Ziemlich am ‚Anfang meines Studiums vor 68 Jahren habe ich gelernt, dass wir ein Leben lang Pilger sind. Von der Geburt bis zum Tod sind wir pilgernde dem großen Ziel entgegen. „Wenn Gott uns heimbringt aus den Tagen der Wanderschaft, das wird ein Traum sein“, schreibt Martin Gutl, „wir werden singen, tanzen und glücklich sein!“
Immer, wenn wir auf dem Weg sind, einem Ziel entgegen, werden wir daran erinnert. Aber unser Lebensweg ist nicht immer so klar und zielorientiert. Oft wissen wir nicht weiter, fragen wir uns, was wir tun sollen, persönlich, beziehungsmäßig, beruflich. Für mich ist ein Satz von Reinhold Schneider ganz wichtig: Der Weg wächst im Gehen unter deinen Füßen, wie durch ein Wunder!“ Das ist eine Ermutigung. Auch wenn wir nicht wissen, wie es weitergehen soll, wie ich dieses oder jenes schaffe, wir sollen einfach aufbrechen, losgehen, und dann eröffnet sich uns schon irgendein Weg. Schritt für Schritt werden wir eine Lösung finden, eine Schwierigkeit bewältigen. Haben wir nicht alle schon erlebt, dass wir uns bei einer Bergtour fragten: Wie schaffe ich das? Der Gipfel scheint noch weit weg zu sein, und der Weg zu anstrengend. Aber dann ist es gut, wenn wir nicht dauernd hinauf schauen, sondern einfach losstapfen, und dann, bei einer Schnaufpause, staunen wir doch, welches Stück wir wieder höher gekommen sind.
Elmar Simma