Die Bühne des K-Shakes füllte sich am 3. Mai ausnahmsweise nicht nur mit Musik. Es waren Gedanken, Eindrücke, Erfahrungen von jungen Menschen, die der Menschlichkeit einen Platz einräumten. Einen großen, bunten, beeindruckenden Platz.

Wenn SchülerInnen sich wochenlang Gedanken machen zum Thema ‚Menschlichkeit’, dann stoßen sie auf unscheinbare Situationen und decken interessante Zusammenhänge auf. Dass sich Menschlichkeit zum Beispiel im ganz normalen Alltag zeigt, in einfachen Gesten schon oder in kurzen Sätzen, in Hilfsbereitschaft und respektvollem Umgang. Das klingt unspektakulär, entscheidet aber dennoch, wofür Platz gemacht wird: für die Menschlichkeit oder die Unmenschlichkeit.

Wie Unmenschlichkeit aussehen kann und welche Systeme und Mechanismen dahinter stecken, war nicht nur historische Fragestellung, sondern führte die SchülerInnnen auch an Phänomene, mit denen Jugendliche heute konfrontiert sind: Ausgrenzung, Vorurteile, Intoleranz, Mobbing, Rassismus. Wie solchen Phänomenen beizukommen ist, wie Vorurteile abgebaut und Vertrauen aufgebaut werden können – auch auf diese Frage ist den findigen Köpfen eine Antwort gekommen: die direkte Begegnung.

Gleich drei Projekte wählten diesen Weg – zwei davon waren unter den Preisträgern. Der Kontakt mit Flüchtlingen öffnete Grenzen im Kopf, machte betroffen und hinterließ großen Eindruck. „Mich hat beeindruckt, dass Amir trotz seines Schicksals noch soviel Lebensmut hat und optimistisch in die Zukunft schauen kann.“, erzählt eine Schülerin des PG Riedenburg. Amir war am Abend mit dabei und vom Film sehr beeindruckt.

Beeindruckend war auch das kreative Potential, das auf der Bühne zum Vorschein kam. Drei Kurzfilme, Collagen, Gedanken, historische Analysen sowie die Bild-Dokumentation eines Kindernachmittages in einem Flüchtlingshaus – das waren die ‚Verpackungen’ für das Thema ‚Menschlichkeit’, das nie an Aktualität verliert und immer wieder neu überdacht werden muss.

So war es für die beiden Moderatoren Heino Mangeng und Jugendseelsorger Dominik Toplek ein Vergnügen, die jungen Leute auf die Bühne zu holen und zu beglückwünschen. Werner Bundschuh bedankte sich für deren Einsatz und überreichte Urkunde und Preisgeld. Für Diözesanadministrator Benno Elbs war der Ort zwar ungewöhnlich, seine Botschaft passte aber auch hierher: Mut zur Menschlichkeit.

 

Zur Sache

Träger und Organisatoren des Wettbewerbs waren neben der Katholischen Kirche Vorarlberg der Verein 'erinnern.at' und die Discothek 'K-Shake'. Der 3. Mai wurde deshalb für die Präsentation gewählt, weil er dem Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, der am 5. Mai in ganz Österreich begangen wird, sehr nahe ist.

Sieben Klassen aus fünf Schulen reichten insgesamt elf Projekte ein. Aus diesen wurden sieben ausgewählt und mit einem Preis ausgezeichnet. Vier Einreichungen erhielten den Hauptpreis von jeweils 200.- Euro, zwei bekamen einen Anerkennungspreis (100.- Euro) und ein Projekt wurde mit einem Sonderpreis ausgezeichnet, weil es erst am Tag der Preisverleihung stattfand.

Projekte, die mit einem Hauptpreis ausgezeichnet wurden

... dass Menschen wieder Menschen werden

6b PG Riedenburg / Lehrerin Margit Willi

Was heißt Ausgrenzung? Welche Gefühle löst sie aus? Wer wird heute ausgegrenzt? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigten sich die Schülerinnen der 6b des PG Riedenburg. Mit einfachen Mitteln setzen die Drehbuchautorinnen das Thema in ihre direkte Umgebung, was für die Zuschauenden eine Identifikation gut ermöglicht. Das Gespräch mit einem afrikanischen Flüchtling bringt eine weitere Dimension des Themas ins Spiel. Der direkte Kontakt mit einem Betroffenen löst Betroffenheit aus und macht ‚Flucht’ auf sehr direkte Art und Weise fassbar. Mit dem ‚happy end’ gibt der Film ein Hoffnungszeichen und zeigt, dass Lösungen und Menschlichkeit möglich sind.
In gestalterischer Hinsicht weist der Film einen gut überlegten Einsatz verschiedener filmischer Mittel auf. Dadurch wird er kurzweilig, die wesentlichen Dinge werden deutlich und er lässt Zeit zum Nachdenken.

