Bea Johnson sieht wie eine ganz normale junge Frau aus. Bis auf die Tatsache, dass sie so gut wie immer ein Einweckglas mit Müll mit sich trägt. Es ist der Müll, den ihre vierköpfige Familie in einem Jahr produziert, denn die Johnsons leben ein "Zero waste" Leben - ein Leben ohne Müll. Wie das funktionieren kann und welche "Opfer" man dafür (nicht) bringen muss, zeigte sie bei einem Vortrag im Recycling Center Elkuch in Liechtenstein.

Die Johnsons sind eine ganze normale amerikanische Familie, bestehend aus Bea und Scott sowie ihren beiden Söhnen Max (16 Jahre) und Leo (15 Jahre). Im Jahr 2006 zog die Familie von einem Haus in ein kleines Apartment und stellte dabei fest, dass man auch gut mit viel weniger auskommen kann. Und deshalb haben sie sich bei einem weiteren Umzug in ein Haus in Kalifornien von 80 Prozent ihres Besitzes getrennt. Seit damals ist nichts mehr wie es war, denn Bea Johnson hat das "Zero Waste"- Leben für sich entdeckt,  weiterentwickelt und sogar einen Blog sowie ein Buch darüber geschrieben.

Ein Leben mit Prinzip

Wenn Bea Johnson vom Leben ihrer Familie erzählt, werden die Augen vieler ihrer ZuhörerInnen groß. Auch in Liechtenstein diese Woche. Johnson hat zuhause nämlich keinen Mülleimer, weil sie keinen braucht. Sie lebt nach fünf Vorsätzen, die ihr nicht nur den "green award" eingebracht haben, sondern auch Geld sparen. 40 Prozent im Vergleich zum Leben vor zero waste. "Ablehnen, was wir nicht brauchen. Reduzieren, was wir tatsächlich benötigen. Wiederverwenden – also zum Beispiel secondhand kaufen. Recyceln, was wir nicht wiederverwenden können, und schließlich verrotten lassen, was wir nicht mehr brauchen", lauten diese Vorsätze, die sich v.a. in einem sehr reduzierten Wohnen und Leben wiederspiegeln.

Ein Leben im Trolley

Was "Zero Waste" angewendet bedeutet, zeigt Johnson in Wort und Bild. Große, lichtdurchflutete, spartanisch gehaltene Räume. Eine Küche, in der alle Lebensmittel in Gläsern oder Stofftaschen aufbewahrt sind. Ein Bad, das nur selbstgemachte Kosmetika enthält. Ein Kleiderschrank mit lediglich 15 Kleidungsstücken pro Person - schließlich werden von einem herkömmlichen Kleiderschrank eh nur 20 Prozent genutzt. Der Rest sei "what if"- Kleidung, "für den Fall dass...". Nichts "überflüssiges" steht herum. Ihre gesamte Garderobe passe in einen Trolley, erklärt Johnson, warum es für sie auch einfach ist das Haus zu vermieten.

Erleben statt nur besitzen

So gut wie alles was die Johnsons besitzen ist Second-Hand - von der Kleidung über Schuhe bis hin zur Einrichtung. Statt immer mehr Besitz anzuhäufen, werden defekte Gegenstände einfach ersetzt. Und ihre Freunde und Verwandten wissen: Materielle Geschenke werden postwendend gespendet oder verkauft, weshalb auf der Wunschliste der Johnsons immer nur eines steht: experiences, also neue Erfahrungen. Und die können durchaus auch ausgefallen sein, zeigt Johnson Bilder ihrer Söhne beim Eisklettern, Bungeejumpen oder schnorcheln. Und auf die Frage, wie die Kinder mit "Zero Waste" klar kommen, zuckt Johnson nur grinsend die Schultern - solange ihre Bedürfnisse gestillt seien, seien Max und Leo zufrieden.

Du hast da was im Gesicht

Verpackungen sind Johnson ein Gräuel - und das nicht nur weil sie rund 15 Prozent des Preises ausmachen. Die gebürtige Französin geht mit Glasgefäßen und Baumwollsäcken einkaufen  - in Läden, in denen man die gewünschte Menge selber wählen kann. Da komme man mit den Menschen auch mehr ins Gespräch, erklärt sie lachend. Kosmetikartikel wie Mascara oder Rouge stellt sie selbst her - z.B. mit Kakaopulver oder Sonnenblumenöl. Oder wie Johnson es formuliert: "I've food in my face" - "ich habe Essen im Gesicht". Geputzt wird das Haus mit Wasser und hellem Essig - und zwar alles. Die Werbung wolle einem einreden, dass man für alles ein spezielles Putzmittel braucht, zeigt sich Johnson vom Essig-Putzergebnis überzeugt.

Aller Anfang ist schwer

Natürlich habe es am Anfang Startschwierigkeiten gegeben, gibt Bea Johnson zu. Zum Beispiel habe sie vom Essig-Shampoo Spliss bekommen und ihr Mann beschwerte sich, dass sie wie ein Salatdressing rieche. Der Internetratschlag Brennnesseln als Ersatz-Lippgloss zu verwenden, ging ebenfalls nicht schmerzfrei aus. Dennoch ist sich Johnson sicher auf dem richtigen Weg zu sein und animiert auch andere Menschen einfach Mal "Nein" zu sagen. Nein zu Werbung, Visitenkarten, Rechnungen, Plastiksäcken oder neuem Besitz. Und "Ja" zu Projekten zu sagen wie "Nike reuse-a-shoe", bei dem alte Sportschuhe zu Bodenbelägen für Sport- und Spielplätze verarbeitet werden. Oder abgeschnitte Haare zu spenden, damit an Krebs erkrankte Menschen eine Perücke bekommen.

Buying is voting

"Sein statt haben" ist das Lebensmotto der Johnsons. Eines simplen Lebens,wie Bea Johnson findet. Während sie zu Beginn noch viel über die Organisation ihres "neuen" Lebensstils nachdenken musste, sei es nun viel einfacher geworden. Man müsse sich einfach im Klaren sein, dass man als Konsument etwas Macht in der Hand hat, meint Johnson: "Buying is voting". Und auch dafür eintreten, wenn man Veränderung will. Tipps, wie man mithelfen kann die Welt zu verändern, finden sich nicht nur auf ihrer Webseite www.zerowastehome.com, sondern auch im Buch, das im Oktober auf Deutsch erscheint.

Übrigens: Auch der Hund der Johnsons hilft bei der Müllvermeidung kräftig mit - er leckt das Geschirr ab, bevor es in den Geschirrspüler kommt. Beim Vortrag von Bea Johnson in Liechtenstein durfte man das Abwaschen selbst übernehmen - dafür gab es vorher hervorragendes veganes "Teller statt Tonne"-Essen vom KochKollektiv.