Kein Monat mehr bis Heiligabend. Wenn Sie auf diesem Satz mit einem reflexhaften „Hilfe, ich habe noch keine Geschenke!“ reagieren, sagen wir: Gut so!

Irgendwann im Leben eines Menschen in der westlichen Hemisphäre kommt der Moment, an dem kein Leugnen mehr hilft, kein fest zugekniffenes Auge, keine Schönfärberei. Wenn sich die Zeit in der gegenwärtigen Behausung dem Ende entgegenneigt und man sich bei der Zahl der benötigten Umzugskartons um lockere 300 Prozent verschätzt hat, meldet sich dieses feine, leise Stimmchen, das wissen will, wie es A) so weit hat kommen können – wie man vergessen konnte, WAS alles im Keller lagert, in den Schubladen, auf den Schränken – und B) was zum Henker man mit dem ganzen Krempel soll.

Von Stehrümchen und andere Staubfänger

20 Prozent unseres Besitzes nutzen wir WohlständlerInnen regelmäßig, 80 Prozent so gut wie nie (Pareto-Prinzip). Das ist so lange kein Problem, wie wir uns nicht darum kümmern müssen. So lange das Zeug einen Platz hat, wo es warm und trocken vor sich hinexistieren kann, verschwenden wir keinen Gedanken daran, ob und wenn ja: welchen Zweck es erfüllt. Wenn wir aber jedes einzelne von diesen Stehrümchen – Bücher, die niemand je gelesen hat, Skihosen, die keinem mehr passen, Dinge, die man „Für den Fall“ aufgehoben hat, auch, wenn dieser Fall seit Jahren nicht kommt – einzeln in die Hand nehmen müssen, um zu entscheiden, was zukünftig mit ihnen passieren soll, dann offenbart dieser Besitz seine hässliche Kehrseite: Jedes Teil, das man mal „im Vorbeigehen“ einzeln mitgenommen hat, muss man jetzt nämlich genauso einzeln wieder loswerden – auf einmal. Und das kostet ganz viel Zeit und Kraft.

Gut gemeint ist die kleine Schwester von…

Unter diesen Dingen sind – jede Wette – auch ganz viele gut gemeinte (Weihnachts-)Geschenke. Weil – Wirtschaftswunder sei Dank – der schöne Brauch, es wie die heiligen drei Könige zu halten und seine Liebsten zu Jesu Geburt mit den heutigen Stellvertretern von Gold, Weihrauch und Myrrhe zu überhäufen, irgendwann ein bisschen aus dem Ruder gelaufen ist. Oder wie es Petra Steinmair-Pösel, Leiterin des Instituts für religionspädagogische Bildung der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Edith Stein in Feldkirch, als „Dogma unserer Zeit“ formuliert: Consumo ergo sum – ich konsumiere, also bin ich.

Dabei sind die wahren Schätze heute andere: Um die Ressourcen Aufmerksamkeit und Zeit buhlen nicht nur Google, Amazon, Facebook und Apple („GAFA“) – sie gehören auch zu den schönsten Geschenken, die man anderen machen kann – gerade denen, die einem wichtig sind.

Fair schenken

Statt also Jahr für Jahr dafür zu sorgen, dass der nächste Umzug (und er kommt bestimmt!) eine noch größere Herausforderung wird, könnten wir uns, unseren Liebsten und allen anderen etwas viel Besseres tun:

Für 25 Euro könnten Sie zum Beispiel…

… einer sechsköpfigen Familie in Ostafrika ein einwöchiges Weihnachtsessen schenken (und sie nebenbei wenigstens so lange vor dem sicheren Hungertod bewahren).

… jemanden zu Kabarett, Konzert oder Lesung einladen und Waisenkindern in Äthiopien eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

… überhaupt in die Zukunft investieren und einem Kind eine gefüllte Schultasche schenken. Auch hierzulande gibt es schließlich viele, für die Bildung DER Ausweg aus der Armut sein könnte.

Was wünscht Du Dir wirklich?

Fragen Sie, was die/der Beschenkte wirklich wünscht und braucht. Ist es wirklich die neue Handtasche – oder würde ein gemeinsamer Nachmittag bei gutem Kaffee und einem schönen Spaziergang das Bedürfnis nicht genauso (oder viel besser) stillen? Auch mit Kindern kann man behutsam darüber sprechen, dass es an Weihnachten nicht nur um die Erfüllung ausufernder Wunschzettel geht (auch, wenn die leuchtenden Augen, wenn es tatsächlich das eine, sehnlich gewünschte neue Spielzeug gibt, durch nichts zu ersetzen sind), sondern dass man mit einem Teil des vorgesehenen Budgets in andere Herzenswünsche investieren kann – Friedensprojekte, Umweltschutz, Tierschutz.

Und wenn es doch etwas „Handfestes“ sein soll: Es gibt gute Bezugsquellen, bei denen man „im Vorbeigehen“ noch eine gute Sache unterstützt, wie…

… im Online-Shop der Caritas,
… im örtlichen Weltladen oder Weltladen Online-Shop
… mit dem Faitrade-Einkaufsführer
... mit den Tipps der Initiative Spielsachen Fair machen
… auf Weihnachtsmärkten von Pfarren, Vereinen und Werkstätten,
... mit offenen Augen im lokalen Einzelhandel.