Schulamtsleiter Dr. Hans Fink war gestern Abend in Vorarlberg Heute zum Thema Religionsunterricht zu Gast. Bundesministerin Schmied und IGGOe-Präsident Schakfeh einigen sich auf Fünf-Punkte-Programm. Schmied und auch Landeshauptmann Sausgruber bekräftigen den Wert des Religionsunterrichtes.

Der muslimische Religionsunterricht ist seit Bekanntwerden der Studienergebnisse des Islamwissenschaftlers und Religionspädagogen Mouhanad Khorchide in die Kritik geraten. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich, zugleich oberste Schulbehörde für den Muslimischen Religionsunterricht, kam darauf hin stark unter Druck. Manche Politiker forderten darauf hin die Überprüfung jeglichen Religionsunterrichtes an staatlichen Schulen.

Der Schulamtsleiter der Diözese Feldkirch, Dr. Hans Fink, antwortete in der V-Heute Sendung vom 4. Februar auf die Frage, ob es einen Ethikunterricht anstelle des Religionsunterrichts geben solle, dass er seit den ersten Schulversuchen immer für die Alternative eines Ethikunterrichts gewesen sei und bekundete damit seitens der Katholischen Kirche Offenheit gegenüber Wertevermittlungen abseits traditioneller Unterrichtsmodelle. Bei einer TED-Umfrage während der Sendung sprachen sich 34 Prozent für, 66 Prozent gegen den Ethikunterricht anstelle des Religionsunterrichtes aus. "Dies", kommentierte Hans Fink die Umfrage, "entspricht den Erfahrungswerten, die wir haben".

In Bezug auf Lösungen im muslimischen Religionsunterricht einigten sich Bundesministerin Claudia Schmied und der Präsident der Islamischen Glaubengemeinschaft, Anas Schakfeh, Ende Jänner auf ein Fünf-Punkte-Programm . Demnach werden Lehr- und Dienstpläne erneuert sowie Pädagogen auf Deutsch- und Demokratiekenntnisse geprüft. Einer der Kritikpunkt des Studienautors Khorchide war ja die Tatsache, dass 22% der muslimsichen Religionslehrer der Aussage zustimmten, dass Demokratie mit dem Islam unvereinbar sei. Mehr zur Einigung zwischen Schmied und Schakfeh auch auf kathpress.at.

"Erstaunt" darüber, dass sich im Blick auf den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen jetzt der Ruf nach "Verschärfung der Gesetze" laut wird, zeigt sich die geschäftsführende Leiterin des Interdiözesanen Amtes für Unterricht und Erziehung, Hofrat Christine Mann im "Kathpress"-Gespräch. Sie spricht sich dafür aus, "dass die Agenden der staatlichen Schulaufsicht unaufgeregt und konsequent wahrgenommen werden". Eine Kooperation mit muslimischen Lehrpersonen im Bereich der Aus-, Fort- und Weiterbildung könne sie sich gut vorstellen. Mehr zur Stellungnahme von Amtsleiterin Christine Mann hier. Der Religionsunterricht in Österreich ist seit langem gesetzlich geregelt.

Durch die jüngste Debatte über den islamischen Religionsunterricht in Österreich sind die Lehrer "pauschal unter Verdacht" geraten, den Rechtsstaat abzulehnen, viele von ihnen sehen sich jetzt "in ein kriminelles Eck geschoben": Dies beklagt der Autor der zuletzt vielzitierten Studie "Islamischer Religionsunterricht zwischen Integration und Parallelgesellschaft", der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide, in einem Kommentar für die letzten Freitag erschienene Ausgabe der katholischen Wochenzeitung "Die Furche". Khorchide kritisiert, dass die jüngste Diskussion die Ergebnisse seiner Studie auf den Aspekt eines Demokratiedefizits reduziert werden: "Betrachtet man aber die Ergebnisse, die den Religionsunterricht unmittelbar betreffen, dann ergibt sich ein völlig anderes Bild".
84 Prozent der islamischen Religionslehrer würden in der Förderung der interreligiösen Dialogfähigkeit ihrer Schüler eine vorrangige Aufgabe des Unterrichts sehen; 89 Prozent von ihnen deklarierten dasselbe hinsichtlich des Verständnisses für die Sicht Andersgläubiger. Gleich 93 Prozent legten ein Hauptaugenmerk auf die Ermutigung der Schüler, für Frieden einzutreten, 73 Prozent auf die Befähigung, "eine islamisch-europäische Identität zu entwickeln".
Zudem erfüllen die islamischen Religionslehrer wichtige Mediationsaufgaben, fügte Khorchide hinzu. Sie seien oft die erste Adresse, wenn es Probleme mit den muslimischen Schülern oder ihren Eltern und der Schule gibt: Mehr als zwei Drittel geben an, dass sie in solchen Fällen vermittelnd wirkten.


Defizite vieler Religionslehrer, die unmittelbare Konsequenzen auf den Religionsunterricht haben, sind laut Khorchide vor allem mangelnde Qualifikation und sprachliche Probleme: "Die Islamische Glaubensgemeinschaft ist gefordert, durch ihre Fachinspektoren konsequent einzugreifen". Auch das Bildungsministerium müsse sich stärker engagieren - nicht im Sinn von mehr Kontrolle, sondern von mehr Kooperation mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Gemeinsames Bemühen solle es sein, die Qualität der Aus- und Fortbildung der islamischen Religionslehrer zu verbessern.

Bildungsministerin Claudia Schmied hat inzwischen auch ein klares Bekenntnis zum konfessionellen Religionsunterricht an Österreichs Schulen abgelegt. "Eine Abschaffung des Religionsunterrichts ist für mich nicht vorstellbar", sagte Schmied am Montagabend in der ORF-"Zeit im Bild 2". Die Kathpress-Meldung dazu finden Sie hier.

Auch der Vorarlberger Landeshauptmann schließt sich diesem Bekenntnis an: "Der Religionsunterricht erfüllt eine bedeutende Aufgabe in moralisch-ethischer Hinsicht und ist daher außer Streit zu stellen", betont Landeshauptmann Herbert Sausgruber angesichts der laufenden Diskussion über den Religionsunterricht an Österreichs Schulen in einer Presseaussendung. Probleme, wie sie im islamischen Religionsunterricht zu Tage getreten sind, sind dort zu lösen und dürfen nicht zum Anlass genommen werden, den christlichen Religionsunterricht in Frage zu stellen. "Ethikunterricht soll dort angeboten werden, wo Schüler sich vom Religionsunterricht abmelden. Derzeit hat die Abmeldung zur Folge, dass die Unterrichtsstunde ausfällt", so Sausgruber.

"Der christliche Religionsunterricht hat unverändert bestehen zu bleiben", fordert Landeshauptmann Sausgruber. Der von manchen geforderte verpflichtende Ethikunterricht macht für Sausgruber nur Sinn für Schülerinnen und Schüler, die sich vom regulären Religionsunterricht abmelden.

In Richtung des islamischen Religionsunterrichts formuliert Sausgruber klare Spielregeln: Islamunterricht hat selbstverständlich in deutscher Sprache zu erfolgen und den Inhalten der Verfassung zu entsprechen. "Die Religionsfreiheit hat ihre Grenzen in der staatlichen Ordnung. Das ist selbstverständlich zu akzeptieren. Daraus aber den Schluss zu ziehen, es sei auch der christliche Religionsunterricht abzuschaffen, halte ich für eine massive Fehlleistung und lehne das aus Überzeugung ganz entschieden ab", betont Sausgruber.