Gedanken zum Tag von Sr. Maria Kriegner, Schwester zur Hl. Klara

Noch vor wenigen Monaten wäre es uns wie Science-Fiction vorgekommen, dass ein Virus unsere ganze Gesellschaft zum Anhalten zwingt. Doch wo Gefahr ist, entsteht auch Neues. Menschen werden kreativ, ein neues Wir-Gefühl entsteht, ein gemeinsames Sorgen. Die Herausforderung liegt im geringen Sozialkontakt. Doch Alleinsein mit sich selbst birgt auch eine große Chance.

Ist es möglich, so daheim zu sein bei sich selber, im eigenen Herzen, dass dieses Herz, unser Innerstes, zur Kontaktstelle wird mit Gott? Ja, das gibt es, sagt uns das heutige Fest! Maria, die Mutter Jesu, war bei sich in ihrem tiefsten Wesen, unabgelenkt daheim, und das machte sie fähig, den Engel, die Stimme Gottes zu hören: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.“ (Lk 1,28)

Vielleicht sagen wir in kirchlichen Kreisen manchmal ein wenig zu schnell, zu vertröstend: Gott ist da, er verlässt dich nicht. Das stimmt zwar, aber wirklich kostbar wird diese Zusage, wenn sie uns zur Erfahrung im eigenen Leben wird. Ich bete um die Erfahrung, dass hinter der Leere, die viele von uns vielleicht derzeit erleben, nicht Leere ohne Ende ist, sondern bergende Gegenwart.

Sr. Maria Kriegner,
Schwester zur Heiligen Klara

 


"Gedanken zum Tag" in Kooperation mit den Vorarlberger Nachrichten und vol.at