Gedanken zum Tag von Dompfarrer Jodok Müller.

Ich kam mit zehn Jahren ins Internat. Seither hat das Wort "Daheim" für mich einen wunderbaren Klang. Ich weiß natürlich, dass es auch ein schreckliches Daheim gibt, aber bei mir hatte es den Klang von Geborgenheit, gutem Essen, guten Gerüchen, Tieren, Spielen und Blödeln.

"Schau auf dich, bleib zu Hause" ist die Corona-Parole der Bundesregierung. Und da zeigt sich, dass Daheim-sein-müssen auch wieder nicht so toll ist. Wenn man kein geborener Stubenhocker ist, dann ist Zu-Hause-bleiben-müssen ein richtiges Fastenopfer.

Wenn dann noch die Selbstisolierung dazukommt, wenn die Enkel nicht auf Besuch kommen dürfen, dann schauen die Tulpen nicht mehr so schön aus. Heute denke ich besonders an jene, für die es recht schwer werden wird - zu Hause, mit sich allein.

"Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen, er hilft denen auf, die zerknirscht sind", steht im heutigen Antwortpsalm (34,19). Es kann wirklich ein Fastenopfer sein, es daheim auszuhalten, wenn es eng und langweilig wird. Aber, die Leere kann auch zu Gott führen. Und zu mir selbst. So wie Karl Valentin gemeint hat: Jetzt geh ich mich besuchen, hoffentlich bin i daham.


Jodok Müller
Dompfarrer

"Gedanken zum Tag" in Kooperation mit den Vorarlberger Nachrichten und vol.at.