Der vatikanische Pressesprecher P. Federico Lombardi SJ erläuterte den Brief Benedikts XVI. an den Weltepiskopat zur Lefebvrianer-Causa. Lob vom Jüdischen Weltkongress.

Vatikanstadt (KAP) Papst Benedikt XVI. wollte sich mit seinem Erklärungsbrief an den Weltepiskopat zur Lefebvrianer-Causa nach Aussage von Vatikan-Sprecher P. Federico Lombardi SJ persönlich der Krise stellen. In der "gewohnten Klarheit und Demut" räume der Papst Grenzen und Fehler in dem Vorgang ein, erklärte P. Lombardi bei der offiziellen Vorstellung des Schreibens am Donnerstag. Der Vatikan begleitete die Publikation des vierseitigen Briefs an die Bischöfe mit einer zweiseitigen Inhaltsangabe, einer ebenfalls zweiseitigen Stellungnahme P. Lombardis und dessen mündlichen Erläuterungen.

Die vom Papst verfügte Anbindung der Kommission "Ecclesia Dei", die sich um rückkehrwillige Lefebvrianer kümmern soll, an die Glaubenskongregation solle mehr bischöfliche Kollegialität bei den Entscheidungen garantieren, sagte P. Lombardi. Benedikt XVI. antworte damit auf die Einwände, die vor allem von den direkt betroffenen Bischofskonferenzen gegen die Aufhebung der Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe vorgebracht worden waren.

Der Papst verzichte "mit großem Edelmut" darauf, anderen die Verantwortung zuzuweisen, sondern übe Solidarität mit seinen Mitarbeitern, erklärte der Pressesprecher des Heiligen Stuhls. Das Hauptgewicht des Schreibens liege auf der Rechtfertigung seiner Versöhnungsbemühungen. Benedikt XVI. fühle sich "in seiner Verantwortung als Hirte der universalen Kirche tief angesprochen" und wolle seinen Mitbrüdern im Bischofsamt darlegen, mit welchen Prioritäten und in welchem Geist er seinen Dienst ausübe.

Benedikt XVI. erinnere an "schwere Mängel" in zahlreichen Äußerungen der Lefebvrianer, betonte P. Lombardi. Einen "gleichen kritischen Realismus" zeige der Papst aber gegenüber denjenigen in Kirche und Gesellschaft, die sich jedem Bemühen um Versöhnung und der Anerkennung positiver Elemente im Anderen widersetzen.

Der Brief des Papstes wurde Anfang der Woche an die Bischöfe der Welt verschickt und durch Indiskretion bereits am Mittwoch bekannt (die von Giuliano Ferrara geleitete Tageszeitung "Il Foglio" berichtete als erste; Ferrara galt ursprünglich als Kommunist, wurde dann aber zu einem überzeugten Anhänger Silvio Berlusconis).

Anbindung an die Glaubenskongregation

In dem vom Vatikan am Donnerstag veröffentlichten persönlichen Papstbrief verteidigt Benedikt XVI. zwar die Rücknahme der Exkommunikation für die vier lefebvrianischen Bischöfe. Zugleich räumt er aber Pannen ein. Im Hinblick auf den Stellenwert der Maßnahme betont Benedikt XVI., für ihn als Nachfolger Petri stehe an erster Stelle, "Gott in der Welt präsent zu machen und den Menschen Gott zu erschließen".

Bei der Aufhebung der Exkommunikation habe es handwerkliche Fehler der Kurie gegeben. In diesem Zusammenhang kündigt der Papst strukturelle Veränderungen bei der Wiedereingliederung rückkehrwilliger Lefebvrianer an. Benedikt XVI. will die zuständige Kommission "Ecclesia Dei", die wegen der Pannen auch von einzelnen Bischöfe kritisiert wurde, stärker an die Glaubenskongregation anbinden. Künftig würden die Leiter anderer vatikanischer Behörden und Vertreter des Weltepiskopats, die mit der Glaubenskongregation zusammenarbeiten, in die Tätigkeiten von "Ecclesia Dei" einbezogen.

Die Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe, sei keineswegs eine Anerkennung der "Pius-Bruderschaft", ruft der Papst in Erinnerung. Diese Anerkennung setze eine vollständige Akzeptanz des Zweiten Vatikanischen Konzils von Seiten der Lefebvrianer voraus.

