
Bereits in seiner Begrüßung verwies Johannes Rauch vom Förderverein des Bildungshauses auf die Aktualität des Themas. In Zeiten rauer Debattenkultur und globaler Krisen werde deutlich, wie sehr Gesellschaft auf gegenseitiges Vertrauen und Zusammenarbeit angewiesen sei.
Prof. Dr. Matthias Sutter, Direktor am Max-Planck-Institut in Bonn, eröffnete den Abend mit einem Impuls über die Bedeutung von Vertrauen. Der Verhaltensökonom zeigte anhand zahlreicher Forschungsarbeiten, dass Gesellschaften mit hohem gegenseitigem Vertrauen nicht nur stabiler, sondern auch wirtschaftlich erfolgreicher sind. Österreich liege bei internationalen Vergleichsstudien auf einem bemerkenswert hohen Vertrauensniveau. „Vertrauen in der Bevölkerung ist etwas, das unserer Gesellschaft und unserem Wohlstand guttut“, betonte Sutter.
Vertrauen reduziere Reibungsverluste im Alltag, erleichtere wirtschaftliche Beziehungen und stärke das soziale Miteinander. Voraussetzung dafür sei allerdings ein Vertrauensvorschuss. „Jemand muss den ersten Schritt machen“, erklärte der Wissenschaftler. Die Forschung zeige, dass die meisten Menschen dieses Vertrauen erwidern möchten. Gleichzeitig brauche Vertrauen auch einen realistischen Blick. „Vertrauen hilft am allermeisten, wenn man durchaus auch kontrollieren kann, es aber nicht permanent tut“, sagte Sutter. Mikromanagement zerstöre Motivation, während Gestaltungsspielräume Menschen befähigten, Verantwortung zu übernehmen.
Im zweiten Teil seines Vortrags wandte sich Sutter dem Thema Kooperation zu. Mit einer humorvollen chinesischen Parabel über Hochzeitsgäste, die statt Wein Wasser in ein Fass gießen, verdeutlichte er das Grundproblem vieler Gemeinschaften: Jeder profitiert von Zusammenarbeit, doch oft hoffen Einzelne, dass andere die notwendige Leistung erbringen.
Dennoch überwiegt für Sutter die positive Botschaft. Langjährige Forschungsprojekte hätten gezeigt, dass sowohl Vertrauen als auch Kooperationsbereitschaft im Laufe der Kindheit und Jugend wachsen. Entscheidend seien dabei Sozialisation, Vorbilder und die Erfahrung, dass Zusammenarbeit gelingt. „Positive Erfahrungen verstärken die Einsicht, dass es sich auszahlt, sich auf andere einzulassen“, erklärte er.
Im anschließenden Gespräch griff Moderatorin Dr.in Annemarie Felder die Frage auf, wie Kooperation konkret gefördert werden kann. Sutter betonte die Bedeutung gemeinsamer Ziele und einer klaren Identität innerhalb von Organisationen. Menschen seien motivierter, wenn sie wissen, wofür sie arbeiten und welchen Beitrag sie leisten.
Bischof Benno Elbs knüpfte daran an und verwies auf aktuelle Leitbildprozesse in der Kirche. Entscheidend sei die Frage: „Wofür stehen wir eigentlich?“ Erst wenn Menschen den Sinn und die Werte einer Gemeinschaft erkennen, könne echte Identifikation entstehen.
Besonders wichtig sei dabei eine Kultur des Zuhörens. Elbs erinnerte an die Regel des heiligen Benedikt, wonach bei wichtigen Entscheidungen auch die Jüngsten gehört werden sollen. Ebenso zitierte er Ignatius von Loyola: „Man muss immer wieder versuchen, das Argument des anderen zu retten.“
Sutter sah darin eine bemerkenswerte Parallele zu aktuellen Forschungsergebnissen über Empathie und Perspektivenwechsel. Wer lerne, die Sichtweise anderer einzunehmen, reduziere Konflikte und stärke den Zusammenhalt. „Ich schaue einmal, wie sieht das Problem von der anderen Seite aus“, fasste er zusammen.
Den Schwerpunkt des Gesprächs bildete schließlich die Frage nach der Zuversicht. Für Bischof Benno Elbs ist sie eine der zentralen Ressourcen unserer Zeit. „Unser Produkt ist die Hoffnung“, sagte er mit Blick auf den kirchlichen Auftrag. Hoffnung begleite Menschen vom Beginn des Lebens bis über den Tod hinaus. Dabei sei Zuversicht nicht nur ein Gefühl, sondern auch eine bewusste Entscheidung.
Unter Bezug auf Viktor Frankl erklärte Elbs, dass Menschen selbst unter schwierigsten Bedingungen die Freiheit hätten, ihre innere Haltung zu wählen. „Zuversicht ist auch eine Entscheidung“, betonte er. Angst könne lähmen und isolieren, Hoffnung dagegen öffne Handlungsspielräume.
Diese Sichtweise verband sich nahtlos mit Sutters wissenschaftlicher Perspektive. Auch er plädierte für einen konstruktiven Blick auf die Zukunft. Als Beispiel schilderte er eine Diskussion mit jungen Klimaaktivisten, die auf die Frage des Moderators, ob sie bei all den Untergangsszenarien noch gerne aufstehen, keine Antwort einfiel. Sutters dagegen war eindeutig: „Ich stehe jeden Morgen auf mit großer Freude, um wieder etwas aus dem Tag zu machen.“
Die Menschheit habe ihre Herausforderungen immer wieder durch Kreativität, Zusammenarbeit und Erfindergeist bewältigt, so Matthias Sutter. Historische Untergangsprognosen hätten sich vielfach als falsch erwiesen, weil Menschen Lösungen entwickelt hätten, die zuvor niemand voraussehen konnte.
Für den Professor ist genau darin der Kern von Zuversicht zu finden: nicht im naiven Optimismus, sondern im Vertrauen auf die menschliche Fähigkeit, Probleme gemeinsam zu lösen. Bischof Elbs formulierte es ähnlich. Zuversicht bedeute, aktiv zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und trotz aller Unsicherheiten den nächsten Schritt zu wagen.
Der Abend in Batschuns machte deutlich, dass Vertrauen, Kooperation und Zuversicht keine abstrakten Begriffe sind. Sie entstehen dort, wo Menschen bereit sind zuzuhören, Verantwortung zu teilen und den ersten Schritt aufeinander zuzugehen.