Unbewusst anders

Schülerinnen der 5 HLWB Feldkirch / Lehrerin Julia Ritter

Menschlichkeit zeigt sich in Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Welche Gründe hinter Hilfsbereitschaft bzw. hinter der Verweigerung von Hilfe stecken, mit dieser Frage setzten sich neun Schülerinnen der 5 HLWB Feldkirch auseinander. Dazu starten sie ein Experiment. Sie stellen eine Alltagssituation nach, in der eine Frau alleine nicht zurecht kommt und beobachten, wie Vorbeigehende reagieren. Das 'Experiment' wird filmisch festgehalten. Dabei wollen sie herausfinden, ob das Äußere einer Person sich auf die Hilfsbereitschaft anderer auswirkt. Also ändert die Frau drei Mal ihr Aussehen.
Die Gestaltung des Filmes ist sehr originell. Das Verschriftlichen der Passanten-Aussagen vermittelt das Wesentliche in aller Kürze – was den Film sehr kurzweilig macht und die Zusehenden aktiv hält. Die Musik verleiht dem Film eine Leichtigkeit, die es den Zusehenden einfach macht, sich auf das Thema einzulassen. Durch die Wahl der Alltagsszene kann sich der Betrachtende gut in die Situation hinein versetzen und findet sich gleich wieder. Das regt dazu an, das eigene Verhalten zu überdenken.

Kindernachmittag Maria Rast

Schülerinnen der 3 HLWA Feldkirch / Lehrerin Christine Vonbrül

Für die Auseinandersetzung mit dem Thema 'Menschlichkeit' wählten die 20 Schülerinnen der 3 HLWB Feldkirch eine Sozialaktion. Sie gestalteten einen Faschingsnachmittag im Flüchtlingshaus Maria Rast in Schruns. Der direkte Kontakt zu Flüchtlingen ist wohl die wirksamste Art und Weise, um Vorurteile zu hinterfragen und sich ein eigenes Bild zu machen. Die Schülerinnen haben für den Nachmittag ein Programm ausgewählt, das ein In-Kontakt-Treten leicht macht: spielen, basteln, kochen, essen, Musik – das sind Dinge, die sogar ohne gemeinsame Sprache möglich sind.

Graubuch

Religionsgruppe 7ArB des BG Dornbirn / Lehrerin Karin Bitschnau

Im Projekt ‚Graubuch’ haben sich SchülerInnen mit 'grauen' Epochen der Kirchengeschichte auseinander gesetzt. Das sind solche Zeiten, die lieber verschwiegen oder verhüllt werden. Den Focus bildeten dabei die Fragen: Was gefährdet bzw. fördert Menschlichkeit? Die Thesen, die die SchülerInnen dabei aufgestellt haben zeigen, dass sie sich intensiv und selbständig mit der jeweiligen Epoche beschäftigt haben. Wie schon der Titel „Graubuch“ vermuten lässt, haben die SchülerInnen gelernt, historische Ereignisse differenziert wahrzunehmen und nicht auf ‚schwarz’ und ‚weiß’ zu reduzieren.

 

Projekte, die mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet wurden

human right

FW Dornbirn – LehrerIn: Sigrid Einwaller und Fabian Jochum

Das Projekt der FW Dornbirn ist fächerübergreifend (Religion und Bildnerisches Gestalten). Die Arbeiten der SchülerInnen zeigen eine sehr individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema ‚Mensch-Sein, Menschenwürde, Menschenrechte’. Die Werke verweisen mit Bild- und Textausschnitten aus Zeitschriften auf die Alltagswelt, auf die gegenwärtige Gesellschaft mit all ihren Fragen.

 

Land der Menschlichkeit

Religionsgruppe der 6ArBC Bundesgymnasium Dornbirn – Lehrerin: Karin Bitschnau

In Kleingruppen hat sich die Religionsgruppe dem Thema ‚Menschlichkeit’ genähert. Dabei sind unterschiedliche Lebensbereiche betrachtet worden (Schule, Familie, Gesellschaft). Neben einer Analyse ihres Umfeldes entwerfen die SchülerInnen eine Alternative – das Land der Menschlichkeit. Im Kurzfilm ‚Schule des Respekts’ zeigen sie anhand klassischer Schulszenen, wie respektvoller Umgang aussehen kann. Dabei wird klar, dass dieser sich schon in kleinen Gesten zeigt. Bei der Darstellung des Ergebnisses wird deutlich, wie eigenständig und kreativ sich die SchülerInnen eingebracht haben.

 

Aufgrund der späteren Durchführung hat ein Projekt einen Sonderpreis erhalten

Auf den Spuren des Gedenkens der NS-Euthanasie im Bregenzerwald

4b, Mittelschule Au – Lehrer: Andreas Hammerer, Thomas Rüscher

Im Unterricht hat sich die Klasse mit den Morden des NS_Regimes an psychisch und physisch beeinträchtigten Menschen auseinander gesetzt. Anlässlich des Gedenktages am 5. Mai wurden die acht Gedenkstätten im Bregenzerwald besichtigt. Dokumentiert werden die Erfahrungen in Form eines Folders, der in Zukunft auch anderen Jugendlichen zur Verfügung stehen wird. Ausgezeichnet wurde das Projekt, weil es sich auf sehr direkte Art der Vergangenheit stellt.