Die Zukunftskonferenz bot den Dornbirner Pfarrgemeinden die Möglichkeit, eine neue Form des Miteinanders zu erkunden. Dabei kamen ungeahnte Potentiale zum Vorschein, Ideen wurden geboren und das Vertrauen wuchs. Das Wochenende machte Lust auf mehr, Lust darauf, mit der Zukunft anzufangen.

Über drei Tage hinweg ließen sich die 80 Frauen und Männer auf den intensiven Prozess ein. Dem Organisationsteam gelang es, einen klaren organisatorischen Rahmen zu schaffen, entsprechende Räume zur Verfügung zu stellen und die TeilnehmerInnen auf einen Weg zu leiten, der von der Vergangenheit in die Gegenwart bis hin zu möglichen Zukunftsbildern und –strukturen führte. Die TeilnehmerInnen füllten diesen Rahmen in großer Eingenverantwortlichkeit mit ihren Anliegen, Wünschen und Ängsten, mit ihrem Respekt vor dem jeweiligen Gegenüber und mit großem Vertrauen in jenen Geist, der die Kirchen-Menschen seit den Anfängen beseelt und begeistert.

Die spirituellen Impulse und Feiern innerhalb dieser drei Tage schafften Verbindung: zwischen den TeilnehmerInnen untereinander sowie zu jener Mitte, um die herum sich alle versammeln, Jesus Christus. Biblische Erzählungen ließen Erfahrungen aus der Vegangenheit lebendig werden und wurden so zu Kraftquellen und Wegweisern. Die Kapelle in Batschuns war in diesen Tagen nicht nur liturgischer Raum, sondern auch Versammlungs- und Gesprächsort. Wie vor 50 Jahren der Petersdom.

Sehen, was ist und das Neue in den Blick nehmen

Der erste Einheit lenkte den Blick auf all jenes, was in der Vergangenheit in den Pfarren gewachsen ist. Schätze wurden gehoben, Lebendiges erzählt. Zur Sprache kamen aber auch jene Menschen, die mit der Kirche kaum Kontakt haben. Schaufensterpuppen hielten die Erinnerung an sie wach. Entlang von vier Fragestellungen erstreckte sich dann der Weg von der Gegenwart Richtung Zukunft: Was begeistert? Was geht zu Ende? (oder: Die harten Wahrheiten.) Was will neu werden, zeigt sich schon? Was ist das Wesentliche, der essentielle Kern?

Veränderungsbilder erarbeiten

Aus diesen Gesprächen entstanden verschiedenste Veränderungsfelder, Bereiche, in denen die Pfarren zukünftig anders gestalten wollen. Jede/r TeilnehmerIn nahm sich eines solchen Feldes an, wählte dabei jenen Bereiche aus, der ihr / ihm am meisten am Herzen lag. So bildeten sich Gruppen, die gemeinsam ein Bild entwarfen, wie Kirche in Dornbirn im Jahre 2020 in diesem Bereich aussehen kann.

Das Entwerfen eines solchen Zukunftsbildes war ein sehr kreativer Prozess, unterschiedliche Materialien verbanden sich mit spontanen Ideen zu einem oft überraschenden Ergebnis. Die Phantasie sprengte die Grenzen von Konvention und Pessimismus, die Lust am Tun steckte an und ließ im Miteinander Neues entstehen.

Veränderungsbilder bewerten

Die Zukunftsbilder wurden im Plenum vorgestellt und reflektiert. Dabei ging es wieder um die vier Fragestellungen des Vortages, darum, was den Bildern gemeinsam ist, was begeistert, zu Ende geht, neu werden will und das Wesentliche ist. Es konnten rote Fäden entdeckt werden, der Kontakt mit den Menschen gehörte ebenso dazu wie der Blick ins eigene Herz und das Vertrauen auf Gott, der immer wieder die Mitte der Bilder füllte. Was allen Bildern gemeinsam war, war ihr Ausgerichtet-Sein auf ein größeres Ganzes. Dazu gehörten die Entwürfe von konkreten Projekten wie eine „City-Pastoral“ oder der „offene Bahnhof“ ebenso wie die Zukunftsbilder zu den Themen „Jugend“, „Liturgie“ oder „Administration“. Nie gab es ein Bild, das in einer einzigen Pfarre Verortung fand, immer waren die Zukunftsvisionen auf die gesamte Stadt bezogen.

Strukturfragen

Eine intensive Auseinandersetzung brachte die Frage nach der geeigneten Struktur mit sich. Es ging darum, einen äußeren Rahmen zu finden, in der die Anliegen der Pfarren gut erfüllt werden können. Diese Anliegen ergaben sich einerseits aus dem, was jetzt schon in den Pfarren lebt, andererseits aus den Bildern, die die Kirche der Zukunft zeichnen. Eine Struktur war gefragt, die beidem Platz schaffte, Altem und Neuem.

