Das mit dem Klima, das mit dem Bewusstseinswandel – das schaffen wir eh nicht mehr? Vielleicht doch: Wenn sich mehr Allianzen finden wie die des Vereins "Konsumentensolidarität – jetzt" und der HTL Dornbirn.

Zeig mir deine Bildung und ich sag dir, wer du bist? Wenn das für die ganze Gesellschaft gilt, darf man Hoffnung schöpfen – zumindest einen Abend lang, zumindest in Dornbirn: An der dortigen HTL fand Mittwoch das 21. Forum Konsumentensolidarität statt, initiiert vom Verein „Konsumentensolidarität – jetzt“. Das Thema „Textilien und Kleidung ökologisch und fair“ sei der Schule auf den Leib geschneidert, findet deren Leiter Michael Grünwald – die Textilausbildung habe am Standort schließlich eine lange Tradition. Genau wie das Thema Nachhaltigkeit, wie Annemarie Prirsch, Abteilungsleiterin des Zweiges Mode, betont. Die Zusammenstellung des „Theorieteils“ des Abends sei darum ein Leichtes gewesen, denn viele Projekt- und Diplomarbeiten der Schülerinnen und Schüler drehen sich genau darum: Wie kann man textile Produktionsrückstände umweltschonend zu neuen Materialien wie Spitze verarbeiten? Wie schadstoffbelastet ist ein T-Shirt vom Discounter? Oder auch: Welche Polymere stecken in Etiketten auf PET-Flaschen – und beeinträchtigen u. U. deren Recycling?

Vorsprung durch Wissen

Die Schülerinnen und Schüler wissen sehr gut, wovon sie sprechen. So gut, dass man sich selbst – obwohl prinzipiell affin – an mancher Stelle ihrer Präsentationen sehr konzentrieren muss, um den Faden nicht zu verlieren: Phtaleine, Perfluoroctansäure… und wozu dient gleich noch Formaldehyd?

Wobei: Vielleicht braucht es diese Details gar nicht. Vielleicht ist es viel interessanter und wichtiger zu wissen, dass hier eine Generation von Absolvent/innen heranwächst, die Begriffe wie „nachhaltige Produktionsverfahren“, „Recyclingfähigkeit“ und den Wert „echter“ Qualität nicht vom Hörensagen kennt, sondern sich im Verlauf ihrer Ausbildung immer wieder konkret damit auseinandersetzt. „Es macht einen Unterschied, ob ich ein selbst entworfenes und geschneidertes Stück im Kasten habe oder die x-te Fast-Fashion-Hose“, weiß Prirsch. „Das Selbstgemachte hat einen ganz anderen Stellenwert.“

Wir sind wirksam!

Beziehungsweise bekommt der eigenen Hände Arbeit eine ganz neue Bedeutung, wenn ein Unternehmen wie Alpla die Ergebnisse der PET-Etiketten-Analyse hernimmt (8 Prozent sind schwer bis gar nicht recyclebar), um ein ernstes Wörtchen mit seinen Lieferanten zu reden. Zu erfahren, welche Wirkung das eigene Handeln entfalten kann – Gold wert. Denn es ist eben nicht egal, ob ich mein Wasser aus der Einwegflasche trinke oder aus dem wiederbefüllbaren Pendant aus Edelstahl. Es ist nicht wurscht, ob ich das Rad nehme oder das Mofa. Mein Verhalten und meine (Konsum-)Entscheidungen haben Einfluss – in Zeiten der Klimakrise umso mehr.

Und am Ende entwickeln sich so vielleicht Biografien wie die der Aussteller/innen, die das HTL-Foyer mit ihren Ständen bestückt haben: Vorarlberger Unternehmer/innen aus dem Bereich Textil präsentieren dort ihre Produktportfolios – von „grünen“ Schuhen der Marke Waldviertler, wie sie GEA in Rankweil verkauft, über die Wolle von Tanja Mosers Mohair- und Kaschmirziegen am Bürserberg bis hin zum Angebot des Bettenhauses Lebarte. Zuvor sprachen sie über ihre Motivation: Zu ihrem Geschäft „Kleidergrün“ sei sie gekommen, erzählt die gelernte Schneiderin Franziska Wolf, als sie den Widerspruch zwischen T-Shirts zu 1,99 Euro im Modediscounter und dem Wissen um die tatsächliche Arbeit, die drinsteckt, nicht mehr ertragen habe. Das Angebot ihres Biokaufhauses „Himmelsschlüssel“ aus Hohenweiler speise sich aus den Erfahrungen, die sie und ihr Mann seit der Neurodermitiserkrankung ihres Sohnes gesammelt hätten, berichtet Helgard Dilsky. Und überhaupt sollten sie sich von der Industrie „ned ins Hirn schießa lo“, findet Isolde Adamek, als sie einer Traube interessierter Schüler/innen zeigt, wie man Babys haut- und umweltfreundlich mit Stoffwindeln wickelt. Für einen Bruchteil der Kosten und des Müllvolumens, das herkömmliche Plastikwindeln bedeuten.

Und wenn man sich all das so ansieht und anhört, kann einem ganz leicht werden ums Herz. Denn das – das ist unsere Zukunft. Könnte es sein. Bitte.