In Innsbruck hängt seit gestern die Idee eines Gottes ohne Bart am Dom – dank der Künstlerin Katharina Cibulka.

Feminismus, erklärte Poetry-Slammerin und Hebamme Agnes Maier am vergangenen Samstag auf der TEDx in Dornbirn, nervt. Weil Feminismus ständig falsch verstanden wird. Weil es eben nicht darum gehe, Männer klein zu machen und Frauen zu überhöhen, sondern, verdammt nochmal, darum, einander endlich auf Augenhöhe zu begegnen.

Das findet auch Katharina Cibulka. Ihre Augenhöhe misst mehrere Quadratmeter, leuchtet in Pink und schreibt sich „Solange Gott einen Bart hat, bin ich Feminist.“ Am Baugerüst am Innsbrucker Dom enthüllte die Künstlerin gestern Abend ein entsprechend besticktes Staubschutznetz (Hier ansehen »)

Grüß Göttin!

Blasphemie? Kein bisschen. Die Installation ist Teil ihres Projekts „Solange“, das bereits die Wiener Akademie der bildenden Künste zierte, sowie drei Baustellen in Tirol. Mit „typisch weiblicher“ Stickerei und Sätzen wie „Solange ich von Karriere rede und du Familienmanagement meinst, bin ich Feministin“ oder „Solange Gleichberechtigung eine ewige Baustelle ist, bin ich Feministin“ besetzt Cibulka eine typische Männerdomäne – den Bau.

Zu dieser Intervention inspiriert hat sie der Satz einer Künstlerkollegin aus Großbritannien: „Solange irgendwo auf der Welt, eine Frau verbrannt wird, weil sie einen Mann angelächelt hat, solange einer Lehrerin die Hand abgehackt wird, weil sie jungen Mädchen das Schreiben und Lesen beigebracht hat, bin ich Feministin“, habe Tracey Emin 2015 erklärt. Und das Internet legte nach: „Solange Frauen aufgrund von Teilzeitarbeit Altersarmut droht, bin ich Feministin“, postete etwa die 81-jährige Gertrud über den Account ihrer Enkelin auf Instagram. „Solange Papa die Blumen nicht gießt, weil er ‚Sein Wochenende braucht“, ist Mama Feministin“, schrieb Clara aus Innsbruck. Der Instagram-Account solange_theprojekt sammelt diese Beispiele.

Anno 2018

Dass Cibulkas Netze kurz nach den #metoo-Debatten hängen, ist sicher kein Zufall, wovon auch der Spruch „As long as the Art market is a boys‘ club I will be a feminist“ zeugt, der an der Wiener Akademie zu lesen war. Zu groß sind anno 2018 die Machtgefälle zwischen Männern und Frauen an zu vielen Stellen – auch in der katholischen Kirche.

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Quelle: kathpress.at/ Der Standard / red