Ökumene, Familie, Flüchtlinge, Barmherzigkeit und Reform - mit diesen fünf Begriffen lässt sich grob abstecken, was die katholische Kirche weltweit und in Österreich 2016 bewegt hat. Ein Blick zurück, und dann...

Fast vier Jahre ist Papst Franziskus nun schon im Amt. Und bleibt mit seinen nun immerhin 80 Jahren sich und seinem unkonventionellen Stil, überraschenden Symbolhandlungen und beharrlichem Erneuerungsstreben selbst treu. Und das auch und gerade gegen immer spürbareren Widerstand aus den eigenen Reihen. Aus kirchengeschichtlicher Perspektive sei das allemal normal, bräuchten doch Ereignisse wie ein Konzil rund 100 Jahre, um umgesetzt zu sein, meinte Franziskus kürzlich dazu in Richtung seiner Kritiker.

Wer hätte je gedacht, dass die so lang erhoffte und bereits mehrfach vorbereitete persönliche Begegnung zwischen dem römischen Papst und dem russisch-orthodoxen Patriarchen just in Kuba stattfinden könnte? Der Flughafen von Havanna als Transitraum für eine versöhnte Kirche im 21. Jahrhundert? Das Bild von der brüderlichen Umarmung zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill ist historisch und so stark, dass es wirken wird, allen bestehenden Widrigkeiten zum Trotz.

Ökumene und päpstliche Dokumente

Papst Franziskus setzt ökumenische Meilensteine und "steckte" auch Österreich an. Erstmals tagte im November die katholische Bischofskonferenz zusammen mit den Spitzen der evangelischen Kirchen. Die gemeinsame Erklärung "500 Jahre Reformation - Vom Gegeneinander zum Miteinander" ist dafür programmatisch. In "Amoris laetitia" fordert der Papst u.a. mehr Barmherzigkeit und Realismus im kirchlichen Umgang mit Familien und Ehepaaren. Kein päpstliches Dokument seit "Humanae vitae" hat innerhalb der katholischen Kirche so viele Reaktionen ausgelöst. Die Debatte darüber, welche Konsequenzen "Amoris laetitia" für wiederverheiratete Geschiedene hat, hält bis heute an - nicht zuletzt deswegen, weil der Papst die Frage bewusst offen lässt.

Barmherzigkeit und Flüchtlinge

Sieben leibliche Werke der Barmherzigkeit kennt die kirchliche Tradition und eines davon lautet: Fremde beherbergen. Mit seinem Einsatz für die Not von Flüchtlingen hat der Papst ein Grundanliegen seines Pontifikats auch in diesem Jahr konsequent weiterverfolgt. Und vorgelebt, wie das aussehen könnte.  Die Kirche in Österreich hat - so viel kann im europaweiten Vergleich festgestellt werden - diese päpstliche Botschaft verstanden und auch umzusetzen versucht. Von den rund 90.000 Asylwerbern in diesem Jahr waren 10 Prozent in kirchlichen Grundversorgungsquartieren untergebracht. Weitere 35.000 Asylwerber wurden von der Caritas mobil betreut, womit die Kirche für jeden zweiten Asylwerber in Österreich zuständig war und ist. Ein klare Absage erteilten die Bischöfe auch den Verschärfungen des Asylrechts mittels Obergrenze.

Nicht nur in Rom

Vor diesem Hintergrund ist es dem Papst im nun zu Ende gegangenen Jahr gelungen, "Barmherzigkeit" als christlichen Zentralbegriff ins Heute zu übersetzen und zum Maß für kirchliches Handelns zu erklären. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die Revolution der Barmherzigkeit die Kirche erneuern kann. Neu war jedenfalls der Umstand, dass erstmals ein Heiliges Jahr nicht zentral in Rom, sondern gleichzeitig dezentral in allen Diözesen und so auch in Österreich begangen wurde. (red/kathpress)