Warum schämt man sich oder beschämt andere? Hilft Scham oder ist sie doch nur Machtmittel und wie sieht es mit dem Schämen eigentlich in der Kirche, den Religionen und Kulturen aus? Mit diesem selbstkritischen Thema startet die Katholische Kirche Vorarlberg am 2. und 3. September im Bildungshaus St. Arbogast in den Herbst. Es gibt noch freie Plätze.

„Warum wirst du denn jetzt rot?“ Diesen Satz hat wohl schon fast jede und jeder einmal gehört. Nicht selten hat der Farbwechsel etwas damit zu tun, dass man auf etwas Peinliches hingewiesen wurde oder man dabei ertappt wurde, wie etwas so richtig schief gelaufen ist. Kurz und gut: Meist hat man sich wegen irgendetwas geschämt.

Makel, Mobbing, Machmittel

Scham hat oft etwas mit Scheitern zu tun, mit Fehlern oder dem, was gesellschaftlich als Makel angesehen wird. Alter, Krankheit oder Armut gehören da heute genauso dazu wie auch die Sexualität. Darüber hinaus zeigt sich heute Scham auch immer mehr als Macht- und Druckmittel. Dann nämlich, wenn es um das Beschämen anderer geht. (Cyber-)Mobbing ist hier nur eine der vielen Spielarten. Gleichzeitig erfahren die Scham bzw. das Beschämen und die Schande in verschiedenen Kulturen eine immer stärkere Gewichtung hin zu Ehre bzw. verletzter Ehre.

Beim Herbstsymposion der Katholischen Kirche Vorarlberg stehen nun all diese Aspekte der Scham zur Diskussion - wobei die Frage nach der eigenen Scham und Beschämung natürlich ebenso wenig fehlen darf, wie Ansätze für einen Umgang mit der Scham im kirchlichen Umfeld und vor allem im Bereich der Seelsorge.     

„Der Blick der anderen ist unerbittlich“

Referent des Herbstsymposions ist Dr. Stephan Marks, Sozialwissenschaftler, Supervisor und Autor.  Gerade heute beobachtet er in der Gesellschaft eine zunehmende Verschärfung im Umgang mit Scham. „Der Blick der anderen auf uns wird immer unerbittlicher. Tagtäglich bombardiert uns Werbung mit der Botschaft: Sei immerzu jung und fit und schlank und gesund und erfolgreich und potent und gut drauf und selbstoptimiert...“, erklärt Marks. Anstatt sich also einzugestehen, eben nicht dem Ideal zu entsprechen, scheine es, so Marks, um einiges leichter, die Scham über die eigene Unvollkommenheit abzuwehren und andere zu beschämen. Diese abgewehrte Scham kann schließlich bis hin zu Mobbing führen.

Dabei muss Scham nicht die Ausgrenzung nach sich ziehen. Ein bewusster und konstruktiver Umgang mit Scham ist zwar herausfordernd, stößt aber auch Entwicklungen an und legt Chancen offen - im zwischenmenschlichen, kirchlichen, interreligiösen und kulturellen Zusammenleben.

Gesellschaftliche und kirchliche Relevanz

Mit dem Herbstsymposion im Bildungshaus St. Arbogast beginnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Katholischen Kirche Vorarlberg, die Priester, PastoralassistentInnen, ReligionslehrerInnen und kirchlich Interessierte das neue Arbeitsjahr. Dabei steht jeweils ein gesellschaftlich wie innerkirchlich relevantes Thema im Zentrum, das gemeinsam mit externen FachreferentInnen in Vorträgen, Impulsreferaten und Workshops diskutiert und bearbeitet wird.

Termin

Scham – Vom würdevollen Umgang mit einem tabuisierten Gefühl
2. und 3. September
Bildungshaus St. Arbogast in Götzis

Referent

Programm

Montag, 2. September

  • 09.00 Uhr: Einstieg ins Thema
  • 09.30 Uhr: Erfahrungen aus unterschiedlichen kirchlichen Tätigkeitsfeldern (Round Table)
  • 10.45 Uhr: Pause
  • 11.15 Uhr: Einstieg Dr. Stephan Marks
  • 12.00 Uhr: Vorstellung neuer MitarbeiterInnen
  • 12.15 Uhr: Mittagessen
  • 14.00 Uhr: Scham - die tabuisierte Emotion. Vortrag und Austausch (Dr. Marks)
  • 15.15 Uhr: Kaffeepause
  • 15.45 - 17 Uhr: Wie zeigt sich Scham? Kleingruppen und Plenumsgespräch (Dr. Marks) 

Dienstag, 3. September

  • 09.15 Uhr: „Ansehen und Würde - Wie konstruktiv mit Scham umgehen?“ (Dr. Marks)
  • 10.15 Uhr: Pause
  • 11.30 Uhr: Plenumsgespräch (Dr. Marks)
  • 12.00 Uhr: Abschluss

Anmeldung: E

www.kath-kirche-vorarlberg.at/herbstsymposion

Fotocredit:  Abigail Keenan on Unsplash