
Am Freitag, den 27. Februar 2026, wurde das Pfarrzentrum Hl. Kreuz „ZEMMA“ in Bludenz zum Schauplatz eines tiefgehenden Austauschs über ein Thema, das jede und jeden betrifft: Schuld, Verantwortung und die Möglichkeit des Neuanfangs.
Rund 90 Jugendliche und junge Erwachsene nahmen am 44. Hot-Spot-Talk der Berufungspastoral teil und diskutierten mit Bischof Dr. Benno Elbs und Richter Martin Mitteregger über die Frage, was es wirklich heißt zu vergeben.
In seiner Einführung betonte Richter Mitteregger den Unterschied zwischen Tat und Täter: „Ich verurteile die Tat, nicht den Menschen.“ Gerade im juristischen Bereich sei es wichtig, Reue zuzulassen – ein Geständnis könne mildernd wirken und sei oft der erste Schritt zur Vergebung.
Bischof Elbs lenkte den Blick auf die persönliche und spirituelle Dimension von Schuld. Schuld, so sagte er, habe immer mit Beziehungen zu tun: „Wenn Menschen nicht gut miteinander umgehen, empfinde ich das als Gotteslästerung.“ Vergebung sei nicht nur Befreiung für den Schuldigen, sondern auch Entlastung für das Opfer.
Auch die Jugendlichen beteiligten sich aktiv und nachdenklich an der Diskussion. Für Jannik Schwarzmann (16) aus Braz, der im Rahmen der Firmvorbereitung teilnahm, „wurden die Erwartungen übertroffen. Besonders interessant war es, die verschiedenen Perspektiven zu sehen und dass unsere Fragen beantwortet wurden.“
Sebastian Noch (16) aus Dalaas nahm vieles mit Blick auf seine bevorstehende Firmung mit: „Mir hat gefallen, dass der Bischof gesagt hat, man soll auch sich selbst vergeben – und dass Gott immer für einen da ist.“
Valentin Mutter (16) aus Bludenz berichtete von einer Gruppenaufgabe während des Abends: „Wir haben überlegt, in welchen Situationen man anderen verzeihen kann und wann es schwerfällt. Ich glaube, ich hätte allen verzeihen können – manchen früher, manchen später.“
Und Melina Strasser (16) aus Bludenz meinte: „Ich finde es cool, dass wir die Sicht vom Bischof gehört haben. Das hat neue Perspektiven geöffnet. Spannend fand ich auch, dass der Richter gesagt hat, er unterscheidet zwischen der Tat und dem Menschen – weil man ja manchmal ohne Absicht in Schuld geraten kann.“
In der abschließenden Gesprächsrunde wurde deutlich: Schuld gehört zum Menschsein – entscheidend ist, wie man damit umgeht. „Schuldgefühle sind wertvoll“, sagte der Bischof, „denn sie zeigen Grenzen auf und eröffnen den Weg zur Versöhnung.“ Auch der Richter betonte die befreiende Wirkung der Beichte: Niemand sei perfekt, aber jeder könne einen neuen Anfang wagen.
Nach dem Talk nutzten viele Besucherinnen und Besucher bei Snacks und Getränken die Gelegenheit, das Gespräch in entspannter Atmosphäre fortzusetzen – ganz im Sinne des Hot-Spot-Talks: offen, ehrlich und auf Augenhöhe.