Die Notwendigkeit einer Strukturänderung ergibt sich einerseits aus der Priesterzahl, die sich laut Prognose für Dornbirn bis zum Jahr 2025 von acht Priestern und zwei Kaplänen auf vier Priester hin verändern wird. Andererseits haben sich jene Erwartungen verändert, die Menschen an die Kirche haben, die Aufgaben der Kirche sind durch den Wandel der Zeit einfach andere geworden bzw. müssen andere werden, damit die Kirche nicht am Leben der Menschen vorbei lebt. Oder mit den Worten den II. Vaticanums gesprochen: es gilt, „die Zeichen der Zeit“ zu deuten.

Seitens des Pastoralamtes gab es drei Modelle, die zur Diskussion standen. Sie waren dem Pastoralgespräch entwachsen. Alle drei Modelle sehen vor, dass es in jeder Pfarrgemeinde eine fixe Ansprechperson gibt. Alle drei Modelle wollen das pfarrgemeindliche Leben fördern. Nur in Hinblck auf die Handlungsspielräume bei der Zusammenarbeit der Pfarren sind die Modelle sehr unterschiedlich.

Drei Modelle

Das Modell der Pfarrverbände ist schon in einigen ländlichen Gebieten installiert. Hier ist das Team der Hauptamtlichen (Priester, PastoralassistentIn bzw. Kaplan) nicht nur für eine sondern für zwei oder drei Pfarren zuständig. Die Kooperation zwischen den Pfarren ist eher gering, sie betrifft vor allem terminliche Absprachen.

Bei den anderen beiden Modellen formiert sich das Team aller Priester und Hauptamtlichen als ein großes Team. So können Aufgaben gut koordiniert und nach den Charismen der Teammitglieder entsprechend erfüllt werden. Synergien können genutzt und Verdoppelungen vermieden werden. Das Team könnte für sich gemeinsame Räume finden, Räume spiritueller Art oder Räume des alltäglichen Lebens und Arbeitens.

Die Herausforderungen eines großen Teams liegen in der Leitung. Herausfordernd ist auch die Veränderung der Priesterrolle. Ein Priester hätte zwar die Leitungsfunktion inne, die anderen aber wären „nur“ Seelsorger. Das entspräche allerdings wieder dem Wunsch vieler Priester nach mehr Zeit für die Seelsorge und weniger Verwaltungsarbeit.

Die beiden Modelle des „großen“ Teams unterscheiden sich in ihrer juristischen Form. Beim Modell „Seelsorgeregion“ bleiben die Pfarrgemeinden als juristische Pfarren bestehen. Beim Modell „Stadtpfarre“ gibt es nur noch eine Pfarre mit vielen Gemeinden. Diese Form wird bereits in vielen Pfarren praktiziert, die Filialkirchen haben – Watzenegg und Kehlegg sind in Dornbirn zwei Beispiele dafür. In beiden Orten trifft man auf sehr lebendige Gemeinden, juristisch gehören sie jedoch zur Pfarre Oberdorf.

Der Vorteil einer „Stadtpfarre“ liegt auch darin, dass in sogenannten "Filialkirchen" auch Laien die Leitung des gemeindlichen Lebens übernehmen dürfen. Nur in Pfarren muss ein Pfarrer leiten. Das erweitert den Handlungsspielraum auf ein Vielfaches, die Rolle von Nicht-Geweihten würde zudem gestärkt. Eine „Stadtpfarre“ ist flexibel und kann gemeinsame „Stadtprojekte“ leichter umsetzen als einzelne Pfarren innerhalb einer Stadt.

Nach intensiven Gesprächen zur Klärung der Modelle wurde ein Stimmungsbild ermittelt. Alle TeilnehmerInnen stellten sich zu jenem Strukturmodell, das sie sich für Dornbirn am besten vorstellen konnten. Es gab einige, die sich zum Modell des „Pfarrverbandes“ stellten, der Großteil (ca. 70%) wählte aber ein Modell des „großen“ Teams – Seelsorgeraum und Stadtpfarre wurden mit 36 bzw. 33 Prozent gewählt. Damit hat sich eine große Mehrheit für eine intensive Kooperation der Pfarrgemeinden in Dornbirn ausgesprochen.

Weiterarbeit

Bei der Abschlussrunde des Wochenendes kam klar zum Ausdruck, dass die Energie, die hier zugegen war weiter getragen werden muss. In Gesprächen, im konkreten Tun, im Hinaustragen dieser Erfahrungen. Die Ergebnisse der Konferenz sind komplex und zahlreich. Hier ist ein sorgfältiges Weiterarbeiten gefragt, das nach Möglichkeiten sucht, möglichst viele Anliegen mit einzubeziehen. Diese Weiterarbeit wird Grundlage für jenen Vorschlag sein, den das Projektteam der Diözesanleitung vorlegen wird. Diese wird dann eine entsprechende Entscheidung treffen.

Weiterarbeiten wird es sicher auch in allen Menschen, die an diesem Prozess teilgenommen haben, die erlebt haben, wie sich ein größeres Miteinander anfühlt, welche Kraft und Freude darin steckt, welches Neuerungs- und Veränderungspotential. Die Kontakte, die geknüpft wurden, werden das Vertrauen in eine gemeinsame Zukunft stärken. Die Lust, etwas anzugehen, wird vielleicht schon bald erste Früchte tragen.