Mehr als 30.000 Jugendliche aus ganz Europa versammeln sich vom 28. Dezember bis zum 1. Jänner in Rotterdam zum 33. Europäischen Jugendtreffen der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé. Auch aus Österreich nehmen mehr als 100 Jugendliche teil.
Zeichen konkreter Solidarität
Frère Alois, der Prior der ökumenischen Gemeinschaft, schilderte bei Eröffnung des Treffens den Jugendlichen seine Eindrücke von seinem Besuch Mitte Dezember in Haiti und rief zu weiterer Hilfe für das vor einem Jahr von einem Erdbeben verwüstete Haiti auf.
"Bei der Ankunft in Port-au-Prince holte mich der junge Bischof Pierre Dumas ab. Wir fuhren sofort zur Domruine. Unterwegs, mitten in der Stadt, standen unübersehbar viele Zelte. Noch 1,5 Millionen der sieben Millionen Haitianer leben dort eng zusammengepfercht. Die harten Lebensbedingungen führen mehr und mehr zu offener Gewalt und laufen Gefahr, das ganze Land in Flammen aufgehen zu lassen", warnte der Prior. In der Niederlassung der von Mutter Teresa gegründeten "Missionarinnen der Nächstenliebe" seien 400 Kinder versammelt gewesen. "Die meisten waren Waisen. In einem benachbarten Raum lagen Säuglinge. Mehrere waren schwer krank", schilderte Frere Alois in bewegten Worten.
Die Gemeinschaft von Taizé werde daher eine konkrete Initiative starten. Mit den Spenden, die bei der sogenannten "Operation Hoffnung" zusammenkommen, "unterstützen wir Projekte, die in Haiti für Kinder in Schwierigkeiten ins Leben gerufen wurden, vor allem Bildungsprojekte. Alle können sich daran beteiligen", ermunterte der Prior die Jugendlichen aus ganz Europa zu "konkreter Solidarität".
Jugendliche aus Haiti zu Gast
Solidarität und Mitleid seien "niemals eine Einbahnstraße. Wenn wir geben, empfangen wir", so Frère Alois. Es gebe Armut und Ungerechtigkeit auch "ganz in unserer Nähe, selbst in den wohlhabenden Gesellschaften". Die jungen Menschen sollten daher "darüber nachdenken, wie das Mitleiden immer mehr Raum in ihrem Leben einnehmen könne, wie sie auf Menschen zugehen, die leiden und ärmer sind als sie selbst". Es gehe um eine "Entscheidung für den Menschen, für unseren Nächsten".
Zum Treffen in Rotterdam kam auch drei Jugendliche aus Haiti, die derzeit in Taizé leben. "Selbst wenn wir nicht zur Gänze erfassen können, was sie in den letzten Monaten durchlitten, möchten wir ihnen versichern, dass wir ihnen nahe bleiben", betonte der Prior. Eine der Jugendlichen aus Haiti kam bei der Begegnung selbst zu Wort: "Wir möchten uns bei euch für eure Solidarität bedanken. Viele, viele Menschen überall auf der Erde helfen unserem Land. Ihr sollt aber auch wissen, dass der Aufbau von Haiti von uns selbst ausgehen muss. Bei uns gibt es viele Jugendliche, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Wir bereiten uns darauf vor. Danke für eure Unterstützung, danke dass ihr für uns betet und Haiti nicht vergesst."
Jugendtreffen für alle Menschen offen
Schon zuvor hatte Frère Alois betont, das Jugendtreffen sei für alle Menschen offen, auch wenn sie sich nicht auf Christus bezögen. Als Beispiel nannte er muslimische Gruppierungen. Rotterdam gehört zu den elf Städten Europas mit dem höchsten Anteil an Muslimen. Mit rund 10.000 Teilnehmern stellen die Niederlande mit Abstand die größte nationale Teilnehmergruppe der Begegnung. Danach folgen Polen mit rund 5.900 Teilnehmern und Deutschland mit etwa 1.200 Jugendlichen.
Nach Posen, Brüssel, Genf, Zagreb, Mailand, Lissabon, Hamburg, Budapest, Paris … findet das von Taizé organisierte 33. Europäische Jugendtreffen in diesem Jahr vom 28. Dezember bis 1. Januar in Rotterdam statt. Es folgt einer Einladung der Holländischen Bischofskonferenz, des Generalrats der Evangelischen Kirchen der Niederlande und des Holländischen Rats der Kirchen.
Mit dieser neuen Etappe des „Pilgerweges des Vertrauens auf der Erde“ setzt die Communauté von Taizé den Weg ihres Gründers, Frère Roger, fort und möchte Jugendliche auf ihrer Suche nach Versöhnung und Frieden unter den Christen und zwischen den Völkern unterstützen.
Rotterdam gedenkt dabei eines seiner berühmten Bürger: Erasmus. Dieser wurde 1467 in dieser Stadt geboren und zählt zu den Wegbereitern des heutigen Europa. Leidenschaftlich war er in seiner Zeit für „Frieden in der Christenheit“, „Eintracht der Kirche“ und Versöhnung zwischen den Völkern eingetreten.
Während des Treffens werden die jungen Teilnehmer von Kirchengemeinden und Familien der gesamten Region – von Breda bis Den Haag, von Gouda bis Hoek van Holland – aufgenommen. Die Vormittage verbringen sie in einer der 150 Gastkirchengemeinden, ab mittags kommen alle zu den gemeinsamen Mahlzeiten und Gebeten auf dem Messegelände „Ahoy“ zusammen. Die an den Nachmittagen vorgeschlagenen Thementreffen bieten Anstöße, über die Quellen des Glaubens und die Möglichkeiten eines Engagements in Kirche und Gesellschaft in der Nachfolge Christi nachzudenken.
(RED/KAP)
Von Hannes Mäser veröffentlicht am 30.12.2010

