Falls Sie sich vorgestern am Welterschöpfungstag schon ein bisschen gegruselt haben, wissen Sie ja, wie das geht. Sie dürfen nämlich gleich nochmal, denn es gab noch einen zweiten Anlass, um Gänsehaut zu bekommen: Auf den 29. Juli fiel heuer auch der Equal Pension Day, also jener Tag, an dem männliche Arbeitnehmer bereits den Pensionsanspruch erwirtschaftet haben, für den ihre Kolleginnen noch bis zum Jahresende arbeiten müssen. Der Rückstand beträgt rund 43 Prozent.

Die Gründe für diese Diskrepanz sind lange bekannt: Frauen verdienen durchschnittlich ohnehin weniger als Männer – minus 22,2 Prozent gegenüber einem Beschäftigten in gleicher Position – außerdem sind sie häufiger in Branchen tätig, die durch insgesamt niedrigere Löhne glänzen wie Handel und Soziales. Sie arbeiten eher in Teilzeit, weil sie sich daheim zusätzlich um Kind und Kegel kümmern und haben durch Karenz- und Betreuungszeiten Lücken in der Pensionskassenbiografie. Nur 2 Prozent der Frauen erreichten jene 45 Versicherungsjahre, die 80 Prozent des durchschnittlichen Monatseinkommens als Pension garantieren. Bei den Männern sind es 52 Prozent.
In Summe sind das die besten Voraussetzungen, um im Alter mit nichts als der Mindestpension dazustehen, warnt die von der katholischen und evangelischen Kirche getragene Plattform „alt.arm.weiblich“.

Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel

Und das sei vor allem für Frauen mit dramatischen Einschnitten verbunden, obwohl diese von den Betroffenen oft verborgen gehalten würden, berichtet Renate Moser, die in der Erzdiözese Wien als Seniorenseelsorgerin tätig ist und zur Kategorialen Seelsorge gehörende Dienststelle „Plattform für Geschiedene und Wiederverheiratete“ (WIGE) leitet: Manche kämen deshalb ins Pfarrcafé, „da der Kühlschrank daheim leer ist“ oder zu Ausspeisungen wie in der Wiener „Gruft“. Angebote wie Frauenkurse, Weiterbildungen oder Pfarrausflüge würden hingegen immer wieder aufgrund des Kurs- oder Fahrbeitrags nicht in Anspruch genommen. „40 Euro ist für Frauen am Existenzminimum einfach zu viel.“ Die Folge ist laut Moser oft Vereinsamung.

Um späterer Altersarmut entgegenzuwirken, sollte man darum nur kurzfristig in Teilzeit arbeiten, erklärte Moser weiter. Präventiv wirke auch Bildung, die Inanspruchnahme von Väterkarenz und Pensionssplitting, das politische Drängen auf „gleiches Recht für alle“ sowie das solidarische Unterstützen von Frauen in ihrer Karriereplanung. Stärkeres Selbstbewusstsein der Frauen sei ebenso wichtig, denn: „Frauen haben ein Recht auf eine angemessene Bezahlung und eine Gehaltserhöhung“, verdeutlichte Moser. Notfalls bleibe noch die Möglichkeit, in der Pension zu arbeiten, was jedoch nicht über die Geringfügigkeitsgrenze hinausgehen dürfe.

Politische Weichen stellen

Wichtig seien jedoch freilich auch politische Maßnahmen. Mosers Wunsch an die nächste Regierung: Bestehende Möglichkeiten einer gleichberechtigten Partnerschaft gelte es auszubauen und zu bewerben, vor allem aber auch die Erziehungszeiten besser zu honorieren, denn: „Als Frau wird man bestraft, wenn man mehrere Jahre bei den Kindern zuhause geblieben ist – auch wenn man dem Staat dabei Kosten erspart“.

All das waren Ursachen für die Gründung Plattform „alt.arm.weiblich“, mit der die Kategoriale Seelsorge der Erzdiözese Wien, die Stadtdiakonie Wien, die Katholische Frauenbewegung, der Katholische Familienverband, das Katholische Bildungswerk und die Frauen-Bildungsinitiative Anima seit knapp zwei Jahren zum Bewusstsein für das Problem der Altersarmut von Frauen beitragen.

Ach ja, und falls Sie das lesen und Vorarlbergerin sind: Im Ländle sind die Unterschiede besonders groß und der Equal Pension Day war bereits am 6. Juli. Just sayin'.

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Quelle: kathpress.at / red