Vatikansprecher Lombardi gab die Dialogpartner bekannt - Unterredung über offene Lehrfragen bleibt streng vertraulich

Vatikanstadt (KAP) Die theologischen Sachgespräche zwischen dem Vatikan und der "Priesterbruderschaft St. Pius X." beginnen am 26. Oktober am Sitz der Glaubenskongregation in Rom. Das teilte Vatikansprecher P. Federico Lombardi am Donnerstag mit.

Von Seiten des Heiligen Stuhls nehmen der Sekretär der Kommission "Ecclesia Dei", Msgr. Guido Pozzo, und Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, der Sekretär der Glaubenskongregation, sowie drei zuvor nominierte Theologen teil. Die Unterredung, bei der es um offene Lehrfragen gehe, bleibe streng vertraulich. Im Anschluss solle ein Kommunique veröffentlicht werden, erklärte Lombardi.

Bei den drei vom Vatikan nominierten Theologen handelt es sich um den Schweizer Dominikaner und Sekretär der Internationalen Theologen-Kommission P. Charles Morerod, den Generalvikar des Opus Dei, Msgr. Fernando Ocariz Brana, sowie den deutschen Jesuiten und Gregoriana-Professor P. Karl Josef Becker. Alle drei sind Berater der Glaubenskongregation.

Das Generalhaus der "Priesterbruderschaft St. Pius X." gab im Gegenzug in einer offiziellen Stellungnahme am Donnerstag die Namen jener Vertreter bekannt, die den Dialog mit dem Vatikan führen werden. Demnach habe Generaloberer Bischof Bernard Fellay vier Vertreter für die theologischen Gespräche mit der Glaubenskongregation ernannt. Es handelt sich um den Direktor des "Internationalen Seminars St. Pius X." im Schweizer Econe, den Direktor des Seminars "Nuestra Senora Corredentora" in La Reja (Argentinien), Bischof Alfonso de Galarreta, den Prior der Niederlassung Saint-Louis in Nantes (Frankreich), Patrick de la Rocque, sowie um Benoit de Jorna, einen Professor in Econe. Die Sitzungen erforderten die "notwendige Diskretion", heißt es in der Mitteilung weiter, um über die "anstehenden doktrinalen Fragen ungestört diskutieren zu können".

Die Gespräche sollen streng vertraulich bleiben. Selbst der erste Gesprächtermin, der in den Räumen der Glaubenkongregation stattfindet, war bisher geheim. Nach den vielen Emotionen, Missverständnissen und Indiskretionen der vergangen Monate seien die Verantwortlichen beider Seiten an Ruhe interessiert, hört man in Rom.

Versöhnungsgeste löste Eklat aus

Es sollte ein Vertrauensvorschuss für künftige Einigungsgespräche mit den "Pius-Brüdern" sein, als Papst Benedikt XVI. Ende Jänner die Exkommunikation für die vier Traditionalistenbischöfe zurücknahm. Die Versöhnungsgeste löste jedoch einen Eklat aus, als sich herausstellte, dass zu den Absolvierten auch der britische Holocaustleugner Richard Williamson gehörte. Mehrfach und auf vielen Ebenen mussten der Vatikan und der Papst selbst Klarstellungen nachreichen. Auch der Kontakt zum Judentum schien gefährdet, allerdings erwiesen sich Meldungen von einem Dialogabbruch als falsch.

Mehrere Monate dauerte es, bis der Vatikan intern das Gewirr von Pannen, Kommunikationswegen und Kompetenzgerangel durchleuchtet hatte. Im Juli legte der Papst neue Strukturen und eine neue Strategie vor. Die bislang eigenständige Kommission "Ecclesia Dei" unter ihrem nicht immer glücklich agierenden Kardinal-Präsidenten Dario Castrillon Hoyos wurde neu besetzt und direkt an die Glaubenskongregation angegliedert.

Denn im Streit mit den Traditionalisten geht es in erster Linie um Glaubensfragen, um unterschiedliche Auffassungen zu Lehramt, Papsttum und kirchlichen Tradition. Insbesondere geht es um die Bewertung des Zweiten Vatikanischen Konzils und seiner Äußerungen zu Religionsfreiheit, Ökumene und interreligiösem Dialog.

Schwierige Gespräche erwartet

Es dürften schwierige und lange Gespräche werden, ist man im Vatikan überzeugt. Die "Pius-Brüder" sprechen etwa von einem unterschiedlichen Verbindlichkeitsgrad der Konzilsdokumente. Einfache Dekrete könnten nicht die Bedeutung von Konstitutionen beanspruchen, so ihre These. Im Vatikan wendet man sich gegen solche formale Sichtweisen. Auch Dekrete des Konzils, etwa das zu Ökumene oder zur Religionsfreiheit, enthielten durchaus dogmatische Lehraussagen.

Diese schwierigen Fragen zu klären wird Aufgabe der Experten sein. Die Teilnehmer haben Vertraulichkeit vereinbart. Zunächst dürften eher theologische abstrakte Themen abgehandelt werden. Und erst wenn die theologischen Fragen geklärt sind, will man sich Strukturfragen zuwenden - etwa nach dem Grad der Sonderstellung, den die "Pius-Brüder" für den Einigung erhalten könnten.

Ob am Ende jedoch die Kircheneinheit steht, oder ob der seit 20 Jahren bestehende Bruch anhält, ist im Moment völlig offen.