Jede/r trägt sie, jede/r braucht sie. Am liebsten zum günstigsten Preis. Gerne auch aus Leder. Aber: In den Gerbereien wird das Leder mit toxischen Chemikalien produziert. Nahezu 95 % des für Schuhe verwendeten Leders wird mit Chrom gegerbt, das in den Produktionsländern des Südens verheerende ökologische und gesundheitliche Folgen hat. Von den katastrophalen, gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen und der schlechten Entlohnung gar nicht zu sprechen. Misstände, auf die die Kampagne "Change your shoes" aufmerksam machen und so mehr Bewusstsein bei den Konsumenten schaffen will.

Ab 1. Mai 2015 ist es verboten, Chrom VI-haltiges Leder auf den Europäischen Markt zu bringen. Das ist ein wichtiger Schritt, um die europäischen KonsumentInnen vor gesundheitsgefährdenden Lederprodukten zu schützen.So weit, so gut - könnte man meinen. Die Menschen, die in Billiglohnländern tagtäglich Leder gerben, bleiben aber weiterhin den teilweise hochgiftigen Chemikalien ausgeliefert. Aus diesem Grund macht die Clean Clothes Kampagne mit dem Motto "Change Your Shoes" auf die Arbeitsbedingungen in, sowie die Gesundheits- und Umweltgefährdungen durch die Lederindustrie aufmerksam und fordert mehr Transparenz von Herstellern.

Ein erster Schritt
"Es ist besorgniserregend, dass Trägerinnen und Träger von Lederschuhe Gefahr laufen, durch unreine Gerb-Methoden Gesundheitsrisiken einzugehen. Noch gefährdeter sind die Arbeiterinnen und Arbeiter in Gerbereien in Billiglohnländern, wie Indien oder Bangladesch. Sie sind den Giften oft vollkommen schutzlos ausgeliefert. Das muss sich ändern!", meint Michaela Königshofer, Leiterin der Clean Clothes Kampagne in Österreich und fügt hinzu: "Das Importverbot von Chrom VI-haltigem Leder, ist ein erster Schritt - wie gut diese Maßnahme greifen wird und ob sie auch positive Auswirkung auf die Lederherstellung außerhalb der EU haben wird, bleibt jedoch abzuwarten."

Gesundgheitsgefährdend
80-85% des Leders wird weltweit durch chemische Verfahren gegerbt. Die Gerbung mit Chrom-III-Salzen ist weltweit die gängigste Methode, obwohl sie Risiken für Umwelt und Gesundheit birgt. Gesundheitsgefährdend ist sie vor allem dann, wenn es dabei zur unerwünschten Bildung von Chrom VI-Verbindungen kommt. Das sechswertige Chrom ist hochgiftig und krebserregend und kann im Gegensatz zu Chrom III leicht in die Haut eindringen. Das kann sowohl für  ProduzentInnen als auch TrägerInnen dieses Leders gesundheitsgefährdend sein und zu Haut- und Atemwegserkrankungen führen.

Im Gegensatz zu den Missständen in der Bekleidungsindustrie, sind die menschenunwürdigen Arbeits- und Produktionsbedingungen in der Leder- und Schuhproduktion  bis dato noch weitgehend unbekannt. Die Kampagne „Change Your Shoes“ wird in den kommenden Jahren dafür eintreten, Missstände aufzudecken und für Veränderungen bei den Unternehmen zu plädieren. „Unser Ziel ist es Verbesserungen der sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen in der Leder- und Schuhindustrie zu erwirken. Dazu gehören unter anderem menschenwürdige Löhne und sichere Arbeitsplätze in Gerbereien und Fabriken“, fasst Königshofer zusammen.

"Viele der gegerbten Leder kommen aus Bangladesh dann nach Indien oder nach China und wir haben gerade im Februar jetzt einen verheerenden Unfall gehabt in Indien in einer Gerberei, wo zehn ArbeiterInnen um gekommen sind. Und zwar,weil die Schutzwand zu einer benachbarten Kläranlage gebrochen ist und die ArbeiterInnen dann in diesem hochgiftigen Schlamm ertrunken sind", schildert Anton Pieper (Südwind).

Das gesamte Interview mit Anton Pieper zum Thema "Verseuchtes Schuhwerk" lesen Sie hier