Wenn sich irgendwo in Vorarlberg ein schrecklicher Unfall ereignet oder jemand völlig überraschend aus dem Leben gerissen wird, sind sie zur Stelle: die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams, kurz KIT. Durch ihr rasches Einschreiten nach einem traumatischen Erlebnis versuchen sie, die psychischen Belastungen der Hinterbliebenen bestmöglich zu reduzieren und etwaige Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Der älteste der insgesamt 95 auf das ganze Land verteilten ehrenamtlichen Helfer ist der 77-jährige Adolf Pircher aus Egg. Der Bregenzerwälder kann inzwischen auf ein 16-jähriges Engagement beim KIT verweisen. In dieser Zeit hat der engagierte Helfer bereits weit über 100 Einsätze absolviert und dabei Menschen in akuten Krisensituationen begleitet bzw. unterstützt.

Fordernde Ausbildung

Sein freiwilliges Engagement geht auf einen beruflichen Kontakt zurück. „Kurz vor meiner Pensionierung traf ich mit einem ehrenamtlichen KIT-Mitarbeiter zusammen. Er hat mich dazu motiviert, mich zu bewerben“, erzählt Pircher. Bereits als junger Erwachsener war der Egger 15 Jahre lang beim Roten Kreuz ehrenamtlich aktiv gewesen. Eine Erfahrung, die er noch in guter Erinnerung hatte. „Die KIT-Ausbildung erstreckte sich über mehrere Monate und war sehr fordernd“, erinnert er sich zurück. Dennoch sah sich der Egger dieser herausfordernden Tätigkeit gewachsen.

Inzwischen konnte sich Adolf Pircher bei unzähligen Einsätzen bewähren. „Wir sehen uns immer wieder mit einer anderen Situation konfrontiert. Alles ist möglich und nichts planbar. Man muss immer sehr flexibel sein“, weiß der Bregenzerwälder aus seiner langjährigen Erfahrung zu berichten. Mit „wir“ meint Pircher sich und den/die jeweilige/n TeamkollegenIn, denn die KIT-MitarbeiterInnen sind immer zu zweit im Dienst.

Sensibel und Einfühlsam

Viermal im Monat steht Pircher – vorwiegend für einen Tagdienst – auf Abruf bereit. Wenn der Pager tatsächlich abgeht, muss alles ganz schnell gehen. „Wir rufen uns zusammen und vereinbaren einen Treffpunkt. Da heißt es dann schnell zu entscheiden“, beschreibt er die Vorgangsweise. Am Einsatzort angelangt, verschaffen sich die KIT-MitarbeiterInnen einen Überblick und informieren sich bei der Polizei oder der Rettung darüber, was passiert ist. Dann beginnt die eigentliche Arbeit. „Dabei heißt es sensibel vorzugehen, die Bedürfnisse der Betroffenen zu erspüren, die Emotionen auszuhalten und mit den Menschen in ein Gespräch zu kommen“, führt Pircher aus. Die regelmäßige Fort- und Weiterbildung sei diesbezüglich sehr hilfreich.

Wenngleich die Einsätze mehr oder weniger fordernd sind, so schätzt Pircher auch die verpflichtende Supervision sehr, denn diese sei wichtig, um das Erlebte auch selbst verarbeiten zu können. „Der Austausch in der Gruppe ist besonders wertvoll, da man durch Berichte von anderen Einsätzen mehr Erfahrung bekommt“, sagt er.

Schätzen, was man hat

Das Gefühl, jemandem helfen zu können, erfüllt Adolf Pircher mit großer Freude. „Dankbarkeit darf man sich nicht erwarten, aber es ist schön, wenn man sich zurückerinnert, wie man jemandem helfen konnte. Zudem schätzt man nach einem Einsatz noch mehr, was man hat. Bei den Fort- und Weiterbildungen nimmt man zudem auch immer etwas für das Privatleben mit“, sagt er.

Bei all der Hilfestellung sei es aber auch von großer Bedeutung, nicht auf sich selbst zu vergessen, merkt Pircher an. Die Kraft und Energie für seine Einsätze holt sich der Pensionist im Kreise seiner Familie. „Der Donnerstag ist seit langem der Paartag von meiner Frau und mir. An diesem Tag wird nichts angenommen. Der Tag ist uns beiden heilig, und wir verbringen ihn mit gemeinsamen Unternehmungen“, so Pircher abschließend.