Auch Österreich wird von den Auswirkungen des Milliardenprojekts "Belo Monte" betroffen werden, ist sich Bischof Erwin Kräutler sicher. Man wisse, dass Amazonien eine Klima regulierende Funktion habe und dass es sich auf die ganze Welt auswirken wird, wenn dies zerstört wird.

Bischof Elmar Kräutler malt ein düsteres Bild von der Zukunft - nicht nur für Brasilien und seine indigenen Einwohner, sondern für die gesamte Welt. "Österreich ist keine Insel der Seligen" schließt er auch sein ehemaliges Heimatland in die Prognose ein. Wenn Amazonien zerstört werde, so habe das gravierende Folgen für das Weltklima, so Kräutler weiter.

Ein Kraftwerk, das nicht gebraucht wird?
Den Indios hätte man gesagt, Brasilien würde die Energie des Kraftwerks, das in Folge des Bauprojekts entsteht, brauchen. Sonst stünde ein Blackout bevor. In Wahrheit benötige man das Kraftwerk jedoch nur für die Aluminiumerzeugung. "Weiters ist es eine glatte Lüge, dass nur ein Staudamm gebaut wird", klärt der Bischof auf. Erbost zeigt er sich v.a. über die Gleichgültigkeit der europäischen Konzerne, die das Projekt übernommen haben. Natürlich würden mit diesem Auftrag neue Arbeitsplätze geschaffen, aber zu welchem Preis, äußert Kräutler Kritik am österreichischen Unternehmen Andritz: "Das ist doch menschenverachtend."

Dreckiges Geld
"Belo Monte" vertreibe nicht nur 30.000 Menschen von ihrem Zuhause, das Bauvorhaben entziehe den Einheimischen auch ihre traditionellen Wirtschaftsgrundlagen und erschwere den Zugang zu Versorgungszentren. „Daraus Profit zu schlagen ist unmoralisch“, so die NGOs, unter denen auch die österreichische „Dreikönigsaktion“ (DKA) ist. Natürlich verdienen die Unternehmen damit Geld, meint Kräutler, "aber dieses Geld ist dreckig. Das ist kein sauberes Geld. Damit werden Menschen, Kinder, Frauen, Männer, alte Leute, in Mitleidenschaft gezogen." Für die Firmen seien sie vielleicht nur eine statistische Größe, aber für Kräutler hätten sie ein Gesicht: "Und wenn ich sie sehe, dann denke ich immer: Was wird aus euch werden?"

Saubere und grüne Energie
Im Rahmen des Projekts „Belo Monte“ soll der Amazonas-Nebenfluss Xingu zu zwei Stauseen aufgestaut werden, die etwa der Größe des Bodensees entsprechen. „Von sauberer und grüner Energie kann in diesem Zusammenhang nicht mehr gesprochen werden. Die Konsequenzen für Mensch und Mitwelt sind hierbei einfach zu hoch." so Kräutler.

Die Fußballschuhe hängen noch nicht am Nagel
Mit seiner Einstellung und seinem kompromisslosen Engagement hat sich Kräutler bereits viele und mächtige Feinde gemacht. Natürlich sei er schon bedroht worden, aber "wir kämpfen weiter, wir haben, wir man in Brasilien sagt, die Fußballschuhe noch nicht an den Nagel gehängt", zeigt sich der Bischof kämpferisch.

Wer den "Thema"-Bericht "Amazonien darf nicht untergehen" auf ORF2 am 16.05.2011 versäumt hat, kann dies in der TVThek des ORF nachholen. Benutzen Sie dafür bitte den Link rechts unter "Links und Dateien".