Rund 80 Frauen und Männer aus den Hohenemser Pfarren St. Karl und St. Konrad trafen sich in der Landwirtschaftsschule zur Zukunftskonferenz. Es waren zwei sehr intensive Tage. Vieles fand Platz im Miteinander: Widerstand und Ängste, Visionen und Hoffnungen. Die Tage zeigten, dass die Hohenemser in den Zukunfts-Zug eingestiegen sind.

Hohenems war die fünfte Stadt, die sich auf die Zukunftskonferenz einließ. Die Verantwortlichen seitens der Diözese hatten schon einiges an Erfahrung mit dabei, die Ausgangslage war keine besonders komplizierte, geht es in Hohenems ja nur um eine politische Gemeinde und um nur zwei Pfarren. Dennoch waren die eineinhalb Tage von vielen Widerständen geprägt.

Fakten

Die erste Welle des Widerstandes erhob sich am ersten Abend. Nachdem am Nachmittag Vergangenheit und Gegenwart von Pfarren und Stadt intensiv beleuchtet worden waren, wurde die Zukunft in den Blick genommen. Pastoralamtsleiter Walter Schmolly legte den Struktur- und Stellenplan vor, der 2010 von der Dekanekonferenz beschlossen worden war und in den kommenden  Jahren umgesetzt wird. Dieser sieht für Hohenems 2,3 Stellen vor (derzeit sind es 2,25). Was sich ändert, ist die Zahl der Priester: Hohenems wird, wenn sich die Zahl der Priesterberufungen nicht unvorhergesehen ändert, in Zukunft nur mehr einen und nicht zwei Priester haben.

Priesterbild

Dieses Faktum war in den vergangenen zwei Jahren von den Verantwortlichen offenbar nicht in dieser Klarheit kommuniziert worden und stieß an diesem Abend vielen vor den Kopf. Unmut breitete sich aus, Widerstand stellte sich ein. Der Konflikt brach mit großer Emotionalität aus und verdeutlichte, dass die Veränderungen in Gesellschaft und Kirche, die sich im Prozess „Kirche in der Stadt“ widerspiegeln, eine Rolle ganz besonders betreffen: jene der Priester.

Zukunftsbilder

Trotz der Spannungen und Widerstände kamen am nächsten Morgen fast alle wieder und ließen sich auf die anstehenden Fragen ein. Die Widerstände machten mehr und mehr dem konstruktiven Zusammenarbeiten Platz. Die Teilnehmenden hatten die Aufgabe, zu Themen, die ihnen besonders wichtig sind, Zukunftsbilder zu erstellen. Für diese Aufgabe setzten sie sich in Gruppen um einen Tisch, vor ihnen ein leeres Plakat, hinter ihnen unterschiedlichste Materialien. Nun gab es Platz für ihre Ideen, Wünsche und Sehnsüchte. Und diese füllten bald das weiße Papier. Eines ergab das andere, es wurde geklebt, geschnitten, gemalt und an der gemeinsamen Idee gesponnen.

Zukunfts-Zug

Dieses Gestalten erwies sich als äußerst lustvolles Tun, es machte Spaß. Es spielte sich jenseits von Argumenten und Ängsten ab, auf einer sehr spielerischen und schöpferischen Ebene. So wurden in einem Zukunftsbild zum Beispiel mit Holzklötzen Brücken gebaut, die die Grenze der Bahnlinie, die derzeit die Stadt in zwei Pfarren teilt, durchbrechen. Es gab nur einen Zug, nur ein Gleis. Was aber im gemeinsamen Schaffen vor allem „aufgebaut“ wurde, war gegenseitiges Vertrauen. Die Zukunftsbilder zeigten schließlich das Verbindende, sie waren geprägt von dem Wunsch nach Gemeinschaft, spiritueller Mitte, Offenheit und Veränderung. Sie zeigten auch das Potential der Pfarrmitglieder, ihr Engagement und ihre Tragen der Mitverantwortung. Es wurde deutlich, dass der Geist des II. Vatikanischen Konzils hier schon längst angekommen ist und Fuß gefasst hat.

Rahmen

Die Weiterarbeit verlief dann sachlich und sehr konstruktiv. Zwei Strukturmodelle wurden vorgestellt, die in Zukunft den Rahmen für das pfarrliche Leben geben können. Modell eins ist der „Seelsorgeraum“, in dem beide Pfarren in ihrer rechtlichen Verfasstheit bestehen blieben. Priester und Hauptamtliche bildeten ein der pfarrlichen Ebene übergeordnetes Team und teilten sich die pastorale Arbeit - je nach Charisma. Beim zweiten Modell würde Hohenems wieder eine Pfarre. Die beiden Gemeinden pfarrlichen Lebens - St. Karl und St. Konrad - blieben samt ihren Kirchen natürlich bestehen. Sie könnten jedoch ihre Leitung flexibler gestalten, da es dafür keine kirchenrechtlichen Vorgaben gäbe.

Zukunft

Es wurde intensiv diskutiert, welches Modell die besseren Bedingungen für das pfarrliche Leben schafft, Vorteile von beiden wurden aufgelistet. Schließlich wurde ein Stimmungsbild erstellt, das zum Ausdruck brachte, wo sich die einzelnen Pfarrmitglieder derzeit sehen: näher beim Seelsorgeraum oder näher bei der einen Pfarre. Alles Gesagte und Erlebte ist nun Grundlage für die Weiterarbeit der Projektgruppe. Ihre Aufgabe ist es, daraus einen konkreten Struktur-Vorschlag  zu erarbeiten, der dann der Diözesanleitung vorgelegt wird. Das ist keine leichte Aufgabe. Die Zukunftskonferenz aber hat gezeigt: im Miteinander ist auch Ungeahntes möglich.