Leuchturm-ronny m.jpgOftmals haben in der Esoterikszene Geldmacherei, Firlefanz und Hokuspokus die Oberhand, das lässt sich nicht bestreiten. Aber eine qualifizierte Wahrnehmung wird immer nur über die Prüfung eines konkreten Angebotes möglich sein. Und da zeigt der Kontakt mit so manchen Esoterik-Anbieter/innen im Land, dass nicht Profit und Kommerz, sondern durchaus der Mensch und seine Anliegen im Mittelpunkt stehen.

Klar ist, dass für die Kirche die Auseinandersetzung mit der esoterischen Religiosität unabdingbar ist. Zum christlichen Gottes- und Menschenbild gibt es fundamentale Unterschiede. Die müssen benannt werden, will man der Wahrheitsfrage nicht einfach ausweichen. Aber sonst muss sie es mit dem Heiligen Paulus halten, wenn er seinen Glaubensgeschwistern schreibt: „Löscht den Geist nicht aus! Prüft alles, und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5, 19.21) . In dieser Logik muss man dann in den diversen esoterischen Angeboten nicht gerade ein „Einfallstor“ für das Böse in dieser Welt sehen. Vielleicht gibt es auch etwas zu entdecken?

Vieles macht Menschen heute Angst. Es ist nicht leicht in einer modernen Gesellschaft, die Konsum und Leistung über alles stellt, Sinn und Orientierung zu finden. Nicht zuletzt ist esoterische Religiosität Ausdruck dieser Sehnsucht der Menschen. Die christliche Antwort darauf muss das Bemühen sein, diese Sehnsucht mit Jesus von Nazareth, mit seiner Hoffnung und seiner Vision von gelingendem Leben in Berührung zu bringen. Mit den Worten des Konzils: „Das künftige Schicksal der Menschheit ruht in den Händen derer, die den kommenden Generationen Triebkräfte des Lebens und der Hoffnung vermitteln können“. (GS 31) Das ist der Auftrag der Christinnen und Christen in unserer multireligiösen Gesellschaft.

Dr. Eva-Maria Schmolly-Melk

 

(Bildquelle: ronny m/stock.xchng)