Mehr als fünf Jahrzehnte ist Erwin Kräutler bereits in Amazonien. Und genau vor 40 Jahren feierte er seine Bischofsweihe. Wir gratulieren!

Man kennt ihn. Auch, oder viele vielleicht gerade weil der gebürtige Vorarlberger seit mehr als fünf Jahrzehnten fernab der "alten" Heimat tätig ist. Am 25. Jänner 1981 wurde Erwin Kräutler von Erzbischof Carmine Rocco, Apostolischer Nuntius in Brasilien zum Bischof ernannt. Von 1981 bis 2015 war der Ordensmann der Missionare vom Kostbaren Blut - als direkter Nachfolger seines Onkels Erich Kräutler - Bischof von Altamira-Xingu, der mit 350.000 Quadratkilometern damals flächenmäßig größten Diözese Brasiliens.

Zahlreiche Auszeichnungen

Kräutler, der sich jahrelang an vorderster Front gegen den Bau des Amazonas-Kraftwerks Belo Monte einsetzte, ist bis heute auch ein international ein gefragter Experte für Menschenrechte, Umweltschutz und Indio-Rechte. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2010 den Alternativen Nobelpreis. Nach wie vor amtiert der emeritierte Bischof als Brasilien-Präsident des kirchlichen Amazonas-Netzwerks Repam. Dem brasilianischen Staatspräsidenten Jair Bolsonaro warf Kräutler in den vergangenen Jahren mehrfach eine "anti-indigene Einstellung" vor und kritisierte scharf dessen Eintreten für eine Öffnung von Umweltschutzgebieten sowie indigenen Reservaten für die wirtschaftliche Nutzung durch multinationale Konzerne.

Seit 1965 in Brasilien

Der am 12. Juli 1939 in Koblach in Vorarlberg geborenen Kräutler ging schon kurz nach seiner Priesterweihe 1965 nach Brasilien. Ende 1980 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Koadjutorbischof der damals von Kräutlers Onkel Erich geleiteten Prälatur Xingu im Bundesstaat Para. Am 25. Jänner 1981 wurde Erwin Kräutler zum Bischof geweiht, im September desselben Jahres übernahm er die Leitung der Prälatur.

Die Eucharistiefeier als "Kern unseres Glaubens"

Innerkirchlich steht der brasilianisch-österreichische Bischof seit vielen Jahren auch für Änderungen bei den Zulassungsbestimmungen zum Priesteramt. "Ich werde den Zölibat immer verteidigen und hochhalten. Er ist eine Gnade", sagte er vor einiger Zeit in einem Interview mit Kathpress. Das "Problem", so Kräutler, sei aber die Verbindung der Eucharistiefeier mit dem Zölibat des Priesters. Dass wegen des Priestermangels ein großer Teil der abgelegenen Amazonas-Gemeinden nur ein paar Mal im Jahr Eucharistie feiern können, ist aus Sicht des emeritierten Bischofs ein "unerträglicher Zustand", sei die Eucharistiefeier doch "Kern unseres Glaubens".

Kräutler sieht die Lösung in neuen Zugängen zum Priestertum für verheiratete Männer und Frauen. Eine Position, die der Bischof auch als Mitglied der Amazonien-Synode im Oktober 2019 vertrat, an deren Vorbereitung er wesentlich mitgewirkt hatte. (red/kathpress)