Nun ist sie also offiziell, die Reform der Fortpflanzungsmedizin. Das rund 20 Jahre alte Fortpflanzungsmedizingesetz soll damit an die gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst werden. Jugendbischof Stephan Turnovszky mahnt indes das Kindeswohl ein und warnt vor Orientierungslosigkeit und Zukunftskälte. Auch der Präsident des Katholischen Familienverbandes vermisst einen entsprechenden Dialog und ermahnt, dass ein Kind nicht zum Objekt von Wünschen Dritter werden dürfe. Damit Kinder nicht die letzte Rolle spielen.

Irgendwie schnell ist das alles von statten gegangen, auch wenn das aktuelle Fortpflanzungsmedizingesetz  bereits 20 Jahre alt ist. Die Novellierung sieht eine Liberalisierung vor, die über die vom VfGH geforderte Erlaubnis von Samenspenden für lesbische Paare hinausgeht und in weiten Teilen den 2012 formulierten Vorschlägen der Bioethikkommission folgt: Erstmals werden Eizellenspenden legal, und die bisher stark eingeschränkte Präimplantationsdiagnostik (PID) sollte erleichtert werden.

Negative Folgen
Die geplante Liberalisierung des Fortpflanzungsmedizingesetzes orientiere sich nur an den Wünschen Erwachsener und lasse das Kindeswohl außer Acht, kritisert Jugendbischof Stephan Turnovszky. Er sieht im neuen Gesetz eine "überstürzte Entscheidung mit langfristigen negativen Folgen auf das Leben künstlich ins Leben gerufener Kinder und die ganze Gesellschaft". "Aus vielen Gesprächen mit jungen Menschen weiß ich, wie wichtig Jugendlichen die oft sehr aufreibende Beziehung zu Vater und Mutter ist und wie sehr sie gegebenenfalls an deren Abwesenheit leiden", so Turnovszky.

Probleme vorprogrammiert?
Das geplante Gesetz mit der Freigabe der Samen- sowie der Eizellspende führe zu einer Trennung der genetischen und der sozialen Elternschaft. Schon jetzt könne man davon ausgehen, dass das bei den betroffenen Jugendlichen gerade in der sensiblen Phase ihres Erwachsenwerdens zu großen Problemen führen werde. Turnovszky warnte vor möglicher Orientierungslosigkeit und Zukunftskälte.

"Wenn immer mehr Kinder künftig nicht mehr gezeugt, sondern nach Wunsch und Bedarf erzeugt und mittels PID selektiert werden, dann ist immer weniger vom Feuer der Liebe und dem Wunder des Lebens erfahrbar", so der Bischof. Es sei zu befürchten, dass sich die Fiktion des "alles ist machbar" im Bewusstsein weiter Teile der Gesellschaft festsetze. "Wer aber meint, alles sei machbar, der läuft Gefahr, für die sinnvollsten Erfahrungen des Lebens wie Liebe, Vertrauen und Hingabe nicht mehr fähig zu sein."

Die Rechte zukünftiger Kinder
„In der Fortpflanzungsmedizin wird viel über die Rechte der Eltern in spe diskutiert – aber wenig bis gar nicht über die der zukünftigen Kinder“, kritisiert auch Alfred Trendl, Präsident des Katholischen Familienverbandes.  „Ein Kind darf nicht zum Objekt von Wünschen Dritter werden. Es ist niemandes Eigentum, weder des Staates, nicht der Wirtschaft und auch nicht der Eltern“, so Trendl.

Kinder spielen letzte Rolle
Auch die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich, Gerda Schaffelhofer zeigt sich besorgt: "Kinder spielen wieder einmal die letzte Rolle". "Empörend" sei außerdem die "extrem kurze" Begutachtungsphase von nur zwei Wochen, die mit 1. Dezember endet. Ein Kinderwunsch sei zwar verständlich, die heutigen technischen Möglichkeiten erforderten aber sorgfältig überlegte Rahmenbedingungen, "die die Interessen aller wahren", so Schaffelhofer. Dass der Entwurf so knapp vor Ablauf der Frist am 31. Dezember vorgelegt wurde, könne nur als "bewusstes Ausschalten der kritischen Stimmen und Versuch, ein Gesetz an allen Einwänden vorbei möglichst rasch durchzudrücken", interpretiert werden. (red/kathpress)