Der Friedensweg 2012 am Bodensee demonstrierte gewaltfrei und demokratisch für die Vision einer Welt ohne Waffen(Handel), insbesondere aber für eine "rüstungsfreie Zone Bodensee". Mehr als 300 Leute aus den Bodensee-Anrainer-Staaten bestärken die Forderungen des Friedensweges und der Redner/innen: "Steigen Sie aus, aus dem tödlichen Geschäft mit dem Tod" forderte der Aachener Friedenspreisträger Jürgen Grässlin vom Motorenhersteller MTU in Friedrichshafen. "Eine zutiefst beschämende Geschäftspolitik" konstatierte der Alt-Nationalrat und GSoA-Vorstand Josef Lang am Arboner Seeufer, weil der Kanonenrohrveredler STI Hartchrome den Demonstranten den Aufenthalt vor den Firmentoren untersagte. Ein Bericht von Walter Buder und Wolfgang Frey.

An die 300 Friedensakivisten aus der Ostschweiz, Vorarlberg und Süddeutschland haben am Ostermontag vor den Werkstoren des Kanonenrohrveredlers STI Hartchrome in Steinach/CH und dem Motorenherstellers MTU in Friedrichshafen für eine "rüstungsfreie Zone Bodensee" demonstriert. Der Friedensweg 2012 war von einer "Spurgruppe" um den Rorschacher Arne Engeli organisiert worden. Vom österreichischen Bodenseeufer hatte Pax Christi Vorarlberg daran teilgenommen. Die Veranstalter zeigten sich mit der Teilnahme insgesamt sehr zufrieden. Der Friedensweg am Bodensee hatte mehr Teilnehmer/innen als jener in der schweizerischen Hauptstadt Bern. Eine kleine Handvoll Vorarlberger/innen waren nach Arbon gekommen wie Pete Hämmerle (Geschäftsführer des österreichischen Zweiges des Int. Versöhnungbundes) oder Josef Windischer, Generalsekretär von Pax Christi Österreich. 

Zum Auftakt des Ostermarsches von der Galluskapelle in Arbon erinnerte der reformierte Pfarrer Walter Frei an die Person und Bedeutung des Hl. Gallus unter den Stichworten der Zivilcourage und der gesellschaftlichen Verantwortung des Einzelnen aber auch an das aktuelle Jubiläums- Gallus-Jahr der Diözese St. Gallen (612-2012).

Am Seeufer in Steinach/CH engagierte sich der führere schweizerische Nationalrat der Grünen und Vorstandsmitglied der GSoA (Gruppe für eine Schweiz ohne Armee) und forderte in seiner Rede ein Ende der Schweizer Waffenexporte in die Krisengebiete des Nahen und Mittleren Ostens.  Er warf der Schweiz die Unterstützung "unsinniger Kriege"  und nannte den Krieg gegen Afghanistan als Beispiel. Dieser "völlig unsinnige und aussichtslose" Feldzug habe in den vergangenen zehn Jahren 40.000 Tote gefordert. Dennoch unterstützen schweizerische Firmen wie die Steinacher STI Hartchrom mit Lieferungen an NATO-Staaten militärische Einsätze des Bündnisses. Gerade angesichts der drohenden Eskalation des Konfliktes zwischen Israel und dem Iran um dessen Atomprogramm sei "jegliche militärische und rüstungsmässige Zusammenarbeit" mit allen Ländern in dieser "heisersten Region unseres Planeten" einzustellen, forderte Jo Lang.

In Friedrichshafen wuchs die Demonstrantengruppe auf fast 400 Personen an. Die Fassade des Geschäftssitzes der MTU im Rücken, fand Jürgen Grässlin (Sprecher der Aktion Aufschrei und Träger des Aachener Friedenspreises 2011) klare Worte: "Steigen Sie aus, aus dem Geschäft mit dem Tod" forderte er unter dem Applaus der Friedensmarschierer und warf dem Dieselmotorenhersteller angesichts von Lieferungen von Schiffs- und Panzermotoren in zahlreiche Krisengebiete eine Mitverantwortung für das "Morden" in aller Welt vor. Die MTU bzw. ihre Muttergesellschaft TOGNUM habe Motoren für die Militärmarine Ägyptens, Bahrains, Saudi-Arabiens, in die Emirate, nach Indien, Pakistan, Taiwan und China geliefert. "Die Menschenrechtslage in alle diesen Ländern ist desaströs, die sicherheitslage vielfach dramatisch" sagte Grässlin. Viele dieser Länder lägen in Krisengebieten: "Mit jeder kriegerischen Auseinandersetzung macht sich die Geschäftsführung von TOGNUM/MTU mitschuldig am Morden". Eine solche "profitorientierte Geschäftspolitik" seit zutiefst beschämend.

Zum Abschluss des Friedensweges 2012 in den Räumen der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus wurde der "Aufruf für eine rüstungsfreie Zone Bodensee" veröffentlicht und zur weiteren Verbreitung eingeladen. Jo Lang, Martina Knappert-Hiese und Jürgen Grässlin kamen in der von Rainer Schmied und Arne Engeli gut moderierten Schlusskundgebung nochmals ausführlich zur Sprache. Trotz ihrer Kriegserfahrungen sei die Bodenseeregion heute eine "Rüstungsregion" heißt es im Aufruf. Ein rundes Dutzend Firmen um den Bodensee verkaufe "Tod und Zerstörung" verbreitende Produkte in die ganze Welt. Eine Reihe von Firmen am schweizerischen und deutschen Seeufer sind namentlich genannt. Der Aufruf richtet sich an die Menschen aber auch an Politik und Wirtschaft in den Bodenseeanrainerstaaten, sich für eine Umstellung der Rüstungsbetriebe auf zivile Produktionen stark zu machen und kreativ zu sein. Ein solcher Wandel könnte gelingen. Auch wenn er zunächst Arbeitsplätze koste, können die Kapazitäten für sinnvolle Produkte und Dienstleistungen rund um die Energiewende und den Kampf gegen Klimawandel beispielsweise eingesetzt werden. 

Unter den 40 Organisationen, Gruppierungen aus Politik und Kirchen, verschiedenen NGOs und anderen Vereinigungen, finden sich in der Liste der Mitveranstalter und Einladenden zum Friedensweg 2012 aus Vorarlberg die Pfarre Frastanz, die Johann-August-Malin-Gesellschaft, der Arbeitskreis Christentum und Sozialdemokratie und Pax Christi Vorarlberg, die sich für die "rüstungsfreie Zone Bodensee" eingebracht haben.  Der "Aufruf für eine rüstungsfreie Zone Bodensee" wird an die Vorarlberger Mitgliedstädte und -gemeinden - unter den 82 österreichischen finden sich 29 (!) vorarlbergische Mitglieder der "Mayers for Peace" -  weitergegeben werden. Der weltweite Verband der "Bürgermeister für den Frieden" setzt sich ein "für die Abschaffung aller Atomwaffen" und für eine atomwaffenfreie Welt, die bis zum Jahr 2020 erreicht werden soll. Die Hiroshima- und Nagasaki-Gedenktage am 6. und 9. August 2012 sind für friedensbewegte Menschen weltweit und für die Vorarlberger "Mayers for Peace" eine Chance, Farbe zu bekennen für eine atomwaffenfreie Welt und auch einzustehen für die "rüstungsfreie Zone Bodensee". 

 

Von Walter Buder veröffentlicht am 10.04.2012

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