Benedikt bedauert zutiefst, dass seine ausgestreckte Hand gegenüber einer Randgruppe "den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat". Indirekt übt er Kritik daran, dass die Äußerungen des Holocaust-Leugners Richard Williamson nicht rechtzeitig bemerkt wurden. Dadurch sei es zu einer Überlagerung mit der Rücknahme der Exkommunikation und zu einem medialen Kurzschluss gekommen. Als Konsequenz werde der Vatikan künftig vermehrt Internet-Quellen auswerten. Gedankt wird in dem Brief den "jüdischen Freunden", die geholfen hätten, das Missverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens zwischen Katholiken und Juden wiederherzustellen.

In der Sorge um die Einheit der Christen müssten auch "die kleinen und mittleren Versöhnungen" wie mit den Lefebvrianern Raum finden. "Können wir sie von der Suche nach Versöhnung und Einheit einfach ausschließen wie Repräsentanten einer radikalen Randgruppe?", heißt es in dem Papst-Schreiben. Er habe bisweilen den Eindruck, die Gesellschaft benötige "wenigstens eine Gruppe, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Hass losgehen darf", so Benedikt XVI. In dem Moment, als er sich mit dieser Gruppe beschäftigt habe, sei auch er selbst anscheinend "des Rechts auf Toleranz verlustig" gegangen, und man habe ihn "ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Hass bedacht".

Zollitsch: Papst hat sehr gelitten

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat den Papstbrief zur Debatte um die lefebvrianische "Pius-Bruderschaft" als Klarstellung begrüßt. Er sprach am Mittwochabend vor Journalisten in Rom von einem "großartigen und ungewöhnlich persönlichen" Schreiben Benedikts XVI. Der Brief mache deutlich, "wie sehr der Heilige Vater persönlich davon betroffen ist".

"Ich habe den Eindruck, dass der Heilige Vater in den letzten Wochen sehr gelitten hat", sagte Zollitsch. Der Papst habe offenbar "eine ganze Welle" der Kritik gegen ihn gespürt. Sein Brief sei damit auch Ausdruck dafür, dass er sich in seinem Anliegen der Einheit der Kirche nicht verstanden fühlte, so Zollitsch.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz forderte die "Pius-Bruderschaft" auf, sich zu mäßigen. Sie solle mit Attacken gegen Bischöfe und vermeintliche Irrlehren aufhören. "Wenn ich mit jemanden ein Gespräch und Einheit will, dann darf ich ihm nicht ständig ins Gesicht schlagen", so der Erzbischof. Den von lefebvrianisch beeinflussten und nostalgischen Kreisen erhobenen Vorwurf, er stehe nicht eindeutig hinter dem Papst, wies Zollitsch entschieden zurück.

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßte den Papstbrief. Es sei "ein geschichtlich einmaliges und sehr persönliches Dokument", erklärte ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer in Bonn. In dem Brief bekräftige der Papst eindrucksvoll sein Festhalten am Zweiten Vatikanischen Konzil sowie sein Bekenntnis zur Versöhnung zwischen Juden und Christen, zur Ökumene und zum interreligiösen Dialog. Es bleibe dabei, dass die "Pius-Bruderschaft" sich rückhaltlos zum Zweiten Vaticanum bekennen müsse.

Lob vom Jüdischen Weltkongress

Der Jüdische Weltkongress (World Jewish Congress/WJC) begrüßt den Brief von Papst Benedikt XVI. zu den Vorgängen um die Lefebvrianer. Der Papst habe zu den Aussagen des lefebvrianischen Bischofs Richard Williamson "unmissverständliche Worte" gefunden und Fehler bei der Aufhebung der Exkommunikation eingeräumt, lobte WJC-Präsident Ronald S. Lauder am Donnerstag in New York.

Der Brief des Papstes stehe für Offenheit und den Willen, schwierige Themen direkt anzugehen, so Lauder weiter. Damit entspreche er den grundlegenden Erfordernissen für den interreligiösen Dialog. Der WJC-Präsident erklärte, seine Institution wolle weiter mit der katholischen Kirche zusammenarbeiten, "um das gegenseitige Verständnis und den Respekt voreinander zu stärken".

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