Glück – ja, was ist das eigentlich? Diese Frage beschäftigt dieser Tage Kinder und Jugendliche im ganzen Land. „Schuld“ daran sind 3.000 weiße Pappboxen und eine wunderbare Idee...

„Was bedeutet Glück denn für Euch?“, fragt Religionslehrerin Gaby von der Thannen, und die Arme der Klasse 1b der Neuen Mittelschule Levis schnellen in die Luft: „Familie und Freunde!“, ruft Larissa, „wenn mir jemand ein Lächeln schenkt“, meint Hugo, „als ich mit Annika zusammengekommen bin“, sagt Rafael, und seine Kollegen johlen.

Das sind erstaunlich direkte, erstaunlich tiefgründige Antworten auf eine Frage, die unter Erwachsenen als eher schwer zu greifen gilt. Glück – ja, was ist das eigentlich? Später lässt von der Thannen via YouTube die Titelmelodie zum Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ laufen, der sich vor sagenhaften 17 Jahren mit diesem merkwürdig wabbeligen Begriff beschäftigt hat. Damals, als Multimedia-Schultafeln noch keine Rolle spielten und YouTube schon gar nicht.

Glücksmomente zu verschenken

Wabbelig ist an diesem Vormittag im März eher der „Slime“, der auffällig unauffällig durch die Hände der Jugendlichen rinnt – wenn sie nicht gerade große, weiße Pappboxen mit Stiften und Kleber traktieren. Sie verschönern so genannte „Glücksbüxen“, die gestaltet und mit Erfreulichem befüllt, im Frühsommer die Besitzer wechseln sollen – zum Beispiel von diesen ausgelassen-fröhlichen Kids in Levis hin zu AltersgenossInnen im Ländle, denen es nicht ganz so gut geht. Weil das Geld zuhause vielleicht gerade so fürs Nötigste reicht. Weil sich Mama und Papa aus bestimmten Gründen nicht um sie kümmern können. Weil jemand wirklich richtig krank ist.

Die Sozialaktion „Glücksbüx“ ist ein Projekt im Jubiläumsjahr der Diözese Feldkirch, die heuer 50-jähriges Bestehen feiert – von und für und mit alle(n). 3.000 Boxen werden dafür insgesamt verteilt, gestaltet und gefüllt – von Schulklassen, Jugendgruppen oder Familien.

Von Schminke bis Slime

„Schminke und Süßigkeiten kommen auf jeden Fall rein“, meint die elfjährige Michaela, die ihre „Büx“ mit einem verschlungenen Muster bemalt. Johannes setzt auf Kuscheltiere, Buntstifte und – Slime. Den Slime seines Kameraden Amka nimmt von der Thannen lieber vorläufig an sich, damit sich alle voll auf ihre aktuelle Aufgabe konzentrieren können. Und tatsächlich, allmählich kehrt Ruhe ein, derweil die blanken Oberflächen der Schachteln unter Farben und guten Wünschen verschwinden.

„Meinen Sie, dass ‚segne dich‘ hier noch hinter ‚Gott‘ passt?“, fragt Hugo seine Lehrerin. „Ich würde es eher in zwei Zeilen schreiben“, meint von der Thannen und lächelt. So viel Frömmigkeit hätte sie von den Jungen und Mädchen gar nicht erwartet. Aber offenbar hat der morgendliche Schulgottesdienst zum Thema „Glück“ seine Spuren hinterlassen.

Wir sehen uns beim Fest am See!

Als das Ende der Stunde naht und von der Thannen zum Einpacken ruft, ist es mit der Besinnlichkeit vorbei. „Ihr nehmt die Boxen mit nach Hause nehmen und bemalt sie da zu Ende, ja?“ gibt sie ihren SchülerInnen noch mit. „Und denkt dran: Abgegeben werden sie am 26. Mai beim Fest am See in Bregenz.“ Die bunten Flyer mit allen Infos verschwinden schnell in den Kartons, bevor die Klasse in die Pause stürmt. Eine Glückliche, vermutlich.

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