68,5 Millionen Menschen waren 2017 auf der Flucht – 2,9 Millionen mehr als im 2016, die Hälfte davon Kinder. Es ist ein neuer Negativrekord – zum fünften Mal in Folge.

Es dürfte niemanden überraschen: Im Mittelmeer schaukeln noch immer (oder schon wieder?) überfüllte Boote vor den Stränden, die „Balkanroute“ wird vermehrt genutzt. In Deutschland drohte die „Flüchtlingsfrage“ eine ganze Regierung zu entzweien und hierzulande verschärft man das Asylrecht. Und das ist nur die (verzerrte) europäische Perspektive – die Rohingya in Bangladesh und Myanmar, die großen Flüchtlingsbewegungen im Herzen Afrikas – die gibt es ja auch noch. 85 Prozent der Flüchtlinge leben laut UNHCR in Entwicklungsländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen – in unmittelbarer Nähe zu den Krisenherden und weit weg von Europa.

Vorurteile von rechts und links

Seit 2001 begeht man den Weltflüchtlingstag am 20. Juni – zusätzlich zum päpstlichen Welttag des Migranten und Flüchtlings am 19. Januar und nationalen Gedenk- und Aktionstagen. Man erinnert an all die, die vor Kriegen, Hunger, Verfolgung fliehen – und daran, dass man jederzeit selbst betroffen sein könnte. Weil einem anderen, mächtigeren die eigene Gesinnung nicht mehr passt, der eigene Glaube oder Lebenswandel.
2018, sollte man meinen, müsste das alles nicht mehr nötig sein. Weil genug Geld und genug Ressourcen da wären, um allen Menschen auf der ganzen Welt ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen – dort, wo sie sich zuhause fühlen, in Frieden. Weil genug Wissen da sein sollte – um die Vorteile von Migration und Kompetenzentransfer wie um die Gefahren von Abschottung und Populismus. Wie es stattdessen aussieht, wissen wir. Und anstatt wirklich miteinander zu reden – über Probleme, Ängste, Lösungen – knallen wir uns Vorurteile an den Kopf – von rechts und von links.

Hoffnung auf den Herbst

Im Herbst 2018 werden die Staats- und Regierungschefs der Welt bei den Vereinten Nationen zusammenkommen, um sich auf gerechtere Lösungen für die globale Flüchtlingskrise hinzuarbeiten – etwas, um das auch der Vatikan inständig bittet. In dieser Vereinbarung – dem so genannten Global Compact for Refugees – gehe es besonders um die faire Verteilung der Verantwortung, erklärt der UNHCR auf seiner Website. Alle Teile der Gesellschaft seien aufgerufen, für Flüchtlinge einzutreten und ihren fairen Beitrag zu leisten, anstatt einzelne Staaten mit den Folgen der Massenvertreibungen alleine zu lassen.

Der UNHCR hat die Kampagne #WithRefugees gestartet, die als Signal und Auftrag an die Regierungschefs gelten soll – dafür, dass sie solidarisch handeln und gemeinsam Verantwortung übernehmen müssen. Knapp zwei Millionen Menschen unterstützen sie bereits – und Sie können das auch.
„Die Kampagne läuft so lange, bis der globale Flüchtlingspakt, der sogenannte Global Compact, 2018 verabschiedet wird“, schreibt der UNHCR. Es scheint, als stelle man sich auf eine Geduldsprobe ein – ausgetragen auf dem Rücken von Menschen, die schon ihr eigenes Schicksal kaum mehr schultern können. „Kein Mensch wird freiwillig zum Flüchtling“, betont UNHCR-Hochkommissar Filippo Grandi.

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Vollständiger UNHCR-Flüchtlingsbericht 2017 zum Download »

Quelle: UNHCR / Kathpress ( 1 | 2 | 3 | 4)  / red
Foto: Rasande Tyskar / flickr.com / CC BY-NC 2.0