„Café Fetz“ ist noch an den Außenmauern jenes Gebäudes in Bregenz-Vorkloster zu lesen, in dem seit Jahren ein Weltladen logiert. Im September kommt ein Teil dieser Geschichte zurück, wenn nach der geplanten Renovierung nicht nur das „Fachgeschäft für fairen Handel“ wiedereröffnet, sondern auch ein Weltcafé.

„FAIRköstigung“ steht auf einem kleinen Schild neben einer Flasche mit fast durchsichtigem Inhalt. Daneben: Gläser, eine Karaffe Wasser und ein lächelndes Gesicht. „Möchten Sie probieren?“, fragt Birgit Burtscher, und dosiert vorsichtig einen Teil Flascheninhalt auf zehn Teile Wasser. „Sirup aus Kräutern aus dem Klostergarten Marienberg“, erklärt sie. „Eins der Produkte, die wie hier in Zukunft verstärkt anbieten wollen.“

„Hier“, das ist der Weltladen in der Bregenzer Heldendankstraße 44. „Zukunft“, das ist der 29. September, wenn der Laden feierlich wiedereröffnet wird, „anbieten“, das heißt: im Laden wie im geplanten Weltcafé, das im hinteren Teil des Ladens einziehen soll.

Bleibt alles anders

Große Pläne – dabei liegt die größte „FAIRänderung“ schon hinter ihnen: Seit sich Eva Riedl, Gründerin des Weltladens Bregenz und Obfrau des Vereins „Fair Handeln“, nach zehn Jahren an der Spitze auf die Suche nach einer Nachfolge machte, ist für Burtscher, ihre Kollegin Stefanie Graf und die 36 Schülerinnen der 2f der Fachschule für wirtschaftliche Berufe Marienberg alles ein bisschen anders. Ein Lehrerkollege und Vereinsmitglied kam auf die Idee, die Geschäftsführung zu einem Praxisprojekt für die Fachschülerinnen zu machen – nach einem Vorbild aus Wangen im Allgäu, wo eine ähnliche Kooperation von Weltladen und Schule bereits bestens funktioniert. „Am Anfang hat man sich das gar nicht vorstellen können“, erinnert sich Burtscher. „Aber jetzt… mag man nicht mehr ohne!“

Das findet auch Eva Riedl, die einstige Obfrau, die bei einem Glas Kräutersirup-Wasser mit am Tisch sitzt und immer noch mit anpackt, wo es nötig ist. Zum Beispiel, wenn das Telefon klingelt und eine der diensthabenden Schülerinnen gerade nicht weiß, was sie dem Anrufer sagen soll. Dann greift Riedl zum Hörer und erklärt einem potentiellen Lieferanten, dass man erst den Umbau abwarten müsse, bevor man über neue Verträge sprechen kann.

Doppelte Buchführung

„Zwar kümmern sich die Mädchen hier selbstständig um Einkauf, Verkauf und Marketing – aber am Ende werfen wir eben doch noch einmal einen Blick auf ihre Rechnungen und Bestellungen“, erläutert Stefanie Graf, die gemeinsam mit Burtscher das Projekt von Schulseite her betreut, das Konzept. Diese „doppelte Buchführung“ sei einer der Tipps aus Wangen gewesen, von deren Erfahrungen man an vielen Stellen profitiert.

Wobei es den Marienbergern nicht an eigenen Ideen fehlt. Die zum Café zum Beispiel existiert schon länger: „Die Leute im Viertel wünschen sich einen Treffpunkt“, sagt Riedl, „und die Renovierung war eh fällig.“ Zwei Fliegen, eine Klappe. Dieser Pragmatismus ist typisch für die alte und neue Geschäftsführung. Und für die Mädchen, die zum Beispiel den Flyer zur laufenden Crowdfunding-Kampagne selbst entworfen haben und jedem in die Hand drücken, von dem sie sich Unterstützung wünschen – schließlich fehlen noch etwa die Hälfte jener 10.000 Euro, die der Umbau voraussichtlich kosten wird. „Einige Arbeiten werden wir selber machen – unentgeltlich“, erzählt Burtscher. Sie ist dankbar, dass sie sich auf das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitglieder verlassen kann.

Ein Eine-Welt-Laden

Und, natürlich: auf ihre Mädchen. Drei von ihnen – Laura, Chiara, und Annika –„opfern“ einen großen Teil ihrer Sommerferien für ein Praktikum im Laden – weil es hier eben mehr Spaß macht als anderswo. Das Kassieren vor allem, aber auch der Kontakt mit den Kunden.

Gerade geht wieder die Tür – und eine Frau stöbert durch das Sortiment von Faitrade-Klassikern wie Kaffee und Schokolade über Bekleidung, Bücher, CDs und Schmuck. Bezahlen wird sie mit einem Gutschein –ausgestellt im Weltladen in Wien. Auch hier hängt alles mit allem zusammen: Die Gemeinschaft der Weltläden in Österreich, die Attraktivität des Angebots mit dem Kassensturz am Abend, unser Konsumverhalten mit dem Wohlergehen der Produzenten in Afrika, Asien und der Welt.

Zu wissen, was „fairer“ Handel wirklich bedeutet, gehöre zu den größten Lernerfolgen der Mädchen, finden Burtscher und Graf. Und müssen jedes Mal lächeln, wenn sie Formulierungen wie „fairtrauen“ oder „fairändern“ in ihren Aufsätzen wiederfinden. „Die Arbeit in ‚unserem‘ Laden prägt eben – vielleicht fürs Leben.“

Weltladen Bregenz

Website: www.weltladenbregenz.at
Crowdfunding: mit.einander.at/weltladenbregenz