Früher wurden im Lustenauer "Schützengarten" Kinder geboren, hielt Pfarrer und Projektleiter Thomas Sauter bei der Begrüßung anlässlich der "Zukunftskonferenz Lustenau" fest. Vergangenes Wochenende wurden dort von den rund 70 TeilnehmerInnen allerdings Ideen, Visionen und ein neues Miteinander geboren. Für eine Zukunft der Kirche in Lustenau.

Ein bunt gemischter Haufen an Frauen und Männern, Jugendlichen und Erwachsenen, Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen, KirchdörflerInnen, RheindörflerInnen sowie HasenfelderInnen fand sich am vergangenen Wochenende im Sozialzentrum "Schützengarten" ein, um gemeinsam eine neue Zukunft für "ihre" Kirche in Lustenau zu erarbeiten. Und schnell kristallisierte sich eines heraus: Die Kirche in Lustenau liegt allen am Herzen und gemeinsam will man sie in die Zukunft tragen.

Entscheiden mit Menschen vor Ort
"Zukunftskonferenz" ist ein Wort, das eigentlich nicht im alltäglichen Wortschatz vorkommt. Eigentlich, denn zunehmend hat es in den Köpfen der Menschen Einlass gefunden, denen eines gemein ist: Sie interessieren sich für die Kirche in ihrem Heimatort oder ihrer Heimatstadt. Nach Bregenz und Dornbirn ist die Zukunftskonferenz nun auch in Lustenau angekommen. Dort hat sich vor knapp einem Jahr eine Projektgruppe mit Vertretern aus allen drei Pfarren formiert. Der Ist-Zustand wurde erhoben, die Chancen und Risiken einer Veränderung abgesteckt und vor allem der Kontakt mit den Menschen vor Ort gesucht.

Der Ist-Zustand
Denn Fakt ist, dass in den kommenden Jahren für die drei Lustenauer Pfarren Kirchdorf, Rheindorf und Hasenfeld nur mehr zwei Priester und drei Pastoralassistenten zur Verfügung stehen werden. Das sind Prognosen, die im Struktur- und Personalplan der Diözese Feldkirch erhoben wurden. Vor mittlerweile rund vier Jahren stand man also vor der Wahl – warten, bis sich die Prognosen realisiert haben oder handeln. Man entschied sich für das Handeln und startete den Beteiligungsprozess „Die Wege der Pfarrgemeinden“, der gemeinsam mit den Menschen der Diözese Feldkirch nach neuen Formen des pfarrgemeindlichen Lebens suchte.

"Welcher Auftrag findet sich in der Kirche Lustenau?"
Zwei Tage lang fanden sich rund 70 engagierte Menschen zusammen, um gemeinsam darüber nachzudenken, was für Lustenau und seine 12.500 Katholiken "das Beste" wäre. Und zwar sowohl inhaltlich, als auch strukturell. Begleitet von Gabriele Walch vom Management Center Vorarlberg ging man am Freitag der Kernfrage nach: "Welcher Auftrag findet sich in der Kirche Lustenau?".  Im Mittelpunkt der Zukunftskonferenz standen dabei vor allem Gespräch, Austausch und das "einander kennenlernen". Denn auch wenn alle "LustenauerInnen" sind, fühlt man sich trotzdem "seiner" Pfarrgemeinde verbunden. 

Von der Vergangenheit in die Zukunft
Weil man für seine Zukunft auch die eigene Geschichte kennen sollte, wagte man gemeinsam mit Prof. Wolfgang Scheffknecht vom historischen Archiv der Marktgemeinde Lustenau einen Blick in die Vergangenheit Lustenaus. Projektbegleiter Gerold Hinteregger präsentierte mittels Sinus Milieu Studie und Schaufensterpuppen die religiöse Landschaft in Lustenau und eine Ausstellung bot Einblick in die verschiedenen Arbeitskreise und Charismen der unterschiedlichen Pfarren.

Dann wurde es kreativ
Mit einem "Dialog aus vier Richtungen" wurden sich die TeilnehmerInnen bewusst, was sie begeistert, was sich verändern wird und was für sie wesentlich ist. Zu verschiedenen Schwerpunkt-Themen wie Jugend, Kirche, Ehe oder auch dem interkulturellen Dialog wurden in bunten - über die Pfarrgrenzen gemischten - Gruppen Zukunftsbilder gestaltet. Wortwörtlich. Mit Papier, Kleber, Strohhalmen, Spielfiguren, Spiegeln, Wunderkerzen, etc. etc. Bei der Präsentation der Zukunftsbilder kristallisierten sich einige Gemeinsamkeiten heraus: Der Wille zur Offenheit und der Mut zu Veränderung und Vernetzung sowie der Wunsch das gemeinsam zu bewerkstelligen.

Die "Qual der Wahl"
Der Samstag wurde schließlich von "Struktur" geprägt, nämlich der Frage, welche Struktur für Lustenau die bessere wäre: Die erste Variante, in der die beiden Priester und die PastoralassistentInnen miteinander als Team gemeinsam für ganz Lustenau arbeiten oder die zweite Variante, in der Lustenau kirchlich quasi in zwei Einheiten unterteilt wird. Dass man zusammenarbeiten muss, darüber waren sich alle einig. Dass man sich natürlich auch als Hasenfelder, als Rhein- oder Kirchdörfler verstehe, war auch klar. Wichtiger aber war es, so der allgemeine Tenor, dass man sich vor allem als Christ in Lustenau verstehe. Wichtig war vor allem den jugendlichen Teilnehmerinnen der Zukunftskonferenz, dass die Priester und alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter nach ihren Talenten arbeiten sollen, während es wiederum allen Diskutanten wichtig war, dass Kirche Beheimatung sein und bleiben solle.

Lustenauer sind eben Macher
Und diskutiert wurde viel. „Mir geht das alles zu schnell“, sorgte sich eine Rheindörflerin und viele andere TeilnehmerInnen teilten ihre Sorge, dass der eigenen Pfarre eine Auflösung drohe. Das heißt es natürlich nicht, beruhigte Pastoralamtsleiter Walter Schmolly. Gemeinsam Kirche in Lustenau zu sein schließt den individuellen Charakter jeder einzelnen Pfarre nicht aus. Und nein, die Pfarren müssen auch nicht aufgelöst werden, sie rücken nur näher zusammen und verstehen sich dann gemeinsam als Kirche in Lustenau. Genau dafür entschieden sich die rund 70 Lustenauerinnen und Lustenauer dann auch – mit einer beeindruckenden Mehrheit übrigens. „Mich überrascht das nicht“, stellt stolz eine junge Frau fest, „die Lustenauer sind eben Macher.“

Wie es weitergeht
Ein weiterer Schritt ist mit diesem Stimmungsbild nun getan. Ein nächster Schritt sieht die Erarbeitung eines Konzeptes vor, das mögliche Kooperationsstrukturen skizziert. Ein Team an Priestern, das gemeinsam die Lustenauer Pfarren betreut, ist nur eine dieser möglichen Situationen. Das Konzept der „Kirche in Lustenau“ wird schließlich der Diözesanleitung präsentiert und wenn diese letzte Hürde genommen ist, dann geht es an die Umsetzung. "Ich bin froh, dass ich die endgültige Entscheidung, wie es mit der Kirche in Lustenau weitergehen soll, nicht treffen muss", meinte ein Teilnehmer zu Diözesanadministrator Dr. Benno Elbs. Dass seine Meinung aber mitberücksichtigt wird, kann er sicher sein.