"An Hunger sterben die Menschen leise, aber gerade dieser weltweite Skandal schreit laut zum Himmel. Denn die Spuren in Körper und Seele eines Menschen bleiben", erklärt Caritas-Präsident Franz Küberl zum Auftakt der diesjährigen Caritas-Sammlung "Für eine Zukunft ohne Hunger". Denn auch wenn dieses Mal endlich früher mit der Hilfe für die Menschen in Westafrika begonnen worden sei, sei die Lage dennoch dramatisch.

Rund 18 Millionen Menschen leiden allein in der Sahelzone in Westafrika an Hunger. Davon, was das wirklich bedeutet und wie schlimm die Lage der Menschen dort ist, konnte sich der Caritas-Präsident bei einem Lokalaugenschein in Niger und Burkina Faso selbst ein Bild machen. "Hunger bedeutet, dass die Menschen ihr Saatgut aufessen, anstatt es anzubauen, dass Eltern auf Essen verzichten, damit wenigstens die Kinder etwas haben, und dass sie Gras und Äste kochen", weist er auf die Probleme hin.

Begrenztheit der Hilfe
Hinter der Hungerkrise steht dabei ein "ein tödlicher Mix aus Dürre, Lebensmittelteuerungen, chronischer Armut und politischen Konflikten". Die Lage der Menschen ist dramatisch, denn die Reserven sind längst aufgebraucht. "Bei der einzigen Mahlzeit am Tag gibt es oft nur noch einen Brei aus Blättern", berichtet Küberl. Doch nicht nur Erwachsene, auch Kinder sind massiv von der Krise betroffen: In der Region Ouallam im Niger zum Beispiel habe mittlerweile jedes zweite Kind nicht ausreichend zu essen, jedes siebte Kind sei schwerst unterernährt.

"Unsere Partner in den Ernährungszentren haben uns berichtet, dass sie nur knapp die Hälfte jener Kinder versorgen können, die dringend Hilfe brauchen. Für mehr Hilfe reichen die Mittel nicht." Das zeige die Begrenztheit der Hilfe auf, erklärt Küberl. "Es ist einiges da, aber leider nicht soviel, dass allen geholfen werden kann", so der Caritas-Präsident.

Hunger macht Körper und Seele krank
Lebensmittelverteilungen seien "etwas Besonderes" für die Betroffenen, "obwohl sie immer auch intime Vorgänge sind", so der Caritas-Präsident weiter. Denn es handle sich um Menschen, "die immer von der eigenen Arbeit leben wollten und nicht von anderen, es dann aber nicht zusammenbringen". Manche Väter werden ob des Drucks ihre eigene Familien nicht ernähren zu können, sogar schwer belastet und krank. "Hunger macht Körper und Seele krank. Und an Hunger stirbt man leise, es ist ein leises Wegbrechen", so Küberl.

Früh begonnen
Auch in Burkina Faso trüge der Schein grüner Hirsefelder, sagt der Caritas-Präsident: "Sofern es weiterhin ausreichend regnet und eine Heuschreckenplage ausbleibt, ist die nächste Ernte im Oktober. Bis dahin sind die Menschen in jedem Fall noch auf Nothilfe angewiesen." Trotz der dramatischen Hungerkrise ist die Katastrophe noch nicht ausgebrochen. "Das hat damit zu tun, das erstmals seit langem früher mit der Hilfe begonnen wurde", so Küberl. Ein erster guter Schritt, aber der Caritas-Präsident ist vor allem bezüglich Österreichs Entwicklungshilfe noch nicht zufrieden.

Nächster Gang!
Küberl appelliert an die österreichische Regierung, in der Entwicklungshilfe "endlich vom Rückwärtsgang in den Vorwärtsgang zu schalten", denn in den vergangenen Jahren seien die Mittel von "bescheiden" auf "bescheidendst" reduziert worden. "Wir brauchen aber diese Wohlstands- und Friedensdividende, denn das ist Entwicklungshilfe in Wirklichkeit", forderte er. Neben der deutlichen Verbesserung und Erhöhung der Entwicklungshilfe auf nationaler Ebene brauche es  international u. a. ein rechtlich verbindliches Klimaschutzabkommen, eine Agrarpolitik, die die Lebensmittel- und Agrarsysteme anderer Länder nicht schädigt, sowie das Verbot von Finanzspekulationen auf Nahrungsmittel. "Wir sollten die weltweite Tragödie Hunger endlich beenden“, so Küberl. Wir sind weltweit soweit und auch so reich, dass wir es schaffen sollten, wenn wir es wollten. Dazu braucht es aber klare Initiativen.“

Eine dieser Initiativen ist die Caritas-Sammlung "Für eine Zukunft ohne Hunger", die notleidenden Menschen in Afrika,  Asien und Lateinamerika zugute kommt. Zudem wurde auch die Aktion "30 Tage Challenge" gestartet. Unter dem Motto "160 Zeichen gegen den Hunger" werden einen Monat lang täglich eine SMS oder ein E-Mail an die Abonnenten mit einer konkreten Anregung versendet, die mithilft, im eigenen Umfeld Umwelt und globale Ressourcen zu schonen. Wer sich beteiligen will, kann den Newsletter kostenlos abonnieren. Die Aktion endet automatisch. (red/kathpress)

Gesellschaftspolitischer Stammtisch
Auch die Diözese Feldkirch beschäftigt sich mit den Themen Ernährungskrise, Finanzwirtschaft und welchen Beitrag wir dabei leisten können. Im Herbst diskutiert der Gesellschaftspolitische Stammtisch beispielsweise unter dem Titel "Brot und Börsen"  über den Einfluss der Finanzwirtschaft auf die globale Ernährungskrise. Bei den Werkstattgesprächen "Zum Lenken im Hamsterrad" geht es um politisches Handeln in Zeiten von Finanzspekulationen, Schuldenkrisen und allmächtigen Konzernen.

 

O-Töne vom Interview mit Caritas-Präsident Küberl sind auf www.kathpress.at/audio abrufbar

Von Simone Rinner veröffentlicht am 10.07.2012

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