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Ein Papst hat keine Urlaubsvertretung

"Vatikan light" in Castel Gandolfo: Papst Leo XIV. arbeitet weiter.

Von Kathpress-Rom-Korrespondentin Severina Bartonitschek

 

"Ich freue mich sehr, hier bei euch zu sein und die nächsten Wochen hier in Castel Gandolfo mit ein bisschen Erholung, ein bisschen Gebet, ein bisschen Lesen und hoffentlich auch ein bisschen Sport verbringen zu können!" Diese Worte richtete Leo XIV. am Sonntag an die Bewohner des Bergörtchens knapp 30 Kilometer von Rom. Der Papst will hier drei Wochen in seiner Sommerresidenz verbringen.

Neben dem "bisschen" Freizeitvergnügen wird Leo XIV. auch ein "bisschen" arbeiten, denn die Amtsgeschäfte des Vatikans ruhen nie. Die Weltkirche mit ihren 1,4 Milliarden Katholiken und knapp 4.300 Diözesanbischöfen muss auch im römischen Hochsommer verwaltet werden. Und ein Papst hat keinen Stellvertreter - auch nicht im Urlaub.
 

Vatikan light auf 55 Hektar

Auch Leos Vorgänger nutzten Castel Gandolfo nicht ausschließlich zur Erholung. Darum bauten sie die Residenz, die mit ihren Parks und Villen heute elf Mal so groß ist wie der Vatikanstaat, schon vor Jahrhunderten zu einem Regierungssitz aus. In der frischen Luft der grünen Albaner Berge gingen sie weiter ihrer Arbeit nach, schrieben Dokumente, gaben päpstliche Erlässe heraus und empfingen Staatsgäste.

Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zeigte US-Präsident George W. Bush den Blick vom Anwesen über den Albaner See, der deutsche Papst Benedikt XVI. (2005-2013) und Bundeskanzlerin Angela Merkel trafen sich 2006 zum ersten Mal persönlich in Castel Gandolfo.
 

Die päpstliche "Familie"

Für einen reibungslosen Ablauf sorgen Angestellte der Residenz sowie enge Mitarbeiter des Papstes. Früher reisten die Päpste mit einem Teil ihres Hofstaates an. In der Villa Barberini, in der Leo XIV. bei seinen Aufenthalten in Castel Gandolfo zunächst wohnte, befanden sich die Gemächer hochrangiger Vatikan-Funktionäre.

Im ersten Stock hatte der Kardinalstaatssekretär sein Appartement. Darüber nächtigte der Präfekt des Päpstlichen Hauses, der vatikanische Zeremonien und Audienzen sowie Reisen des Papstes innerhalb Italiens organisiert. Hinzu kamen Privatsekretäre, Haushaltshilfen und Sicherheitspersonal.

Papst Leo XIV. reist nur mit einem kleinen Mitarbeiterstab an. Wie überall ist Privatsekretär Edgard Iván Rimaycuna Inga dabei. Die Schweizergarde sorgt für die Sicherheit von Anwesen und Kirchenoberhaupt. Wichtige Kurienvertreter kämen jedoch nur nach Bedarf an den kleinen Vulkansee bei Rom, erfuhr die Nachrichtenagentur Kathpress aus dem Umfeld des Papstes.
 

Offiziell keine Audienzen, aber...

Offiziell sind bis zum 27. Juli alle Audienzen - private wie öffentliche - ausgesetzt. Als einzig öffentlicher Termin ist das sonntägliche Mittagsgebet angekündigt. Dennoch empfängt Leo XIV. Menschen in seinen gerade renovierten Räumlichkeiten im Palast des Anwesens. Zu Beginn seiner Sommerauszeit sollen es insbesondere Mitglieder "seines" Augustinerordens sein.

Schon im letzten Jahr empfing er in Castel Gandolfo zahlreiche Besucher. Prominentester Gast war der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Zudem feierte er mehrere Messen, fällte Personalentscheidungen und nahm Videobotschaften und Grußworte auf.

Die ersten großen Schreiben seiner Amtszeit soll er ebenfalls teilweise in seiner Sommerresidenz verfasst haben: das päpstliche Lehrschreiben "Dilexi te" über den kirchlichen Einsatz gegen Armut und die Enzyklika über den Umgang mit Künstlicher Intelligenz "Magnifica humanitas".
 

Reisen, Kardinäle und andere Baustellen

Der diesjährige Sommeraufenthalt dürfte kaum ruhiger werden. Für kommenden Samstag hat Leo XIV. rund 200 sozial benachteiligte Menschen zu einem gemeinsamen Mittagessen in seine Sommerresidenz eingeladen. Im Vatikan stehen zudem wichtige Personalentscheidungen an, final organisiert werden müssen die Reisen nach Frankreich Ende September und nach Südamerika im November. Vorbereiten muss sich das Kirchenoberhaupt auch auf ein großes Bischofstreffen im Vatikan. Im Oktober soll dabei über Themen rund um Ehe und Familie debattiert werden.

Außerdem gilt es für Leo XIV., dem Kardinalskollegium den eigenen Stempel aufzudrücken. Die Zahl der Papstwähler liegt mit derzeit 117 unterhalb des Richtwerts von 120 Mann. Bei zwei großen Treffen mit den Kirchenmännern konnte sich der Papst bereits ein Bild von seinen wichtigsten Beratern machen.

So ist die Sommerauszeit, neben Lektüre, Tennis und Schwimmen, auch in diesem Jahr eher ein Arbeitsurlaub für den Papst. Immerhin genießt er dabei Ausblicke, die der Vatikan nicht bietet: auf der einen Seite der Albaner See, auf der anderen in der Ferne das Meer.

 

 

Veröffentlicht am 08.07.2026
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