Einen besonderen Impuls wird zu Beginn des Workshops Bernhard Dünser setzen. Mit seiner langjährigen Erfahrung als psychosozialer Berater spricht er über unterstützende innere Haltung, den sensiblen Umgang mit Tabuthemen und die seelsorgliche Begleitung queerer Menschen und ihrer Familien.
Was bedeutet für Sie eine „akzeptierende und offene innere Haltung“ im Umgang mit Menschen?
Bernhard Dünser: Eine akzeptierende und offene innere Haltung zeigt sich für mich vor allem durch echtes Zuhören, Offenheit und die Bereitschaft, Lernprozesse zuzulassen. Es geht darum, Menschen in ihrem Sein ernst zu nehmen, ihre Lebensrealitäten anzuerkennen und ihnen Raum zu geben. Ohne dass sie sich erklären oder rechtfertigen müssen. Diese Haltung schafft Sicherheit und Vertrauen und ermöglicht Begegnung auf Augenhöhe.
Viele Menschen empfinden im Zusammenhang mit LGBTIQ+ noch Unsicherheiten oder Sprachlosigkeit. Wie kann ein guter Umgang mit diesen Themen gelingen?
Bernhard Dünser: Unsicherheiten entstehen oft aus fehlendem Wissen oder aus der Angst, etwas Falsches zu sagen. Deshalb ist es mir wichtig, wertschätzende Sprache zu fördern und Räume zu schaffen, in denen Fragen erlaubt sind. Wenn Klischees und Vorurteile nicht tabuisiert, sondern reflektiert werden dürfen, kann echte Auseinandersetzung stattfinden. Das erfordert Mut und Sensibilität – und die Bereitschaft, sich selbst immer wieder zu hinterfragen.
Welche Rolle spielt diese Haltung besonders in der seelsorglichen Begleitung queerer Menschen und ihrer Familien?
Bernhard Dünser: In der seelsorglichen Begleitung steht für mich die bedingungslose Annahme im Mittelpunkt. Gerade dort, wo Menschen Ablehnung, innere Konflikte oder familiäre Spannungen erleben, kann Seelsorge stärken, begleiten und Halt geben. Eine queerfreundliche Gemeinde macht diese Haltung sichtbar – etwa durch inklusive Gottesdienste, Segensfeiern, Gesprächsgruppen oder klare Zeichen der Solidarität. So wird Vielfalt als Bereicherung erfahrbar und Glaube lebensnah spürbar.
Was möchten Sie den Teilnehmenden aus Ihrer persönlichen und beruflichen Erfahrung mitgeben?
Bernhard Dünser: Als spätgeouteter schwuler Mann, Vater von drei Kindern und einem Sternenkind, eingebettet in Familie und Gemeinschaft, bringe ich meine persönlichen Erfahrungen ebenso ein wie meine Arbeit als psychosozialer Berater. Mir ist es ein Anliegen, Sicherheit im Umgang mit Betroffenen zu vermitteln und zu einem offenen, freien Handeln fern von Klischees, Vorurteilen und gesellschaftlicher Sprachlosigkeit zu ermutigen. Es geht darum, Mut zu machen – zu echtem Kontakt und zu einer Haltung, die Menschen stärkt.



