
Wer seinen Glauben leben und dafür einen besonderen Ort auswählen möchte, besucht gerne eine der wunderschönen Kirchen im Land. Eine eindrucksvolle Erfahrung kann es jedoch sein, dies unter freiem Himmel in der Natur zu tun – beispielsweise auf einem der malerischen Pilgerwege, die Vorarlberg in so vielfältiger Weise anbietet.
„Wenn ich einen stressigen Tag hatte und meine Gedanken mit dem lieben Gott teilen möchte, dann ziehe ich meine Wanderschuhe an und mache mich auf den Weg zur Basilika nach Bildstein“, schildert die KirchenBlatt-Mitarbeiterin Petra Baur ihre Erfahrungen mit dem spirituellen Wandern. Die Schwarzacherin hat das Glück, direkt am Startpunkt einer der schönsten Pilgerrouten des Landes zu wohnen. Raus aus der Haustür, an einigen Wohnhäusern vorbei – und schon befindet man sich innerhalb weniger Minuten mitten in der Natur. Die Aussicht auf das Rheintal und den Bodensee belohnt die Pilger:innen schon nach kurzer Zeit und macht Lust, den Weg weiter zu erkunden.
Bald befindet man sich in einem kleinen Wald, atmet die klare Luft ein und versteht, was Petra Baur meint, wenn sie sagt: „Hier bin ich unterwegs mit dem lieben Gott. Hier komme ich ganz zur Ruhe und kann meinen Glauben auf eine ganz besondere Weise ausleben.“
Den Grundstein für dieses Ritual legte bereits ihr Vater. Er ging diesen Weg immer gerne und wollte seine damals zehnjährige Tochter an diesem Erlebnis teilhaben lassen. Noch heute hört sie seine Worte, sie solle all ihre Sorgen und belastenden Gedanken hinter sich lassen. Und es wirkte. Sie spürte, wie sie mit jedem Schritt Erleichterung erfuhr – immer weiter über Wiesen, durch den Wald, Richtung Bildstein.
Unterwegs laden Bildstöcke ein, stehen zu bleiben, innezuhalten, ein Gebet zu sprechen. Man kommt zur Ruhe. Als Draufgabe findet man auf dem einstündigen Weg auch Besonderheiten wie den 400 Jahre den Abschnitt des alten Prozessionswegs. „Ihr Glaube hatte für die Menschen damals eine solche Bedeutung, dass sie hier Steine verlegt haben, die einem heute noch den Weg weisen“, erläutert die Schwarzacherin unterwegs.
Wenn man den Wald hinter sich gelassen hat, sieht man bereits die Basilika in Bildstein. Die letzten Meter führen durch das Dorf, vorbei an der Kirche und zu einer der schönsten Aussichten, die Vorarlberg zu bieten hat.
Die Ankunft bei der Wallfahrtskirche Maria Bildstein ist schließlich ein besonderes Erlebnis. Die Kirche, die seit Jahrhunderten ein Ort des Gebets und der Hoffnung ist, bietet Raum für Dankbarkeit und neue Kraft. Viele Pilger:innen entzünden eine Kerze, sprechen ein Gebet oder verweilen in der Stille des Kirchenraums.
Das Pilgern ist nicht nur ein äußerer, sondern auch ein innerer Weg. Die Zeit unterwegs ermöglicht es, Lasten loszulassen, neue Perspektiven zu gewinnen und mit gestärktem Geist weiterzugehen. Wer einen solchen Weg einmal gegangen ist, spürt, dass Pilgern nicht nur eine Tradition ist, sondern auch eine persönliche Bereicherung. Übrigens, hat das jahrelange spirituelle Wandern Petra Baur dazu motiviert eine Ausbildung zur Pilgerbegleiterin zu absolvieren. Wer ebenfalls Interesse hat kann sich hier anmelden (siehe Factbox).
Wer gerne eintägige Pilgerwanderungen anleiten und begleiten möchte ist hier richtig. Inhalte der Schulung sind u.a.: Rolle der Pilgerbegleitung, spirituelle Rituale und Impulse gestalten, Tourenplanung, Gruppendynamik. Was gilt es zu beachten, was ist hilfreich, um als Gruppe mit Menschen aller Altersstufen einen Pilgerweg zu gestalten? Kursleiterinnen sind Dr. Nora Bösch, Theologin, Pilgerleiterin und Sandra Loacker, Wander-& Naturführerin, Reiseleiterin.
Kursbeitrag: 100 Euro (exkl. Aufenthalt St. Arbogast)
Anmeldung: willkommen@arbogast.at
Wann: Fr 16. Mai, 16 Uhr, bis So 18. Mai, 13 Uhr
Wo: Bildungshaus St. Arbogast
Bei Fragen zur Pilgerbegleiterausbildung hilft die Pilgerbeauftragte Birgit Huber gerne weiter: T 05522 3485 204 oder E birgit.huber@kath-kirche-vorarlberg.at