soll: In diesem Moment hilft es mir, einfach anzufangen, ins Tun zu kommen, statt auf den ersten perfekten Satz zu warten. Natürlich – und das ist der springende Punkt – immer mit dem Zugeständnis, ich darf es wieder verwerfen. Ich darf auch nochmals umkehren. So lass ich den Text im Gehen entstehen ... Es beißt sich ein bisschen mit dem Sprichwort „Wer A sagt, muss auch B sagen“. Ich finde, man muss überhaupt nicht immer B sagen, wenn man spürt, dass A die falsche Entscheidung war. Diese Offenheit gibt einem sehr viel innere Freiheit, sich auszuprobieren. Wege zu nehmen, die einen an ungeahnte Quellen führen, neue Begegnungen bringen und Schätze sichtbar machen. Und wenn es nur die Walderdbeeren am Wegesrand sind – oder eine besonders schöne Blume in der Mauerritze.
Simone Fürnschuß-Hofer