
Drei von ihnen – Pater José Antonio Maeso, die Leiterin des Frauenhauses Maria Amor, Blanca Pacheco, sowie Ruth Rosero, die in Quito ein Projekt für „gestrandete“ Jugendliche leitet, waren kürzlich zu Gast im WirkRaum in Dornbirn. Im Hintergrund ein Plakat: „Vivas nos queremos!“ „Wir wollen leben!“ Was einst ein Schlachtruf war, um auf Femizide aufmerksam zu machen, betrifft heute weite Teile der Bevölkerung. Ecuador, das früher als Insel des Friedens in Südamerika galt, ist das Land Schauplatz von Bandengewalt und bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen zwischen Drogenkartellen und Militär geworden.
Den Auftakt des Abends machte dabei die Filmdoku „Drug war in Ecuador“, die den bitteren menschlichen Tribut dieses Konflikts und die Bemühungen, der Krise entgegenzuwirken, aufzeigt. Pater José Antonio Maeso ist nicht nur einer der Hauptakteure des Films, sondern im tristen Alltag in Ecuador mittendrin: Er spendet den Eltern ermordeter Kinder Trost, nimmt anderen die Furcht, vermittelt, organisiert konkrete Möglichkeiten, um durch ein seriöses Einkommen das Überleben der Familien zu sichern. „Allein in der Stadt Esmeraldas sind den letzten neun Tagen 21 Menschen ermordet worden“, schilderte José Antonio Maeso die dramatische Lage im Anschluss an die Filmpräsentation. „Es ist ein Drama, von dem weder nationale noch internationale Medien berichten.“
„Gewalt ist in Ecuador allerorts. Kinder, die selbst Gewalt erleben, reproduzieren diese und werden später von Opfern zu Tätern“ beschrieb Ruth Rosero, Leiterin des Straßenkinderprojekts Cenit in Quito. Das Ziel ihres Teams sei es, Kinderarbeit zu beenden sowie Maßnahmen zur Einhaltung von Kinderrechten zu setzen und Bildung zu fördern. Das Thema „Gewalt“ ist auch im Frauenhaus „Maria Amor“ in Cuenca alltäglich, wie Leiterin Blanca Pacheco beim Abend im WirkRaum beschrieb: „98 Prozent der Frauen, die bei uns Schutz suchen, haben die Schule nicht abgeschlossen. Es ist ein Teufelskreislauf: Wenig Bildung bedeutet für die Frauen auch wenig Einkommensmöglichkeiten und damit verbunden wenig Möglichkeiten, aus einer gewaltgeprägten Beziehung rauszukommen. Wenn ein staatliches System die Frauen nicht schützt, steigt die Zahl der Femizide.“ Bleibt die Frage, was wir hier in Vorarlberg tun können, um die armutsbetroffenen Menschen in Ecuador zu unterstützen: „Wenn wir die Augen verschließen, dann unterstützen wir dieses System“, betonte Pater José Antonio Maeso, das Wegschauen keine Option sein dürfe. „Und wir sehen gerade bei den vorgestellten Projekten, dass sie den Menschen Hoffnung und echte Chancen schenken. Dafür möchten wir uns auch stellvertretend bei allen Spenderinnen und Spendern und auch bei den freiwilligen Helfern, die zu uns nach Ecuador reisen, herzlich bedanken“, so José Antonio Maeso, Blanca Pacheco und Ruth Rosero abschließend.
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